Schon seit Jahren hat kein Bahnthema mehr die Gemüter so erhitzt wie das so genannte Projekt „Stuttgart 21“.
Der Umbau eines Bahnhofs hat noch nie derartig vehemente Proteste hervorgerufen wie gerade diese Baumaßnahme an Stuttgarts Hbf.
Was ist los im Ländle,
dessen Bürger bisher eher als bodenständig denn als renitent angesehen wurden?Nun,
zum einen sind Häuslebauer eines gewiss nicht: Häusle-Abreißer.
Das Empfangsgebäude der beiden Architekten Paul Bonatz und Friedrich Eugen Scholer,
das 1914 entworfen und 1928 vollendet wurde,
gilt ob seiner markanten Erscheinung inzwischen als Wahrzeichen der Stadt.
Der in jeder Hinsicht herausragende Turm liegt geschickt in der Sichtachse der Königstraße und macht den Bahnhof damit zu jeder Zeit optisch präsent.
Nicht zu Unrecht steht also das Gebäude seit 1987 unter Denkmalschutz. Nun soll - als Jahrhundertprojekt - der Bahnhof unter die Erde verlegt werden.
Aus einem betrieblich stets umständlichen Kopfbahnhof soll ein schlanker Durchgangsbahnhof werden.
Dazu sollen die Seitenflügel des Bonatz-Baus abgerissen werden,
während der zentrale Teil des Empfangsgebäudes in jedem Fall erhalten bleibt.
Das Konzept umfasst außerdem eine Ringstrecke,
die ebenfalls einen Teil der über 30 km Tunnel nutzt.
Diese Ringstrecke böte einige betriebliche Vorteile,
denn hier könnten Züge aus allen Richtungen optimal auf die Stuttgarter Betriebsstellen einschließlich Hauptbahnhof verteilt werden. Man sagt Schwaben noch eine Eigenart nach - Sparsamkeit.
Gerade das ist aber hier der Knackpunkt: Zu Beginn der Planungen lagen die prognostizierten Kosten bei rund 5 Milliarden.
Das war wohlgemerkt zu DM-Zeiten! Heute liegen die Kosten immer noch zwischen 4 und 5 Milliarden,
allerdings Euro.
Und selbst diese Summe wird - nach Erfahrungen beim Bau solcher Großprojekte - letztlich nicht reichen. Aus Sicht der Bahn gibt es aber kein Zurück mehr.
Nicht etwa,
weil die betrieblichen Vorteile so groß oder die Kosten-Nutzen-Rechnung so günstig wäre.
Vielmehr hat man das Fell des Bären vermutlich schon im Vorfeld verteilt: Die Bahn soll sich - munkeln Experten - aus vielen Vorverträgen verpflichtet haben,
die freiwerdenden Grundstücke zu verkaufen,
widrigenfalls hohe Konventionalstrafen fällig werden.
Damit ist klar,
warum ein Kompromiss ebensowenig möglich ist wie „ein bisschen schwanger“. Wir Modellbahner hätten in dieser verfahrenen Situation eine feine Lösung parat: Wir bauen den betrieblich nützlichen Schattenbahnhof mit allen Anbindungen in die untere Ebene und bauen zusätzlich im sichtbaren Teil (!) einen schönen Hauptbahnhof.
Doch das wird in Stuttgart wohl nicht möglich sein - meint Ihr Martin Knaden
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