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Größe ist relativ.
Das ist nicht gerade eine der Weisheiten des Konfuzius,
ebensowenig wie der Sponti-Sinnspruch "Auch Zwerge haben klein angefangen".
Beides gilt beispielsweise für die MIBA: Fast gleichzeitig mit "Spiegel" und "Stern" entstand unsere Zeitschrift "Miniaturbahnen",
die als MIBA - dem allgemeinen Aküfi,
dem Abkürzungsfimmel,
folgend - rasch zum,
wie ein Szenebeobachter treffend formulierte,
"Zentralorgan der Bahn-Miniaturisten" avancierte.
Aber was sind schon 40000 oder 50000 Leser gegen das Millionenpublikum von Nachrichtenmagazinen,
Regenbogenblättern oder gar Autoclub-Postillen?
Auch der Modellbahnredakteur hat mal klein angefangen,
als Volontär nämlich.
Da haben ihm alte Hasen wichtige Handwerksregeln für sein späteres Berufsleben eingebleut.
Zum Beispiel die folgende: "Hund beißt Mann" sei keine Schlagzeile,
sondern - je nach Ausmaß der Bißverletzung - allenfalls ein Fünfzeiler für die Rubrik "Vermischtes"; dagegen ließe sich "Mann beißt Hund" selbst dann in Acht-Zentimeter-Lettern vermelden,
wenn das arme Tier schadlos bliebe.
Was lernen wir daraus für den Redaktionsalltag? Nichts,
denn so sehr wir uns den Kopf zerbrechen: etwas Besseres als so ergreifende Überschriften wie "Neues aus dem Norden" oder "Umbausatz für die Stainz" ist uns nicht eingefallen.
Hinter den Berichten aus Modellbahners Bastelgruft verbergen sich eben nur selten menschliche Malheure oder tierische Tragödien (oder erfahren wir nichts davon?),
weltbewegende Superlative oder erdbebenmäßige Sensationen.
Gleichwohl: Diesesmal hätten wir eine echte Chance gehabt.
Ob Schlagzeilen wie "Anlage auf 4900 qm - Amerikaner verspachtelt 45 Tonnen Gips" oder "350 Brücken,
4000 Gebäude,
13 km Gleise - die größte Anlage der Welt" die Auflage dieser MIBA gehoben hätten,
werden wir nie erfahren.
Sie erfahren dafür ab S.
10,
daß Modellbahn-Megalomanie offenbar keine Grenzen hat.
Die größte Anlage Deutschlands - lächerlich! Die mächtigste Modellbahnschau Europas - Peanuts! (Trotzdem mehr dazu in der nächsten MIBA.) Ein gewisser Bruce Williams realisierte irgendwo zwischen New York City und Philadelphia (s)einen typisch amerikanischen Traum: ein modellbahnerisches Disneyland mit einer H0-Anlage von der Größe eines Football-Feldes als Hauptattraktion.
In nur sechs Jahren hat Bruce Williams seine Mammut-Modellanlage errichtet.
Unsereiner braucht allein für die Planung seiner Bonsaibahn auf acht Quadratmetern länger.
Größe ist realtiv ...
Ob Herr Williams eigenhändig die Pfosten und Latten seines Anlagenunterbaus zusammengezimmert hat - wir wissen es nicht.
Ob er selbst die vielen Gebäude und Brücken gebaut hat - wir waren nicht dabei.
Ob er im Schweiße seines Angesichts Pfund für Pfund einer unvorstellbaren Menge von Spachtelmasse zu Modellgelände geformt hat - wir müssen es glauben.
Denn die Zahlen sind von unseren Kollegen vom Model Railroader,
denen wir Text und Fotos verdanken,
verbürgt.
Sicher ist jedenfalls: Auch Herr Williams hat einmal klein angefangen,
mit einer Anlage im Modellbahnkeller ...
Wir wollen es jedem einzelnen überlassen,
ob er sich für eine Art von Modellbahnerei begeistern kann,
deren Ergebnisse sich in schierer Größe darstellen,
oder ob er lieber im intimen Kämmerlein Teilstück für Teilstück seine überschaubare,
ganz persönliche Modellbahnwelt verwirklicht (wie es z.B.
Dr.
Uwe Gierz einmal mehr ab S.
92 praktiziert).
Unbestreitbar ist jedoch das Werk von Bruce Williams eine Sensation mit Rekordausmaßen,
und es ist mit seinem persönlichen Schicksal verknüpft.
All das erzeugt Aufmerksamkeit,
es produziert Schlagzeilen,
es stellt Öffentlichkeit her,
wie sie der Modellbahn heute nur noch selten zuteil wird.
Jedes Jahr lassen sich hier viele tausend Besucher vom Reiz der kleinen Eisenbahnen faszinieren.
Die meisten von ihnen kennen vorher kaum den Model Railroader,
geschweige denn die MIBA,
lesen aber dafür um so eifriger Automagazine und Yellow-Press-Gazetten ... Thomas Hilge
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