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Die württembergische T3 ist das erste Dampflokmodell, das der schwäbische Hersteller Brawa auf den Markt bringt. Hat die Auslieferung auch nicht mehr vor Weihnachten geklappt, so hat sich doch das Warten gelohnt: dieses "Schnuckelchen" besticht durch viele feine Details bei ausgewogenen Fahreigenschaften, wie Martin Knaden und Bernd Zöllner feststellten.
Schon RaiMo und - auf der Basis der RaiMo-Teile - später auch Bühler boten die württ. T3 in H0 an. War in den Bausatz noch eine Menge Arbeit zu investieren (obwohl schon wegen der Räder doch nur ein Kompromiß dabei herauskam), kann nun die T3 als Fertigmodell von Brawa erworben werden. Und sie bietet als Großserienmodell feinere Details als die damals so hochgelobte Kleinserie.
Das Modell wird in einer allseits geschlossenen Pappschachtel mit Styropor-Einschub geliefert. Zwei Kunststoff-Folien schützen den Lack vor Scheuerstellen und erleichtern die Herausnahme aus der Verpackung. Zur Selbstmontage liegen neben den beiden Funktionskupplungen noch die Schraubenkupplungsimitationen und acht Bremsschläuche bei. Dazu findet man die Deckel der Kohlenkästen, Schutzgitter für die Frontscheiben und das rückwärtige Rollo in geschlossenem wie geöffnetem Zustand. Alle weiteren Details sind bereits werksseitig montiert.
Und das sind nicht wenige. Alle Griffstangen sind freistehend angesetzt, einige bestehen wie auch die Stellstange zum Luftpumpenventil aus Draht, gelagert in Kunststoffhalter. Der Griff an der Rauchkammer und die beiden senkrechten an den Kanten der Wasserkästen sind aus Kunststoff.
An der Rauchkammer sind außer der Griffstange die Verschlußknebel, das Nummernschild und der Halter für die dritte Lampe separat angeklebt. Die Luftpumpe ist selbstredend auch als Einzelteil angesetzt. An den württembergischen Petroleum-Laternen (die T3 hatten bis in die Reichsbahnzeit hinein keine elektrische Beleuchtung) sind sogar feinste - aber empfindliche - Griffbügel in Kunststoff angespritzt.
Die Rauchkammer ist als separates Teil vor den Kessel gesteckt. Der Schlot ist in den Sockel eingeklebt. Diese modulare Bauweise erlaubt es, später einmal die grüne Länderbahnversion mit schwarzer Rauchkammer und anderem Schlot ohne großen Aufwand zu produzieren.
Kessel, Wasserkästen und untere Führerhaushälfte sind als ein Formteil aus Metall gefertigt. Dabei wird der Kesselscheitel nicht von einer Formnaht verunziert. Lediglich am Sandkasten erkennt man unter einer Lupe, daß hier ein Formschieber eingesetzt wurde. Dieser ermöglichte es, daß der Sandkasten einen freistehenden Griff und Scharnierandeutungen erhielt.
Das Ramsbottom-Sicherheitsventil und das zweite Sicherheitsventil auf dem Dampfdom bestehen aus Kunststoff ebenso wie Glocke und Pfeife auf dem Dach. Hier ist ein Abdeckblech als Einzelteil angesetzt. Wer nachforscht, findet eine Öffnung im Dach, die eine Version mit Dachaufsatz ankündigt.
Besondere Blicke verdient der vollständig motorfreie Führerstand. Auf dem Stehkessel ist die Dampfentnahme-Armatur angesetzt, rechts davon findet man den Umsteuerhebel und das Führerbremsventil. Der Regler ragt freistehend in den Raum, während die Feuerbüchse nur angedeutet ist. Wer sich angesichts dieser Detailfülle für das geschlossene Rollo entscheidet, ist selber schuld ...
