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 Der Modellbahner: Versuch einer Typologie
Der Modellbahner ist ein empfindsames Wesen. Seine Werke müssen selbstgesetzten Standards genügen, sonst begreift er sich selber gar nicht als dazugehörig zur Spezies der Modelleisenbahner. Im schlimmsten Falle - für uns als Verlag - braucht er gar keine Modellbahnzeitschrift. Begreiflicherweise wollen wir uns mit der letztgenannten Möglichkeit des Nicht-Modellbahners und wohl auch Nicht-MIBA-Lesers nicht weiter aufhalten. Wenden wir uns hier lieber dem "richtigen" Modellbahner zu und seinen selbstgesetzten Standards, die ihn vom Nicht-Modellbahner unterscheiden.

Da ist zunächst der Bastler, der werkelnde Modellbahner, der nicht eher Ruhe gibt, als bis er die Weltrekordlokomotive von 1879 im kompletten Selbstbau auf die Räder gestellt und die mit Antrieb und Kurvenlauf verbundenen Probleme mit Eleganz gelöst hat. Daß das hübsche, aber etwas "antik" wirkende Maschinchen in seinem ansonsten von der Epoche 4 geprägten Fahrzeugpark eine eher gewöhnungsbedürftige Rolle spielt, ficht ihn nicht an. Für den epochengerechten Betrieb, so befindet er kurzerhand, sind andere zuständig.

Unbedingt in eine Modellbahner-Typologie mit hinein gehört der Sammler, der bekanntlich ohne Bastelambitionen auskommt - wir sprachen schon des öfteren davon. Nach welchen Kriterien hier Geld ausgegeben wird, kann einzig und allein er selbst beantworten.

Betriebsspezis (nehmen wir mal diesen Ausdruck, "Betriebsnudeln" hören sie nicht gerne!) wiederum, und die epochenbewußten zumal, treffen sich landauf, landab in Turnhallen. Dort geht dann, bevorzugt an Wochenenden, die Post ab. Besser gesagt, der Übergabegüterzug wird in seiner Rangierpause auf Modul 17 vom Schienenbus überholt, und auch sonst liegt da viel Spannung drin. Es passiert unheimlich viel an so einem Betriebswochenende, denn jedes An- und Abkoppeln zählt einzeln.

Wesentlich weniger hektisch geht es dagegen bei den "Landschaftsfetischisten" zu. Kurz gesagt, geht es um die Umsetzung der Schlagworte "Eisenbahn und Landschaft" oder "Landschaft und Eisenbahn", wobei - das muß aber jetzt unter uns bleiben! - der letztgenannte Slogan der "einzig wahre Jakob" ist!

Wofür das Herz der MIBA-Redaktion diesmal schlägt, werden Sie, liebe MIBA-Leser, bei der Lektüre dieser Ausgabe unschwer erkennen: Fast das gesamte Heft hat mehr oder weniger mit Landschaftsbau zu tun. Die "Andersgläubigen", die Bastler, Sammler und Epochenfahrer, die wir eingangs ein wenig "auf die Schippe genommen" haben, bitten wir das zwischen den Zeilen versteckte Augenzwinkern nicht zu übersehen und wünschen allen Lesern eine vergnügliche Lektüre!

Joachim Wegener


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