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OSTRA - Tüftler und Live-Steamer

 
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  [Abbildung zur Leseprobe]Schon als kleiner Bub war ich von den BBÖ-Dampflokomotiven in meiner Geburtsstadt Wien (2. Bezirk) hellauf begeistert und hatte bereits als Zehnjähriger die erste Begegnung mit der wohl schönsten Dampf-Schnellzuglokomotive, der 310er, im damaligen Nordbahnhof am Wiener Prater.

Einige Jahre früher schenkte mir meine Mutter zum Weihnachtsfest einen Märklin-Metallbaukasten, der mein Interesse für die dynamische Technik weckte, und der wohl letztlich auch verantwortlich war für meine Zuneigung zum "Metall". Gleichzeitig entdeckte ich an mir einen regelrechten Trieb zu allerlei möglichen Bastel- und Tüftelarbeiten, und es kam auch der Wunsch nach einer eigenen Spielzeugeisenbahn auf. Wieder einmal zum Christfest schenkte mir Mama eine Spur-0-Uhrwerkseisenbahn. Ob es eine Bub- oder Bing-Bahn war, weiß ich heute nicht mehr, es ist halt schon eine kleine Weile her! Jedenfalls wurde mir auf diese Weise der "bacillus mibanicus" eingepflanzt, der mich später nie mehr verlassen sollte. Da wir in den 30er Jahren, im Vergleich zu heute, in ärmlicheren (jedoch durchaus zufriedenen) Verhältnissen lebten, war man allgemein auf den Selbstbau angewiesen, was meine Basteltätigkeit enorm beeinflußte.

Im dritten Lehrjahr meiner Schlosserlehre erlaubte mir mein Lehrherr und Meister den Beginn einer von mir selbst erdachten Gartenbahn mit 60 mm Spurweite. Mein zugegebenermaßen etwas großspuriger Plan, eine Live-Steam-Lok zu bauen, brachte einen aus 1-mm-Stahlblech gefertigten Tender und einen aus Stahlrohr zusammengelöteten Dampfkessel, welcher mittels einer Autogen-Schweißflamme tatsächlich Dampf kochte, hervor. Mangels entsprechender Kenntnisse über die Funktion der Dampfmaschine sowie infolge der Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung fand leider mein hochtrabender Traum von der Dampf-Gartenbahn ein vorzeitiges Ende.

Nach den Wirren der Kriegsjahre ließ ich mich im Dezember 1945 in Erftstadt-Köttingen, meinem jetzigen Wohnort, nieder. Sofort wollte ich, nach der unfreiwilligen Unterbrechung, an meine frühere Basteltätigkeit wieder anknüpfen. Allerdings war es äußerst schwierig, das benötigte Werkzeug zusammenzubekommen, denn zu kaufen gab es absolut nichts! Als erstes Projekt konstruierte ich eine 60-mm-Elektro-Gartenbahn, ein B-gekuppeltes "Bügeleisen" mit zwei Personenwagen. Ich werkelte täglich in meiner Freizeit - ausschließlich mit Schrottmaterialien - und hatte mein Meisterstück bereits im Jahre 1947 fahrbereit. Mein Erstlingwerk ist übrigens in MIBA 13/64 abgebildet. Als Folge der Währungsreform füllten sich wieder Läden und Schaufenster, eines davon zog mich in der Kölner Innenstadt geradezu magisch an: das des Spielzeuggeschäfts Feldhaus. Begierig betrachtete ich die wiederaufgelegte 00-Tischbahn von Märklin. Und noch etwas betrachtete ich mit großem Interesse - ein 15 x 21 cm großes Heftchen mit der Aufschrift "Miniaturbahnen". Im Geschäft besorgte ich mir dann einen Märklin-Katalog und meine erste MIBA.

Angeregt durch die vielen gekonnten Anlagenfotos, wagte ich meine erste Einsendung an die MIBA. Was war ich stolz, als mein Bw-Motiv in Heft 8/1958 (auf Seite 331) tatsächlich publiziert wurde! Meine modellbahnerischen Aktivitäten sollten sich über viele, viele Jahre erstrecken, nahezu 60 meiner Einsendungen wurden in der MIBA veröffentlicht.

Nach Abschluß der Meisterprüfung konnte ich mich selbständig machen und erwarb 1968 die Lok Ib von der Jülicher Kreisbahn, die ich in Erftstadt-Köttingen aufstellte und aufarbeitete. Mit dem Kauf dieser Maschine änderte sich mein Leben fast grundsätzlich. Aus einem Bausatz der Firma Zimmermann baute ich eine 5"-Live-Steam-Schlepptenderlok, die ich nach meinem Enkel "Ralph" nannte. Für diese Lok verlegte ich vor meiner Werkstatt eine solide, transportable Gleiskonstruktion mit Schnellanschlußverbindung, die sich bestens bewährt hat. Mit diesem System hatte ich im August 1973 bei einem Kinderfest mein Debüt.

Bei der Spielwarenmesse 1975 war ich zusammen mit Zimmermann präsent, unsere Vorstellung seiner "Live-Steamer" auf einer etwa 60 Meter langen OSTRA-Gleis-Pendelstrecke wurde ein voller Erfolg. Kurz darauf folgte mein damals viel beachteter Fernsehauftritt mit Rudi Carell im Studio Bremen. Rund 17 Jahre lang führte ich auf der Nürnberger Spielwarenmesse, häufig bei Eis und Schnee, Live-Steam-Lokomotiven mit Erfolg vor, das Jahr über tingelte ich dann mit meinem vollbeladenen Transporter in halb Europa herum.

Insgesamt konnte ich im In- und Ausland 840 Live-Steam-Fahrtage vor staunendem Publikum verzeichnen, mein letzter war im August 1997. Jetzt hängen die kleine Schaufel und meine Maschinistenmütze an der Wand meines Hobbyzimmers.


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