Die Bedruckung läßt keine Wünsche offen: Größe und Position aller Aufdrucke sind korrekt. Die Anschriften sind dabei in drei verschiedenen Farben angebracht, zusätzlich werden die Schilder als glänzende Felder dargestellt. So sind an der Führerhauswand alle Beschriftungsvarianten ohne Formänderung möglich.
Der Detailreigen geht am Fahrwerk weiter. Die vierfach geschlitzten Korbpuffer sind nicht nur im Modell federnd ausgeführt, sondern zeigen auch in der Gravur innen eine winzige Feder! Die schwäbisch sparsam geformten Rangierertritte sind bei Vorbild wie hier im Modell aus Draht geformt. An der Front fallen zudem noch zwei Details am Rahmenwasserkasten auf: die gebogene Wasserstands-Skala und der Prüfhahn sind oberhalb der Nietenreihe angeformt. Obwohl beide Zylinder mit dem dazwischenliegenden Bereich aus einem Stück sind, ist doch die Wasserkastenfront mit den Schienenräumern rot abgesetzt. Unterhalb der Zylinder sind die Zylinderhähne aus Kunststoff angesetzt. Auch am Rahmen sind alle Details weitgehend berücksichtigt. Eine große Aussparung gibt den Blick frei auf den Aschkasten.
Das Bremsgestänge und ein großer Druckluftkessel sind ebenso wie Führerhaustrittstufen und Bremsbacken aus Kunststoff angesetzt. Einen Bremszylinder sucht man vergeblich. Korrekt - hatte doch das Vorbild lediglich für den Zug eine Druckluftbremse und nur eine Handbremse für die Lok. Deren Hebel ragt freistehend aus dem Führerhausboden.
Gegenüber dem satten Rot des lackierten Metallrahmens wirkt der lediglich durchgefärbte Kunststoff allerdings blaß. Zudem sind die vorbildgerecht leicht nach außen stehenden Trittstufen äußerst bruchgefährdet. Das Gestänge ist ein Gedicht: Die Mischung aus durchgefärbten Kunststoffteilen - einschließlich der roten Schieberstangenhalter - und geätzten Stangen ist äußerst gelungen. An der Gegenkurbel sind sogar die Welle und drei Schraubenköpfe nachgebildet. Reichlich überdimensioniert wirken dagegen die Köpfe der Kurbelbolzenschrauben.
Filigran wiederum der zweischienig geführte Kreuzkopf. Steuerungssträger, Gleitbahnen und Stopfbuchse sind ein rot durchgefärbtes Kunststoffteil, wobei die Farbgebung für Gleitbahn und Stopfbuchse eher weniger paßt. Die Radsätze zeigen selbstverständlich die korrekte Speichenzahl. Die Form der Gegengewichte ist aber noch korrekturbedürftig: Statt der Einteilung halbe/halbe vom ganzen zum verkürzten Segment hätte der ganze Teil sich über die Breite von zwei Speichenzwischenräumen erstrecken müssen.
Deutlich zu groß wirken die Spurkränze, die mit 1,2 mm am oberen Rand der NEM liegen und so gar nicht in das filigrane Umfeld des Fahrwerks passen wollen. Hinter dem Treibrad auf der Lokführerseite verrichten Zahnräder ihre Arbeit. Leider sind sie hier, da die Rahmenmitte für den Schleifer der Mittelleiterversion freigehalten wurde, von außen zu sehen.
Modelltechnik
Im Bereich der Feuerbüchse lagert der Motor, ein fünfpoliger, schräggenuteter Antreiber mit Messingschnecke. Sie greift in ein großes Zahnrad des Moduls 0,3. Über ein Zwischengelege wirkt der Antrieb auf die Treibachse. Die äußeren Achsen sind pendelnd gelagert. So hat die Lok optimalen Stromkontakt zur Schiene.
Die Kuppelachsen werden über die Stangen mitgenommen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt angenehm niedrig. Ab etwa 6 Volt ist allerdings der Motor durch leises Surren zu vernehmen. Trotz nicht vorhandener Haftreifen ist die Zugkraft für vorbildgerechte Dienste völlig ausreichend.
