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 Brüche und Umbrüche
[Abbildung zur Leseprobe]Mitte Juni hörte man die ersten Stimmen raunen, wenige Tage später pfiffen es die Spatzen bereits von den Dächern resp. die Community - so heißt das wohl heutzutage - schwadronierte in den Foren: Der chinesische Modellbahnhersteller Sanda Kan hatte einer Reihe von hiesigen Firmen den Zuliefererauftrag gekündigt.

Ganz eilige Kommentatoren waren flugs mit Superlativen bei der Hand: Von einem „Super-GAU“ für den deutschen Modellbahnmarkt war da die Rede, von einem „chinesischen Drama“ für die Modellbahnbranche - kurz und schlecht: Der Untergang des Abend­landes stand wieder einmal unmittelbar bevor.

Ach wirklich? Sehr viel gelassener sahen Vertreter der betroffenen Unternehmen die Sache. Zu Recht, denn eine Monopolstellung, die offenbar dem bekannten Namen Sanda Kan zugemessen wird, hat das Unternehmen schon lange nicht mehr. Im Zuge einer tiefgreifenden Umstrukturierung hat der große Hersteller erst vor kurzem vielen Mitarbeitern gekündigt und dabei den gleichen Fehler gemacht, den Betriebswirtschaftler auch hierzulande gerne machen: Die teuren Mitarbeiter mussten gehen und mit ihnen ging ein nicht unerheblicher Teil des Know-hows. In relativ kurzer Zeit gründete sich folglich qualitativ hochwertige Konkurrenz, die auch bereits Aufträge aus Deutschland hat.

Die ganze Sache ist also kein Beinbruch. Zumal existierende Aufträge noch voll abgearbeitet werden; das bevorstehende Weihnachtsgeschäft 2010 ist also in keiner Weise beeinträchtigt.

Hinzu kommt, dass beispielsweise Märklin über eigene Werke verfügt. Die Standorte in Göppingen und Györ können nun sehr viel besser ausgelastet werden. Schließlich hat Sanda Kan im Jahr 2009 mit drei dicht aufeinanderfolgenden Preis­erhöhungen selbst dafür gesorgt, dass europäische Werke wieder konkurrenzfähiger sind.

Ein Umbruch droht der Modellbahnbranche aber aus einer ganz anderen Richtung: Die chinesische Währung Yuan soll nach einer Mitteilung der chinesischen Regierung vom Juni flexibler zum Dollar werden, was de facto auf eine Aufwertung hinausläuft. Bei einem gleichzeitig sinkenden Euro im Verhältnis zum Dollar wird sich das Verhältnis Euro zu Yuan noch stärker verändern. Teurer wirds also in jedem Fall. Und das beträfe dann alle chinesischen Zulieferer - meint
Ihr Martin Knaden



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