Es gehört zur Natur des Menschen,
dass er als Rudeltier seinesgleichen sucht.
Schon morgens am Kiosk bekommt man die lokale Dorfausgabe der Zeitung mündlich zur gedruckten Regionalversion dazu; das ist doch viel kommunikativer,
als den Papierstapel einfach nur aus dem Briefkasten zu zerren.Auch nach einem Umzug fördern so nützliche Internetseiten wie www.new-in-town.de soziale Bindungen in der neuen Umgebung.
Und hat man sich in dieser niedergelassen,
sollte man einen Gartenzaun nicht als trennendes Element ansehen.
Vielmehr gibt er als - Achtung: Neudeutsch! - „meeting point“ Halt und Stütze beim ausführlichen Schwatz mit dem Nachbarn. Der „Mensch ansisch“ sucht also Anschluss und der modellbahnernde Mensch ebenso.
Steht bei Ersterem hauptsächlich die soziale Kompetenz im Vordergrund,
ist es bei Letzterem eher die betriebliche.
Denn wir spielen ja nicht einfach Eisenbahn,
wir betreiben unserer Anlagen.
Oder fahren Ihre Wagen „einfach nur so“ durch die Landschaft? Sehen Sie,
auch ein Wagen braucht Anschluss.
Bei Reisezugwagen denken wir da in erster Linie an einen Bahnhof.
Der ist von seiner flächenmäßigen Ausdehnung her nicht zu unterschätzen,
weshalb die meisten Anlagenbetreiber sich auf einen zentralen Hauptbahnhof beschränken (müssen).
Güterwagen hingegen bieten da ganz andere Möglichkeiten: Hier kann jede Wagenladung ihr individuelles Ziel haben - sofern eine ausreichend große Anzahl von Zielen auf der Anlage eingeplant ist.
Und hier setzt diesmal unser Spezial an: Schon eine vergleichsweise winzige Ecke auf der Anlage genügt,
um komplexe Rangierfahrten auszulösen.
Eine kleine Kohlenhandlung etwa oder ein Tanklager benötigen regelmäßig Brennstoff-Nachschub über die Schiene.
Wer das Wagenmaterial etwas abwechslungsreicher gestalten möchte,
wählt einen Betrieb,
bei dem Rohstoffe und Fertigwaren mit unterschiedlichen Wagen befördert werden müssen: Ludwig Fehrs Glaswerke beispielsweise erhalten den Quarzsand mit Staubgutwagen,
die bruchempfindlichen Glasprodukte werden mit G-Wagen oder - bei Flachglas - mit Spezialtransportern abgefahren.
Hierzu lassen sich noch viele Beispiele finden.
Eine übersichtliche Tabelle hat Gerhard Peter zusammengestellt (S.
79). Auch eine Werksbahn als Hauptthema einer Anlage wäre denkbar.
Angesichts der riesigen Abmessungen zum Beispiel eines Autowerkes muss hier aber die Darstellung auf modellbahngeeignete Bereiche beschränkt werden: Auf der einen Seite des Fabrikgeländes sehen wir Schiebewandwagen für die Anlieferung von Autoteilen,
auf der anderen Seite den Abtransport von Automobilen mit Off-52-Wagen.
Die eigentlichen Produktionshallen dazwischen könnten als reine Hintergrundkulisse ohne jeden Platzbedarf lediglich angedeutet werden. Wir beachten also bei der Planung unserer nächsten Anlage: Wer Anschlüsse nicht nur suchen,
sondern auch finden will,
muss in erster Linie mal Ziele setzen.
Menschen und Modelle unterscheiden sich in diese Punkt gar nicht so sehr voneinander - meint Ihr Martin Knaden
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