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Erzähler des Eisenbahn-Jahrhunderts

 
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 Zum Tod von Karl-Ernst Maedel
[Abbildung zur Leseprobe]„Da kommt es angefahren, unser Bähnlein, und jedem Modelleisenbahner wird das Herz ob des Anblicks im Leibe lachen. Mächtig hallen die Auspuffschläge der kleinen Lokomotive von den Berghängen des Weißeritztales wider, dem sie eine Zeitlang folgt, um dann in einer fast endlosen Zahl von Kehren und Kurven den Windberg hinauf zu kraxeln, der sich mit 352 m Höhe über dem sächsischen Städtchen Freital erhebt. Unter diesem Namen ist unser Bähnchen sogar zu einer eisenbahntechnischen Berühmtheit geworden - es wird Windbergbahn genannt.“

Mit drei Sätzen eine ganze Eisenbahngeschichte erzählen - das konnte nur er. Wir sehen sie vor uns, die bekannte Bellingrodt-Aufnahme, die er als „Bild des Monats“ 1962 in der damaligen BDEF-Zeitschrift „Deutscher Eisenbahn-Freund“ zeigte. Zwei Jahre zuvor hatte Karl-Ernst Maedel seine „Geliebte Dampflok“ auf ihre erste Reise geschickt - ein Titel, der die Herzen und Sinne einer ganzen Generation im Sturm erobern sollte. Da war sein Standardwerk „Deutsche Dampflokomotiven gestern und heute“ schon erschienen, das er noch in Halle, dort geboren am 2. September 1919, begonnen hatte. 1955 flüchtet der ausgebildete Kommunalbeamte, dessen 1938 begonnenes Maschinenbau-Studium der Wehrdienst abrupt beendet hatte, mit seiner Familie nach Westdeutschland. Nach vergeblichen Bewerbungen bei der Deutschen Bundesbahn arbeitet er im Verwaltungsdienst der Städte Wanne-Eickel, Oberhausen und Offenbach (Main) - erfolgreich zwar, doch wohl ohne jenen inneren Bezug, der ihn ein Leben lang mit der Eisenbahn verbindet. Diesem Bezug verdanken wir sein publizistisches Lebenswerk: Siebzehn weitere Bücher schreibt Karl-Ernst Maedel, veröffentlicht mit dem begnadeten Fotografen Jean-Michel Hartmann drei Bildbände, überträgt u.a. das opulente Werk „Die Welt der Eisenbahn“ des Engländers C. Hamilton Ellis ins Deutsche, lässt „Das Lied der Dampflok“ in einer Schallplatten-Edition erklingen und ist 1962 Begründer des „Lok Magazins“, das er bis 1971 herausgibt. In seinen späten Jahren zieht sich Karl-Ernst Maedel zurück. Dem Verfasser schreibt er im Januar 2000: „Wenn Sie sich als Ewig-Gestrigen bezeichnen, dann bin ich noch von vorgestern. Mit der heutigen Bahn weiß ich nicht viel anzufangen. Es lohnt sich wohl auch nicht.“ 2001 trifft ihn mit dem Tod seiner geliebten Frau Gisela ein Schicksalsschlag, den er bis zu seinem eigenen Tod am 5. Juni 2004 nicht verwinden kann.

Karl-Ernst Maedel, der große Erzähler des vergangenen EisenbahnJahrhunderts, wird uns fehlen - und dennoch immer in seinen Erzählungen gegenwärtig sein.
Michael Meinhold


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