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Ein allgemeines Wehklagen hebt an,
wenn von der Zukunft des Modellbahnhobbys im allgemeinen und vom "Modellbahnnachwuchs" im besonderen die Rede ist.
Je nach Standpunkt werden vor allem zwei Gründe diagonstiziert,
warum es um beides schlecht bestellt sei: 1.
sind Modellbahnen zu teuer,
als daß sie sich der Nachwuchs leisten könnte,
und 2.
interessieren sich Kinder im Zeitalter der Computerspiele nicht mehr dafür,
"mit der Eisenbahn zu spielen".
Kein Wunder also,
daß die Modellbahner immer älter werden und schließlich aussterben,
ohne den gewünschten und vor allem zahlungskräftigen Hobbynachwuchs zu hinterlassen? Alles Unfug.
Zunächst sind Modellbahnen und Zubehör - von Ausnahmen abgesehen - keineswegs zu teuer.
Gemessen am Aufwand,
der für Konstruktion und Produktion betrieben werden muß,
sind sie sogar preiswert in des Wortes eigentlicher Bedeutung.
Wer sein Auto betankt,
ist einen schlappen Hunderter los,
die Flugreise in den sonnigen Süden schlägt mit mindestens zwei Tausendern pro Nase zu Buche,
und fürs megacoole Trekkingbike wandern ohne langes Zögern etliche "Hunnis" auf die Theke des Fahrradhändlers - warum über DM 60,- für einen Wagen oder DM 300,- für die Wunschlok lamentieren? Früher waren Modellbahnen billiger? Stimmt,
denn DM 60,- für eine Lokneuheit Mitte der 60er Jahre sind eindeutig weniger als DM 300,- für eine Lokneuheit heute.
Wer jedoch das dafür Gebotene vergleicht und vor allem den Preis in Relation zur Kaufkraft setzt,
wird rasch zu einem anderen Ergebnis kommen.
Nicht das Preisniveau hat sich verschoben,
sondern offenbar der Stellenwert,
den wir der Modellbahn im Wettbewerb der Freizeitaktionen einzuräumen bereit sind. Das Gerede vom Fehlen des Modellbahnnachwuchses ist fast so alt wie die Modellbahn selbst.
Kinder und Jugendliche als Zielgruppe der Modellbahnhersteller? Die Miniatureisenbahn als fossiles Funobjekt zwischen Inline-Skatern,
Sony-Play-Station und dem nächsten Streetball-Contest? Absurdes Wunschdenken! Selbst mit einem ICE in Mickymaus-Lackierung lassen sich nicht Hundertschaften von Zwölfjährigen hinter ihren CD-Türmen hervorlocken.
Das Interesse für die Modellbahn setzt nämlich eine gleichsam emotionale Beziehung zu ihrem Vorbild voraus,
und wo soll die herkommen,
wenn das Gros des potentiellen Modellbahnnachwuchses zig tausend Kilometer pro Jahr mit dem Auto herumkutschiert wird,
aber noch nie einen Reisezugwagen von innen gesehen hat? Auch hier haben sich die Stellenwerte verschoben. Wer sagt,
daß Modellbahnnachwuchs jung sein muß? Es ist ganz klar: Zielgruppe der Modellbahnhersteller sind heutzutage nicht Kinder und Jugendliche,
sondern Erwachsene.
Und die Modellbahn ist kein Kinderspielzeug,
sondern eines für Erwachsene,
die Zeit und Geld dafür haben.
Aus diesem Potential rekrutiert sich auch der Modellbahnnachwuchs - daß die Marktstrategen dies erkannt haben,
zeigen die Modellbahn-Kataloge.
Und der Markt? Er ist voll ausgebildet,
Angebot und Nachfrage existieren in der reinsten,
manchmal brutalen marktwirtschaftlichen Form,
weder mangelt es an potentiellen Käufern noch an Kaufkraft.
Also Schluß mit dem Gejammer.
Nur wer den Kopf in den Sand steckt,
muß sich Sorgen um die Zukunft des Modellbahnhobby machen - und um seine eigene ... Thomas Hilge
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