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 Es lebe der kleine Unterschied!
[Abbildung zur Leseprobe]Wer hat den Satz nicht schon einmal gehört: „Eisenbahnen sehen doch alle gleich aus!“ Und wer hat sich nicht schon über so viel Unverstand geärgert!

Nehmen wir zum Beispiel unser Schwerpunktthema, die ELNA-Lokomotiven. Lutz Kuhl zeigt in seinem Beitrag auf Seite 74, wie er aus einem Weinert-Bausatz einer ELNA 6 mit der Achsfolge D eine ELNA 5 mit der Achsfolge 1'C umbaut. Dass die Maschinen sich ähnlich sehen, liegt in der Natur des Sache, schließlich handelt es sich ja um genormte Loks - außerdem werden Kessel und Führerhaus bei diesem Umbau ohnehin nicht verändert.

Sehen wir uns, sozusagen zur Abwechslung, ein größeres Modellbahn-Bw eines beliebigen Anlagenbesitzers an. Der ganze Stolz des Modellbahner-Kollegen ist der riesige Rundschuppen, aus dessen geöffneten Toren viele, viele Lokmodelle herausschauen. In der Regel gehören dabei keine zwei Maschinen derselben Baureihe an. Lauter Einzelexemplare - der Alptraum eines jeden Bw-Vorstandes! Wie soll er da vernünftige Umlaufpläne erstellen? Doch für den Loksammler gelten natürlich ganz andere Kriterien.

Möchte der Durchschnittsmodellbahner eine möglichst große Bandbreite an Loktypen vorführen (was ja auch durchaus legitim ist), so schwebt dem betriebsorientierten Anlagenbesitzer eher eine begrenzte Anzahl von unterschiedlichen Triebfahrzeugtypen vor. Ganz so, wie es die Bundesbahn eben auch hielt: Den Betriebswerken wurden meist solche Baureihen zugewiesen, die sie zur Erfüllung ihrer Bespannungsaufgaben brauchten!

Diese Zugförderungsaufgaben waren örtlich durchaus verschieden, je nachdem, ob überwiegend Schnellzüge oder Güterzüge zu befördern waren oder ob eher Nebenbahndienste gefragt waren. Aber 50er waren in den letzten Jahren des Dampfbetriebs immer dabei, und nicht nur eine! Ansonsten gab es natürlich auch „gemischte“ Bws, die sich der Modellbahner ohne weiteres zum Vorbild nehmen kann. Doch auch in gemischten Betriebswerken oder in Bw-Außenstellen war die Anzahl der Baureihen beschränkt, Einzelgänger kamen selten vor. Dafür waren die Standardbaureihen in der Regel mehrfach besetzt. Und gerade diese Standardbaureihen glichen sich nicht wie ein Ei dem anderen, sondern wiesen Unterschiede in der Leitungsführung am Kessel, in der Pumpenanordnung oder Führerhausdetails auf. Manche Dampfloks waren auch mit verschiedenen Tendern gekuppelt.

Diese „kleinen Unterschiede“ erschließen sich natürlich nur demjenigen, der besonders darauf achtet. Einschlägige Bildbände liefern massenweise Anregungen, was man an seinen Lokmodellen äußerlich alles verändern kann, damit trotz realistischer „Mehrfachbesetzung“ bestimmter Lok-Baureihen im Bw keine Uniformität aufkommt! Es lebe der kleine Unterschied - auch bei unseren Modell-Loks! Lutz Kuhl hat sich übrigens vorgenommen, die beiden ELNAs bei Gelegenheit ein wenig „unähnlicher“ zu machen. Wegen der Unterschiede trotz Normung ...
Joachim Wegener


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