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Ein Diesel macht Dampf

 
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Nachdem das seinerzeit bahnbrechende Röwa-Modell der V 160 schon lange nicht mehr erhältlich ist, schließt Brawa mit seiner aktuellen 216 eine große Lücke im Angebot der H0-Diesellokomotiven. Charakteristisch für die "Zwosechzehn" in Vorbild wie Modell: eine Dampfheizkupplung für die damals überwiegend eingesetzten älteren Reisezugwagen. Martin Knaden und Bernd Zöllner hatten Gelegenheit, ein erstes Muster von Brawas Museums-216 221 zu testen.

Was bisher geschah: Nach der Vorserien-Lokomotive "Lollo" (erhältlich von Roco) und nach MKs Bau der V 160 010 (siehe MIBA 12/98) stellt Brawa die Serienlokomotive auf die Räder. Der Erscheinungstermin ist also vorbildentsprechend gewählt - ganz so wie im Großen, damals in den 60ern. Und wie das Vorbild schöpft auch das Modell seine Leistung aus nur einem Motor. Das sind aber längst nicht die einzigen Punkte, in denen die Brawa-Lok exakt ihrem großen Vorbild entspricht.

Gekonnt kantig

Wer bisher glaubte, Dieselloks der V-160-Familie seien eher unscheinbar, sollte sich nun endlich die Brille putzen: Das Metallgehäuse bietet feinste Gravuren an Dach, Lüfterklappen und Türen. In das Dach ist ein separates Teil eingesetzt, damit auch kein noch so winziger Anspritzpunkt die Fläche verunziert!

Die Fenster sind bündig und ohne jeden Spalt eingesetzt. Die Rahmen sind silbern bedruckt. Auch im Dach wurde das Oberlicht nicht einfach in die Form graviert, sondern als separates Fenster korrekt nachgebildet. An den Frontfenstern über der typischen Kante sind allerdings die Rastnasen der Befestigung relativ deutlich sichtbar.

Rote wie silberne Griffstangen sind aus Stahldraht freistehend eingesetzt. Die am Rahmen nachgebildeten Griffstangen wurden dagegen ebenso wie die Scheibenwischer angespritzt. An der Lokfront ist neben der UIC-Steckdose eine weitere Griffstange - typisches Merkmal der Epoche V.

Am Pufferträger wirkt der Kupplungskasten besonders plastisch. Dies wird noch zusätzlich betont durch seine schwarze Einfärbung in der dunkelgrauen Umgebung des Rahmens. Neben den obligatorischen Bremsschläuchen (in unterschiedlicher Höhe - auch so ein Merkmal der Moderne) sind die Trittstufen ebenfalls separat angesetzt. Erstmals bei einem Großserienmodell finden sich auch die winzigen Schlußscheibenhalter an der oberen, durchgehenden Trittstufe! Die Puffer werden bei der endgültigen Serienausführung einen Pufferteller-Warnanstrich tragen.

An der Unterkante des Pufferträgers ist vorbildentsprechend die Heizkupplung angesetzt. Hier unterscheidet sich die 216 von den Maschinen der Reihen 217 und 218, die ihre Züge elektrisch heizen.

Die Drehgestelle zeigen eine hervorragende Gravur. Besonders die Spiralfedern wirken wirklich freistehend, obwohl sie angespritzt sind. Das Bremsgestänge verfügt über alle Gelenke und ist äußerst filigran ausgeführt.

Auf der Innenseite der Drehgestellblenden liegen - versteckt wie beim Vorbild - die Bremsbacken, außen sind sehr zierliche Tritte angesteckt. Clou des Ganzen sind die freistehend bis in die Radebene geführten Sandfallrohre! Bei den Serienmodellen werden auch die Drehgestellblenden bedruckt sein.

Zwischen den Drehgestellen ist der große Tank angesetzt, der ebenfalls nicht einfach glatte Flächen hat, sondern verschiedene Vertiefungen besitzt. An der Unterseite sind zwei Luftbehälter und die Kardanwellen aus dem Getriebegehäuse nachgebildet.

Die Betankungsöffnungen im Rahmen sind nicht nur im Halbprofil angedeutet, sondern liegen in durchbrochenen Löchern. Durch die Löcher sind die Einfüllstutzen der Tankrohre zu erkennen, die seitlich am Kraftstoffbehälter angesetzt sind!

In sattem Purpurrot kommt der Lokkasten mit dem abgesetzten Fensterband daher, umrahmt von hellgrauem Dach und dunkelgrauer Schürze - präzise lackiert mit scharfkantigen Farbtrennlinien. Was auf den ersten Blick wie die Ursprungslackierung wirkt, entpuppt sich aber bei näherem Hinsehen als die exakte Wiedergabe der aktuellen Museumsmaschine: der gelbe Deckel der UIC-Steckdose verrät die neuzeitliche Ausführung.

Auffällig an unserem Vorserien-Muster ist die fehlende weiße Zierlinie zwischen Rahmen und Lokkasten. Diese wird selbstverständlich in der Serienausführung vorhanden sein. Dazu ist dann auch der Stand der Rahmenanschriften, der bei unserem Muster noch leicht zu hoch ist, korrigiert.

Die Beschriftung ist farb- und größenrichtig aufgedruckt. "Lupenrein" beschreibt die Qualität der Bedruckung nur unzulänglich: selbst winzigste Anschriften sind unter einer Lupe nicht nur lesbar, sondern zeigen erst so ihre exakte Konturenschärfe und Deckkraft! Als Heimatdienststelle ist der Betriebshof Gießen angegeben, als Eigentümer die DB-Cargo. Auch das Revisionsdatum "4.7.1994" deutet auf die Museumsmaschine im heutigen Zustand hin.

