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 Halbe Sache - ganzer Spaß
[Abbildung zur Leseprobe]Seit Oswald Hubers treffender Zeichnung über die Entwicklung eines Modellbahners - Sie erinnern sich: von der Anfangspackung über die Riesenanlage mit Spaghettitopf-Gleisführung zur kleinen, aber feinen Nebenbahn - gilt es als selbstverständliche Erkenntnis: Weniger ist mehr.

Und so bauten viele Modellbahner ihre ganz persönliche Nebenbahn. Mal nach Vorbild, mal nach Gusto; immer aber in überschaubaren Größenordnungen. Auf minimaler Fläche genießen sie maximale Beschäftigung, tuckern mit roten Schienenbussen durch grüne Landschaften und rangieren nach Herzenslust - die ganz Harten kuppeln hier mit der Pinzette die Originalschraubenkupplungen - mal ein Wägelchen an die Rampe, mal eines in das Anschlussgleis, mal den O-Wagen auf die Waage oder durch das Lademaß. Idylle pur, die auch abseits der großen Magistralen keine Langeweile aufkommen lässt. Nicht ohne Grund wurde unser Spezial 64 über Nebenbahnen von Ihnen, unseren Lesern, besonders gut angenommen.

„Schnellzüge? Brauch ich nicht!“, hört man aus den Kreisen dieser Glücklichen bisweilen. Hm. Wirklich nicht? Mich erinnert das ein wenig an jenen Vierzeiler, mit dem Eugen Roth unvergleichlich treffend die Entwicklung eines ganzen Lebens auf den Punkt brachte:

Ein Mensch erhofft sich fromm und still,
Dass er einst das kriegt, was er will.
Bis er dann doch dem Wahn erliegt,
Und schließlich das will, was er kriegt.

Ist also die Freiwilligkeit beim Verzicht auf hochwertige Reise- und schwere Güterzüge nur eingebildet? Wer weiß. In jedem Fall hat der Hauptstreckenverkehr seine eigene Faszination. Ein veritabler Schnellzug, vorn eine 01.10, eine 01 oder wenigstens eine 03, dahinter ein paar lange Vierachser - hat das nichts? Mit hundert und mehr Sachen tobt er an uns vorbei, das Stampfen der Lok und das nachfolgende Rauschen der rollenden Räder auf den Schienen klingt uns eindrucksvoll in den Ohren. Fast meint man am Bahndamm, den Fahrtwind zu spüren.

Klar braucht so ein Thema mehr Platz. Platz, den nicht jeder zur Verfügung hat. Aber vielleicht lässt sich ja auch ein Kompromiss finden: Wir bauen - wie bei der Nebenbahn - nur ein Gleis und gönnen uns, quasi zum Ausgleich, statt der einfachen Signaltafeln eine volle Ausstattung mit Hauptsignalen. Die stellenweise engen Radien werden mit entsprechenden Geschwindigkeitsbeschränkungen gesichert und schon können all die herrlichen Garnituren mit den klangvollen Namen auch auf unserer Anlage fahren. D-Züge, F-Züge, vielleicht sogar ein schmucker TEE oder ein umgeleiteter Express mit Ellok und Vorspann - alles ist jetzt plötzlich möglich!

Auch betrieblich ist einiges geboten, denn die Monotonie einer Hauptstrecke in „Hundeknochen“-Streckenform ist a priori ausgeschlossen. Die zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen beim Zweirichtungsverkehr auf einem Gleis bringen nämlich beim Vorbild lästige Erschwernisse, die aber gerade für uns das Salz in der Suppe sind.

Die Fahrdienstleiter einer solchen eingleisigen Hauptbahn haben alle Hände voll zu tun. Ein Anlagenthema also, das aktives Spielen bietet, ohne uns den Verzicht auf die weite Welt der großen Eisenbahn abzuverlangen - besser gehts doch nicht, meint Ihr
Martin Knaden


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