Ein Mensch frei nach Eugen Roth |
Ein Mensch kann kaum noch an sich halten Er legt die Stirn in Sorgenfalten, Der Winter naht - er weiß es schon - Und bringt ihm wieder Depression.Doch heuer soll es anders werden, Denkt sich der Mensch und will auf Erden Nur etwas von dem Glück erhaschen, Das andere so reichlich naschen. Sein Leben macht ganz plötzlich kehrt: Er legt sich zu ein Steckenpferd. Und wählt als festesten Entschloss Das maßstäbliche Schienenross. Der Mensch betritt ein Fachgeschäft - er hört nicht,
was die Gattin kläfft - Und kurz darauf trägt unterm Arm Er eine Schachtel voller Charme. Als abends dann das Licht wird fahl Ein Zug umkreist sein kleins Oval. Der Mensch spürt erstmals hier seit Jahren Die kindlich Freud mit Dampf zu fahren. So wird die Stimmung stündlich heller, Der Zug rast jetzt schon sehr viel schneller. Doch prickelt der Betrieb nicht mehr, Ein zweiter Zug muss schleunigst her. Der Mensch kauft auch die dritte,
vierte Lokomotive,
die ihn gierte, Und sammelt fortan Stück für Stück Sein ganz persönlichs Hobbyglück. Liest zudem Bücher wie auch Hefte (Die Gattin längst schon nicht mehr kläffte) Und ist dann irgendwann Experte, Der andern ihre Bahn erklärte. Auch die Modelle werden besser (Die Preise damit freilich größer ...) Die Maße waren niemals feiner, Der Antriebslärm war niemals kleiner. Die liebste aber,
muss man sagen, Blieb jene Lok aus Wintertagen - Nicht wirklich mit Details befrachtet, Wenn man's aus heutger Sicht betrachtet. Zu ihr hat er die stärkste Bindung - Gleich einem Tau mit -zigfach Windung. Dass niemals reiße dieser Faden Wünscht sich und Ihnen Martin Knaden
|