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 Roaring­Fifties
[Abbildung zur Leseprobe]Neunzehnhundertdreiundfünfzig - welch ein Jahr! Die unmittelbare Nachkriegszeit ist vorbei, und nach und nach verfestigt sich das Gefühl: „Wir sind wieder wer!“ Überall hört man gute Nachrichten: Der Schülerlotsendienst wird eingeführt, Stalin stirbt und in England kommt „unser Lisbeth“ - wie meine Großmutter sie immer so familiär nannte - auf den Thron.Auch bei der Bahn zeichnen sich bedeutende Schritte ab. Kein Aprilscherz ist, dass der Schi-Stra-Bus ab 1.4. zwischen Cham und Passau planmäßig eingesetzt wird. Ab Cham fährt er bis Kötzting und ab Bodenmais bis Grafenau auf der Schiene, die übrigen Streckenabschnitte auf der Straße.

Auch auf dem Wasser tut sich was: Am 9. Mai wird im Beisein von „Papa ­Heuss“ das Fährschiff „Deutschland“ in Dienst gestellt. Es kann ganze Züge wie den „Skandinavien-Italien-Express“ oder später den „Kopenhagen-Express“ über den Großen Belt befördern. Wer sich die Reise leisten kann, genießt in den drei Stunden an Bord ganz sicher das „Nordische Büfett“. Zumindest phonetisch ist es von Heuss zu Neuss hier nur ein kleiner Schritt: Der deutsche Bauch erholt sich auch und ist schon sehr viel runder ...

Die größten Veränderungen machen sich aber auf der Schiene bemerkbar. Zunächst in fünf Probeexemplaren kommt die V 200 von Krauss-Maffei heraus, die voller Stolz ab Juni auf der Deutschen Verkehrsausstellung in München gezeigt wird. Mit ihren beiden Motorenanlagen und den zeittypisch runden Formen lässt sie keinen Zweifel daran, was die noch junge Bundesbahn unter den „Röhrenden Fünfzigern“ versteht.

Für das Prachtstück von Diesellok sind nun auch die passenden Wagen fertig: Schon seit dem Vorjahr ist die erste, 500 Stück umfassende Serie von 26,4-m-Wagen im Bau, die bis Mitte 1953 fertiggestellt ist. Diesen Mitteleinstiegswagen folgen die ersten Baumuster eines D-Zug-Wagens gleicher Länge, die ebenfalls auf der Deutschen Verkehrsausstellung 1953 gezeigt werden. Dazu passend erhält die ganze Wagenserie die Gruppenbezeichnung 53 - schön ungerade, wie es sich für Schnellzugwagen gehört.

Der Star des Jahres ist aber der Tages-Gliedertriebzug VT 10 501, der zusammen mit seinem Nacht-Pendant VT 10 551 einen Meilenstein in der Entwicklung von Fernreisetriebwagen darstellt. Die vier Motoren, die jeden der beiden Züge antreiben, haben sicherlich auch nicht schlecht geröhrt.

Von all der Herrlichkeit - einige der Modelle treffen (Zufall oder redaktionelles Kalkül?) auf dem Titelbild dieser Ausgabe zusammen - ist beim Vorbild heute nichts mehr zu sehen. So ist eben die Vergänglichkeit. Nur die Schülerlotsen und „unser Lisbeth“ sind auch heute noch unverdrossen in Amt und Würden, und so viel Kontinuität hat doch auch was Tröstliches - meint
Ihr Martin Knaden


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