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 Sommer, Sonne, Farben
Mit den Farben auf der Modellbahn ist es so eine Sache. Beschriftung und Lackierung von Fahrzeugen der diversen Hersteller lassen in der Regel kaum noch Wünsche übrig; die Verwendung der entsprechenden Originalfarbtöne - soweit sie sich nach RAL oder ähnlichen Schemata verifizieren lassen - gehört heute zum Standard. Geduldiges Quengeln seitens der Kunden und der Fachpresse haben hier zum Erfolg geführt, und vermutlich möchte mittlerweile auch kein Modellbahner mehr darauf verzichten.

Beim Zubehör sieht es da etwas anders aus. Schaut man in die Kataloge der Häuslebauer, so reicht die Palette von quietschbunt bis bonbonfarben; und ein paar Ausnahmen bestätigen die Regel. Und schon schreien die Puristen: Igitt, wie unrealistisch! Wirklich?

Bis Ende Juli war ja vom Sommer nicht so viel zu sehen. Sobald sich die Sonne aber einmal blicken läßt, ist auch gleich die ganze Landschaft wie verwandelt. Wälder und Wiesen erstrahlen im schönsten, fein abgestuften Giftgrün; fränkisches Fachwerk leuchtet auf einmal in knalligem Ochsenblutrot und steht den popbunten Farbkombinationen postmoderner Bauten in nichts nach. So manche Eigenheimsiedlung sieht ohnehin aus, als hätte sie Edwin Faller persönlich entworfen.

Im "Streiflicht" der SZ vom 26.8. wurde die Frage aufgeworfen, wer denn überhaupt die Farbe ge- oder erfunden hätte. Die Münchener tippten dabei auf den Erfinder des Farbfernsehers, denn vor der Einführung des bunten Bildschirms sei die Welt einfach nur schwarz und weiß gewesen.

Nun, Ehre wem Ehre gebührt, aber wir finden, daß es ein Modellbahner gewesen sein muß. Schließlich produzierte Märklin seine schönen buntbedruckten Blechwägelchen bereits lange vor der Erfindung des Fernsehens. Weiterhin spricht viel dafür, daß die liebevoll mit farbenfrohen Modellhäuschen ausstaffierten Miniaturwelten im Eisenbahnkeller, auf denen die besagten Märklin-Wagen ihre Runden drehten, der farbigen Gestaltung unserer Städte deutlich vorausgingen und überhaupt erst die nötige Akzeptanz dafür schufen. Frühe Versuche aus dem 13. Jahrhundert wie der Limburger Dom sind dabei einmal außer acht gelassen.

Also, Leute, mehr Mut zur Farbe! Von mir aus können die Häuser nicht nur auf der Modellbahn grün, blau oder schweinchenrosa gestrichen sein - trist-graue Stadtviertel gibt es überall zur Genüge, und Beton ist und bleibt grau. Gestandene Epochenfreaks können dann für ihre historisch exakt recherchierten Epoche-3a-Anlagen immer noch auf ein breites Sortiment der verschiedensten Grautöne bei Humbrol und Revell zurückgreifen. Hauptsache, es gefällt und man beläßt es nicht bei einer allzu simplen Schwarzweißmalerei ...

Lutz Kuhl


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