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 Diesseits der blauen Berge
[Abbildung zur Leseprobe]Mit dem Landschaftsbau bei der Modellbahn ist es schon so eine Sache, denn letztlich bleibt es dabei immer bei einem Kompromiss. Ganz sicher gibt es bestimmte Anlagen, von denen sich sagen lässt dass sie vorbildgetreuer als andere sind. Aber wie man es dreht und wendet, im Grund bleibt es doch immer bei einer Karikatur der Realität. Von unseren Fahrzeugmodellen verlangen wir zu Recht eine so weit wie möglich exakte maßstäbliche Wiedergabe des Vorbilds, wie es auch mittlerweile Stand der Technik ist. Auch bei Gebäudemodellen ist dies nicht unmöglich, sofern man sich eben die entsprechenden Vorbilder aussucht - es muss ja nun nicht gerade der Kölner Dom oder der Anhalter Bahnhof in der Baugröße 0 sein.

Ganz anders sieht es dagegen beim Landschaftsbau auf der Modellbahn aus. Maßstäblich hohe Bäume sind machbar und auch nicht das Problem, aber wie soll es dann weitergehen? Selbst der viel gerühmte „Ausschnitt aus der Wirklichkeit" lässt sich nicht so ohne weiteres auf eine funktionsfähige Anlage übertragen. Das hat zunächst einen ganz einfachen Grund - es fehlt meistens schlicht der nötige Platz. Ein mit 4,50 m bemessenes Modellbahnzimmer mag auf den ersten Blick recht üppig ausfallen, aber in der Baugröße entspräche dies H0 gerade einmal 391 m, und bei N sähe die Sache mit 720 m nicht viel besser aus.

Dazu kommt aus meiner Sicht ein viel schwerwiegenderes Problem. 390 m Strecke lassen sich bestimmt genau nachbauen, in gestalterischer Hinsicht wäre mir das dann aber doch ein wenig langweilig. Wenn das gewählte Vorbild dann noch in einer waldreichen Gegend läge - sämtliche Nadelbäume müssten natürlich mit den allerbesten heute verfügbaren Materialien hergerichtet werden - oje, die Aussicht, dazu ungefähr mindestens 236 Fichten zu basteln, würde allein schon ausreichen, dieses Projekt wieder mehr oder weniger ungeprüft aufzugeben (aber vielleicht liegt es ja auch eher daran, dass ich mich in grauer Städte Mauern eher wohl fühle als im Häuschen im Grünen ...).

Es hilft alles nichts, ohne die entsprechenden Kompromisse geht es eben nicht. Viel wichtiger als der zentimetergenaue Nachbau erscheint mir das Nachempfinden bestimmter topografischer Situationen mit hohem Wiedererkennungswert und deren glaubwürdige Kombination auf einer Anlage. Außerdem erscheint es manchmal sinnvoller, die reale Topografie einfach zu ignorieren, wenn es um die Planung und Gestaltung der Modellbahnlandschaft geht. Schließlich soll die Anlage gut aussehen - wie es beim Vorbild ausschaut, geht keinen was an. Eine Anlage, die zum eigenen Vergnügen gebaut wird, unterliegt anderen Kriterien als ein historisch exaktes Museumsdiorama - das man sich natürlich ebenso als Ziel setzen kann.

Letztlich muss doch jeder seine Prioritäten selbst festlegen. Ein brillanter Fahrzeugbauer ist nicht unbedingt gleich ein genialer Landschaftsgestalter; ihm reicht für seine superdetaillierten Lokomotiven unter Umständen schon eine eher summarische Modelllandschaft. Aber auch der Landschaftsbau und -gestaltung lassen sich lernen - aus eigener Erfahrung weiß ich nur zu gut dass hierzu viel Übung nötig ist. Der Weg ist schließlich das Ziel, und Spaß machen soll es ja auch!
Lutz Kuhl


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