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 Zeitlose Grundsätze
Über die Frage, ob 50 Jahre eine lange Zeit seien, läßt sich vermutlich ebenso lang wie ergebnislos räsonieren. Objektiv wird sie sich kaum beantworten lassen, und ganz nach subjektivem Standpunkt wird jeder Einzelne individuelle Maßstäbe anlegen. Der Unterzeichner beispielsweise hatte gerade erst das Licht der Welt erblickt, als der Verlagsgründer und langjährige Chefredakteur, Werner Walter Weinstötter alias WaWaW, u.a. diese Zeilen der MIBA-Ausgabe 12/1958 voranstellte: "10 Jahre MIBA. Kein welterschütterndes Ereignis, aber immerhin eine Zeitspanne, in der sich viel getan hat! ... Hoffen wir auf weitere 10 Jahre ungestörter und friedlicher Tätigkeit." So betrachtet sind 50 MIBA-Jahrgänge, entstanden in 50 Jahren "ungestörter und friedlicher Tätigkeit" unvorstellbar viel.

Unvorstellbar? Außenstehende mögen schwer nachvollziehen können, wie sich 702 Ausgaben und weit mehr als 40000 Seiten nach dem Erscheinen der ersten "Miniaturbahnen" im September 1948 immer noch neuer Stoff zum Thema "Modelleisenbahn" findet, um damit zwölf mehr als 100seitige MIBA-Monatsausgaben pro Jahr zu füllen - und zwar "belehrend, unterhaltend und aktuell", wie WeWaW einst in zeitgemäßem Diktum die zeitlosen MIBA-Grundsätze definierte.

Moderne Medienforscher würden neudeutsch-griffig von "Infotainment" sprechen - wir wollen die MIBA lieber informativ und kenntnisreich, unterhaltsam und anregend gestalten. Und daß uns dies gelingt, zeigen nicht nur die positiven Stimmen aus der Leserschaft, sondern auch die Zahlen aus den Verkaufsräumen. Beide beweisen aber noch mehr: Unser gemeinsames Hobby ist so vielgestaltig und zukunftsträchtig, daß wir uns auch um die Inhalte der nächsten 50 MIBA-Jahrgänge kaum den Kopf zerbrechen müssen. Unvorstellbar? Gut, dann schauen wir in die Vergangenheit, denn die ist verbürgt. Für Zeitzeugen noch nachvollziehbar, für uns "Nachgeborene" aber wieder schwer vorstellbar sind die Umstände und die Motivationen, die den Rahmen für das Erscheinen der ersten MIBAs bildeten. Daß jemand im nahezu vollends zerbombten Nürnberg der Jahre 1946 bis 1948 keine anderen Sorgen hat, als eine Zeitschrift über die von ihm so geliebte "elektrische Eisenbahn" zu entwickeln. Daß er zwei oder drei Gleichgesinnte findet, die mit ihm die ersten Artikel anfertigen. Daß es ihm gelingt, einen Verlag aufzutreiben und eine Druckerei und schließlich Papier. Daß er es schafft, den Besatzern die Lizenz für den eigenen Verlag abzuluchsen und die MIBA trotz Geldnot und schlechter Zahlungsmoral am Leben zu erhalten ...

Unvorstellbar, wie es zur Zeit der MIBA-Gründung zugegangen ist? Dann werfen Sie einen Blick in den Faksimile-Nachdruck der allerersten MIBA vom September 1948 auf S. 115. Und auch sonst beschäftigt sich unser Jubiläums-Schwerpunkt in dieser Ausgabe natürlich mit dem MIBA-Geburtstag, mit 50 Jahren Modellbahnhistorie und all den Errungenschaften für uns Modellbahner, mit Persönlichkeiten und Pionieren und mit Anlagen, die Aufsehen erregten - einschließlich der aktuellen "Vogelsberger Westbahn".

Als WeWaW anno 1958 sein "sonderstarkes Jubiläumsheft" herausbrachte, hatte dieses einen Umfang von 64 Seiten. Heute liegt die mit 152 Seiten dickste MIBA-Monatsausgabe aller Zeiten vor Ihnen. Wer diese MIBA beim Händler erwirbt, muß dafür ausnahmsweise DM 14,80 berappen - eine Mehrinvestition, die durch den erweiterten Umfang und die Faksimile-Ausgabe der ersten MIBA von 1948 mehr als aufgewogen wird. Ab der Oktober-MIBA gilt wieder der gewohnte Preis: DM 12,- für über 120 Seiten "Modellbahn pur".
Thomas Hilge


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