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 Gegen den Trend?
Absatzzahlen und Entwicklungskosten, Umsätze und Gewinne, strategische Ausrichtung und konkrete Zukunftspläne - psst, geheim! Darüber spricht man nicht in unserer Branche, als würden die Hersteller mit Hochtechnologie oder Rüstungsgütern handeln und nicht mit Modellbahnen und Zubehör. Keiner läßt sich gerne in die Karten schauen, schon gar nicht als Marktführer. Dennoch bildet seit einigen Jahren die Jahrespressekonferenz von Märklin eine Ausnahme von obiger Regel. Eigentlich eher eine Veranstaltung für die Wirtschaftspresse, ermöglicht sie trotzdem (oder gerade deswegen) etwas tiefere Einblicke in das Befinden der Branche und - daraus resultierend - Spekulationen über die Zukunft unseres Hobbys. Die diesjährige Jahrespressekonferenz, die unlängst in Frankfurt stattfand, fand dabei aus zweierlei Gründen besondere Aufmerksamkeit.

Zum einen zog sie eine erste Bilanz nach der Integration von Trix in die Märklin-Holding, die - wie kaum anders zu erwarten war - rundum positiv ausfiel. Der Holding-Umsatz stieg auf 296,2 Millionen Mark, wovon 21 Millionen Mark auf die Marke Trix entfielen. In Anbetracht von zweistelligen Zuwachsraten bei den Bestelleingängen gab sich Märklin-Geschäftsführer Wolfgang Topp optimistisch: "Wir planen, bis spätestens 1999 den Turnaround bei Trix vollzogen zu haben, und sind zuversichtlich, daß wir in der wichtigen Spur N in Europa schnell wieder zu den Marktführern gehören." Bemerkenswert: Die Märklin-Zuwächse vollziehen sich weiterhin gegen den Markttrend, denn der Umsatz mit Spielwaren insgesamt ist seit 1992 um knapp 20 Prozent zurückgegangen, wofür neben zurückgehenden Geburtenraten vor allem ein radikal verändertes Freizeitverhalten von Kindern und Jugendlichen verantwortlich ist. Topp: "Ein gesellschaftlich begünstigtes Wachstumsklima für die Spielwarenbranche sehen wir im Moment nicht." Trostlose Perspektiven also?

Keineswegs, denn die Märklin-Veranstaltung trug zum anderen die Ergebnisse einer aufschlußreichen Analyse des "Instituts für Demoskopie Allensbach" zur Marktentwicklung und zu den Potentialen der Modelleisenbahn an die Öffentlichkeit. Und danach ist es um die Modellbahn gar nicht so schlecht bestellt. Wichtigste Ergebnisse: Es existieren sowohl quantitatives Marktpotential wie auch ausreichende Kaufkraft. Das Durchschnittsalter erwachsener Modellbahner liegt bei 40 Jahren; daß in absehbarer Zeit breite Käuferschichten wegbrechen, ist auszuschließen. Zudem hat die Umfrage ergeben, daß in rund 640000 Haushalten die Anschaffung einer Modellbahnanlage zumindest ins Auge gefaßt wird - ein gewaltiges Marktpotential also. Aber nicht für Kinder, so ein weiteres Fazit: Die Beschäftigung mit Modelleisenbahnen wird immer mehr zum Hobby für Erwachsene über 35. Logische Folge für Märklin-Chefverkäufer Topp: "Diese Gruppe mit starker Kaufkraft bildet das zuverlässige Kundenpotential von Märklin."

Keine Frage: Der Branchenprimus - immerhin erzielt der Fachhandel bis zu 40 Prozent seiner Umsätze mit der Marke Märklin - blickt nicht übermäßig sorgenvoll in die Zukunft. Man wolle die negativen Rahmenbedingungen "durch clevere Innovationen, professionellen Vertrieb und modernes Marketing kompensieren". Mit Spannung werden die Modellbahner und Kunden, aber auch die Mitbewerber verfolgen, was darunter in den nächsten Jahren konkret zu verstehen ist.
Thomas Hilge


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