Kraftvoll und leise

Was vom äußeren Erscheinungsbild der Lok an Erwartungen geweckt wird, vermag das Innere zu halten. Nach dem Lösen von vier gut zugänglichen Schrauben läßt sich das Gehäuse ohne Spreizen vom Fahrwerk abheben.

Der fünfpolige Motor ist mittig in Längsrichtung untergebracht. Er ist zur Vermeidung von Geräuschen zwischen Gummiblöcken gelagert. Einerseits entstehen so kaum Vibrationen, andererseits neigt das Metallgehäuse ohnehin nicht wie Kunststoff zu Resonanzen - eine optimal leise Lösung!

Dank seines schräggenuteten Ankers rastet der Motor kaum im Feld der Permanentmagneten. Dies ermöglicht gleichmäßige Langsamfahrt schon bei sehr geringer Spannung. An jedem Wellenende sind gut dimensionierte Schwungmassen aufgezogen. Ihre Wirkung bleibt jedoch relativ begrenzt, weil der Motor von Hause aus eine niedrige Nenndrehzahl aufweist.

Über Kardanwellen wird je Drehgestell eine Schnecke angetrieben. Das gesamte Getriebe ist in präzisen Zinkdruckgußrahmen gelagert. Die Lagerung der Drehgestelle besteht aus einer planen Fläche mit Drehzapfen, die Halteklipse der Schnecke sichern die Position. Motordrehzahl und Getriebe harmonieren hervorragend miteinander: die Vorbildhöchstgeschwindigkeit wird bei 12 Volt ziemlich genau erreicht.

Stromabnahmebleche sucht man bei dieser Konstruktion vergeblich. Die Stromabnahme erfolgt über Halbachsen und Lagerbleche, die in den Drehgestellblenden eingelassen sind. So wird der mechanische Widerstand möglichst gering gehalten.

Oberhalb des Motors ist die Stromverteilerplatine angeschraubt. Sämtliche Kabel sind hier nicht gelötet, sondern über kleine Kappen an der Platine gesteckt. Gesteckt, nicht gelötet sind auch die Stiftbirnchen für die Frontbeleuchtung - alles in allem eine sehr servicefreundliche Konstruktion.

Die Beleuchtung ist bereits bei geringen Geschwindigkeiten gut sichtbar. Durch die Verwendung von richtigen Birnchen leuchtet die Frontbeleuchtung auch korrekt in Weiß und nicht in Leuchtdiodengelb. An unserem Muster leuchteten allerdings die roten Lampen deutlich intensiver als die weißen.

Selbstverständlich für ein modernes Modell ist die Schnittstelle in der Platine. Raum für den Decoder findet sich zwischen Platine und Dach genügend, sofern der Decoder nicht allzu große Ausmaße hat.

Brawa liefert die 216 in drei verschiedenen Ausführungen, jeweils als Gleich- und Wechselstromausführung. In den allgemeinen Handel gelangt die hier vorgestellte 216 221 in Purpurrot. In MC-, Vedes- und Spielzeugring-Fachgeschäften ist exklusiv die 216 135-4 in blau-beiger Farbgebung erhältlich, während die Idee+Spiel-Handelskette die verkehrsrote 216 102-4 mit Cargo-Aufdruck anbietet.

Fazit und Ausblick

Mit dem Erscheinen dieser MIBA dürfte die Großserie der Brawa-216 im Handel eingetroffen sein. Die an unserem Muster noch fehlende Zierlinie wird dann wie auch der Puffertellerwarnanstrich aufgedruckt sein. Auch wenn das Modell nicht mehr rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft fertig wurde, hat sich das Warten gelohnt: Brawa konnte wieder einmal beweisen, daß man in der Lage ist, den Käufern stets etwas mehr als Standard zu bieten.

In der März-MIBA lesen Sie den 3. Teil von "Spiel mir das Lied vom Rot" - starring: V 162 003! Die 217 von Trix wird zurückversetzt in die Epoche III und optisch wie technisch auf den neuesten Stand gebracht. Bleiben Sie dran, wir sind bald wieder da!
MK

Maßtabelle Baureihe 216 von Brawa in H0

 Vorbild1:87/NEMModell
Längenmaße
Länge über Puffer:16 000183,9184,5
Länge über Kasten:14 760169,7170,3
Höhe Dachoberkante über SO:4 27049,148,9
Breite Lokkasten:3 06035,235,2
Radstände
Gesamtachsstand:11 400131,0130,7
Drehgestellachsstand:2 80032,232,2
Drehzapfenabstand:8 60098,998,6
Raddurchmesser:1 00011,511,5
Puffermaße
Pufferhöhe über SO:1 05012,112,1
Puffermittenabstand:1 75020,120,0
Pufferlänge:6207,17,1
Radsatzmaße entsprechend NEM
Radsatzinnenmaß:- 14,3 min14,2
Radsatzbreite:-2,8 min2,8
Spurkranzhöhe:-1,2 max1,0
Spurkranzbreite:-0,7-0,90,7

Meßwerte 216 von Brawa

Gewicht Lok:520 g
Haftreifen:2
Schwungmassen
Anzahl:2
Durchmesser:17 mm
Dicke:11 mm
Meßergebnisse Zugkraft
Ebene:257 g
3% Steigung:240 g
Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt)
Vmax: 125,5 km/h bei 12 V
VVorbild:120 km/h bei 11,3 V
Vmin:ca. 4,9 km/h bei 1,7 V
VNEM zulässig:168 km/h bei 12 V
Auslauf
aus Vmax:195 mm
aus VVorbild:185 mm
Lichtaustritt: ab 55 km/h bei 6 V
Preis:ca. DM 250,- 2L DC, ca. DM 300,- 3L AC


 

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