  
  

  
  
  
  
  

  
  
  
  
  

  
  
  
  
  
  
  
  
|
|
Stellen Sie sich mal vor,
Sie würden irgendwo in Deutschland ein mittelständisches Unternehmen führen,
das seinen Hauptumsatz im Vorweihnachtsgeschäft tätigt.
Und stellen Sie sich bitte weiterhin vor,
Sie hätten diesen wichtigen vorweihnachtlichen Liefertermin mit einer Menge der angekündigten Produkte verpasst.
Sollte nicht sein,
könnte aber dennoch mal passieren.Wie würden Sie reagieren? Würden Sie sich in einer Pressemitteilung gar noch dafür loben,
dass Ihr Umsatz in den Monaten nach Weihnachten viel besser war als im Vergleichszeitraum des Vorjahres? Natürlich nicht.
Als ehrliche Haut,
die Sie sind,
würden Sie sich vielmehr so an Ihre Käufer wenden: „Verehrte Kundschaft,
leider ist es uns im Vorweihnachtsgeschäft nicht gelungen,
Sie rechtzeitig mit der gewünschten Ware zu beliefern.
Wir bedauern dies sehr.
Die Gründe liegen in [fernöstliche Zulieferer · Globalisierung · Qualitätssicherung].
Wir werden alles daransetzen,
diese Faktoren in der nächsten Saison rechtzeitig zu berücksichtigen.“ (In die eckigen Klammern dürfen Sie ganz nach Belieben lustige Begriffe Ihrer Kreativabteilung einfügen,
doch Vorsicht: Allzu hohl sollten die Worthülsen nicht sein,
sonst verkehrt sich die Wirkung schnell ins Gegenteil!) Und Ihre Kundschaft,
die ganz besonders treu zu Ihren Produkten steht,
würde es Ihnen danken mit Schreiben,
E-Mails oder Threads wie: „Hey,
Kopf hoch,
Leute,
kann doch mal passieren.
Dann gedulden wir uns eben noch ein Weilchen.
Die letzten Sachen waren ja gar nicht so schlecht,
dann kaufen wir die eben ein wenig später.
Hauptsache,
wir kriegen ordentliche Ware.“ Mit so viel Ehrlichkeit hätten Sie sicher einen Stein im Brett Ihrer Endverbraucher und würden sich wohltuend von so manchem Statement in der Politik unterscheiden.
(Warum muss ich eigentlich gerade an diesen Generalsekretär denken? Den Dings,
na,
Sie wissen schon ...) Natürlich wäre eine Pressemitteilung wie die eingangs beschriebene in unserer Branche völlig ausgeschlossen.
Zu schnell würde die Mehrzahl der Modellbahner so ein Manöver durchschauen.
Und selbst wenn - nur mal rein hypothetisch gedacht - also wenn uns eine solche Pressemitteilung auf den Tisch flattern würde,
würden wir deren Inhalt selbstverständlich gar nicht erst drucken. Eine verantwortungsvolle Redaktion macht in solchen Fällen nichts anderes als ein gut funktionierender Rußfilter: Statt den unerwünschten Feinstaub auch noch großmächtig aufzuwirbeln,
würden wir ihn - sozusagen auf katalytischem Wege - per „Rundablage“ in das umwandeln,
was er ohnehin ist: nämlich nur heiße Luft - meint Ihr Martin Knaden
|