oder: Blick in die Seele eines Modelleisenbahners
Er sitzt und schwitzt,
rauft sich das Haar; noch gestern schien ihm alles klar, so wohl bedacht und so genial und orginell auf jeden Fall.Doch heute reitet ihn der Teufel, von neuem zieht er jetzt in Zweifel, was gestern außer Frage stand. Wie schaffe ich das Zauberland? Wo fährt die Bahn,
wo sind die Straßen? Wo soll man Bäche fließen lassen? Wo stehen Berge,
blinkt ein See? Wo bitte äst das kleine Reh? Noch nicht genug damit,
oh nein! Wo soll denn bloß der Bahnhof sein? Und welcher nur? Wie lang,
wie breit? Und dann: zu welcher Jahreszeit? Soll ihn des Winters Reiz verlocken, wenn alle in der Bude hocken? Oder des lieben Frühlings Sprießen, das alle draußen gern genießen? Hier braucht es Schnee,
dort bunte Blüten. Wohl wahr,
das gibts heut schon in Tüten. Aber bedenkt er es mal recht, dann wirkt das alles wenig echt. Genau wie Häuschen aus der Tüte; Ach Gott,
wie schafft er sich da müde, um diesen polymernen Mauern die Künstlichkeit recht zu versauern! Er mischt die Farben,
pinselt still, weil er ja gern was Eignes will, was keiner hat genau wie er,
macht dies ihm auch das Leben schwer. So gibt es vieles zu bedenken, im Kopfe hin und her zu schwenken. Von vorn zu sehn und auch von hinten, um stets das Ideal zu finden. Es stecken Herzblut,
Zeit und Geld in dieser kleinen Wunderwelt, die unser Minibahner schafft mit Phantasie,
Geduld und Kraft. Wahrscheinlich ist es Gottes Wille, dass die Erschaffung von Idylle mit so viel Mühn verbunden ist, damit man ihn nicht ganz vergisst. Wer gern den Schöpfer kritisiert, begreift recht schnell,
dass er sich irrt, wenn ihn schon die Modellbahnwelt vor solch enorme Rätsel stellt. Angela Hornbogen-Merkl
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