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 Gehn Sie mit, gehn Sie mit!
[Abbildung zur Leseprobe]Gehn Sie mit der Konjunktur, gehn Sie mit auf diese Tour", besang das Hazy Osterwald Sextett die wirtschaftliche Entwicklung der nicht mehr so ganz jungen Bundesrepublik. Und weiter: „Holen Sie sich Ihre Kohlen wie der Krupp von Bohlen aus dem großen Weltgeschäft."

Wer erinnert sich nicht an diesen beschwingten Cha-Cha-Cha aus dem Jahr 1960? Jener Rhythmus, bei dem man mitmuss. „Gehn Sie mit, gehn Sie mit", forderte im Stakkato denn auch der Chor immer wieder zwischen den Zeilen. Und praktisch alle folgten dieser Aufforderung. Nicht zufällig war 1960 das erste Jahr mit Vollbeschäftigung. Lediglich 100.000 bis 300.000 Arbeitslose verzeichnete die Statistik in den folgenden Jahren - Werte, die nicht nur der boomenden Wirtschaft, sondern leider auch einem kriegsbedingten Männermangel zuzuschreiben sind. Gastarbeiter sollten damals dem Engpass abhelfen.

Die Phase hielt genau bis 1973. Die Ölkrise beendete alle Träumereien von einer starken, alles ermöglichenden Wirtschaft und einer Politik mit Gestaltungsfreiraum.

Wenig später drängten die geburtenstarken Jahrgänge in Lehrstellen und Arbeitsmarkt. Seither mussten wir uns an immer neue Hiobsbotschaften gewöhnen, die selbst zu Zeiten kleinerer Aufschwünge kaum verstummen wollten. Da nützte auch das immer wiederkehrende Schlagwort vom Exportweltmeister nichts. Über Jahrzehnte lag die Zahl der Nichtbeschäftigten auf anhaltend hohem Niveau und die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfestatistik zum Januar 2005 tat psychologisch das Ihre dazu.

Da musste sich der Nachrichten-Junkie direkt umgewöhnen, als sich in den vergangenen Monaten die positiven Wirtschaftsmeldungen geradezu überschlugen. Steuermehreinnahmen von 100 oder mehr Milliarden, eine auf nur noch 0,6 Prozent sinkende Nettoverschuldung (heißt: die öffentlichen Haushalte geben nur noch ein „klitzekleinwenig" mehr aus, als sie einnehmen ...) und eine Arbeitslosenzahl, die im Winter selbst Experten angenehm überraschte - die Reformen der letzten Jahre tragen also offensichtlich Früchte.

Und die deutsche Modellbahnbranche? Sie erweist sich eher als Importweltmeister denn als Wirtschaftsmotor. Dennoch: Jetzt heißt es Nerven behalten, bis die Konjunktur auch hier durchschlägt. Wer zu früh Entscheidungen fällt, die vom Pessimismus der Vergangenheit geprägt sind, verspielt Chancen, die auch für diese Branche früher oder später kommen werden - meint
Ihr Martin Knaden


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