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 Lauter hohle Dosen?
Für die Hardcore-Modellbahner der Epoche 3 - und davon gibt's auch bei uns in der MIBA-Redaktion welche - existiert ja bekanntermaßen vor 1949 und nach 1970 keine echte Eisenbahn, jedenfalls keine, deren Nachbildung im Modell sich lohnen würde. Für sie sind Fahrzeuge wie ICE, BR 101 und Regiosprinter lediglich hohle, gleichförmig gestylte Dosen ohne jeden Reiz: nicht zu vergleichen mit der fossilhaft-urtümlichen Anmutung einer fahrenden Dampflok, den barocken Formen von V 200 oder VT 11.5 oder zumindest der zeitlosen Eleganz von Bügelfalten-E-10 oder E 03.

Zugegebenermaßen kostete es uns, die wir eher den vergangenen Bahn-Epochen huldigen, ein wenig Überwindung, ausgerechnet den "modernen Schnellverkehr" im Modell zum Schwerpunkt dieser Ausgabe zu deklarieren. Von ganz praktischen Fragen mal ganz abgesehen: Wie ist ein TGV am vorteilhaftesten zu fotografieren (siehe "Zur Sache" in der letzten MIBA)? Welche Farbe hat der Schotter auf Neubaustrecken? Wie (und vor allem wo) messen wir den Auslauf eines 14teiligen ICE-Triebzuges aus Modell-Höchstgeschwindigkeit?

Aber als Modellbahn-Redakteure sind wir nicht nur lernfähig und lösen solche Probleme, sondern auch tolerant. Immerhin geben wir inzwischen zu (natürlich nur theoretisch), daß auch der moderne Bahnbetrieb durchaus seinen Reiz haben kann. Neue Fahrzeuge sorgen im Nahverkehr für Abwechslung, und das auf zumeist alten Trassen mit Kunstbauten und Gebäuden, die vor 40 Jahren auch nicht anders aussahen als heute. Auf den "Magistralen" verkehren zusätzlich buntgemischte InterRegios und InterCitys, und auch der ICE huscht ja nicht nur mit Tempo 250 über die Neubaustrecke, sondern rollt mit 120 gemütlich durch den Steigerwald - nicht schneller als der RegionalExpress zehn Minuten später. Und wer Wert legt auf Nostalgisches, kann zusätzlich "Museumsfahrten" mit E 18, 01.10 oder V 200 veranstalten.

Modelle nach Vorbildern des modernsten DB-Zeitalters verkaufen sich, wenn man den Verkaufsstrategen der Hersteller glauben darf, noch mit am besten. Ob ICEs in allen Schattierungen, Prototypen wie "Eurosprinter" oder 12X, Baureihen 101 oder 152, "Pendolinos", IC-Steuerwagen oder knallrote DB-Cargo-Güterwagen der neuesten Generation - die Neuheitenprospekte sind voll von "moderner Eisenbahn".

Aber: Gibt es tatsächlich Epoche-5-Anlagen mit ICE-Paradestrecken, und seien sie noch so kurz zwischen zwei Tunnelportalen? Solange wir keine sehen, können wir es kaum glauben! Übrigens: Mindestradius 58,6 m sind angesagt, wenn Sie den Halbmesser der Vorbild-Neubaustrecke (5100 m) maßstäblich in H0 umsetzen wollen ...

Thomas Hilge


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