Motor und Getriebekasten sind umgeben von einer Stromverteilerplatine, die die NEM-Schnittstelle, zwei Dioden und drei Birnchen trägt. Oberhalb der Schnittstelle ist im Gehäuse ausreichend Platz für einen Decoder freigehalten. Zugunsten dieses Decoderplatzes wurde auf eine Schwungmasse verzichtet.
Die Birnchen versorgen die jeweils in Fahrtrichtung vorn liegenden Petro-leumlampen über Lichtleitkörper mit korrekt weißem Licht. Während der vordere Lichtleitkörper nicht zu sehen ist, verlaufen die beiden hinteren durch den Führerhausboden.
Das dabei seitlich abgestrahlte Licht tritt sowohl nach unten wie auch in den Führerstand aus. Wer hier versucht, mit Farbe etwas abzudichten, wird die ohnehin schon schwache Lichtausbeute gänzlich gegen Null reduzieren. Geeigneter ist da schon ein zurechtgeschnittenes Stück Alufolie, das das Reflektieren im Kunststoff unterstützt und nicht verhindert. Unterhalb der Pufferträger liegen NEM-Schächte für die Modellkupplungen. Sie sind mit einer Kulissenführung für echten Kurzkupplungsbetrieb ausgerüstet - eine formtechnische Meisterleistung angesicht dieser kurzen Lok.
Fazit
Brawa ist mit der kleinen T3 ein großer Wurf gelungen. Dieses Modell rückt die Großserientechnik in den Bereich der Kleinserienqualität. Bei Brawa sollte man sich aber überlegen, der Lok feinere Spurkränze zu spendieren. Sie hätte es verdient, die württembergische T3. Martin Knaden/Bernd Zöllner
Württembergische T3 von Brawa in H0
| | Vorbild | 1:87 | Modell |
| Länge über Puffer: | 8 505 | 97,8 | 98,6 |
| Höhenmaße über SO |
| Schlotoberkante: | 3 900 | 44,8 | 44,6 |
| Kesselmitte: | 1 900 | 21,8 | 21,8 |
| Puffermaße |
| Pufferhöhe über SO: | 1 040 | 12,0 | 11,8 |
| Puffermittenabstand: | 1 750 | 20,1 | 20,3 |
| Breitenmaße |
| Breite Führerhaus: | 2 700 | 31,0 | 31,1 |
| Zylindermittenabstand: | 1 960 | 22,5 | 22,3 |
| Achsstände |
| Gesamtachsstand: | 3 000 | 34,5 | 34,4 |
| Kuppelachse 1 zu Kuppelachse 2: | 1 720 | 19,8 | 19,8 |
| Kuppelachse 2 zu Kuppelachse 3: | 1 280 | 14,7 | 14,6 |
| Treib- und Kuppelräder |
| Durchmesser: | 1 045 | 12,0 | 11,9 |
| Speichenzahl: | 10 | 0,1149 (ha, ha) | 10 |
| Puffermaße |
| Pufferhöhe über SO: | 1 040 | 11,9 | 11,8 |
| Pufferlänge: | 590 | 6,8 | 7,0 |
| Radsatzmaße entsprechend NEM | | NEM | |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,3+0,1 | 14,3 |
| Spurkranzhöhe: | - | 1,2max | 1,2 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,7-0,9 | 0,8 |
| Radbreite: | - | 2,8min | 2,8 |
| Alle Maße in mm |
Meßwerte württ. T3 von Brawa
| Gewicht Lok: | 166 g |
| Haftreifen: | - |
| Meßergebnisse Zugkraft |
| Ebene: | 18 g |
| 3% Steigung: | 14 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax vorwärts: | 40,3 km/h bei 12 V |
| Vmax vorwärts: | 48,8 km/h bei 12 V |
| VVorbild: | 45 km/h bei 13,0 bzw. 11,5 V |
| Vmin: | 4,6 km/h bei 3,1 V |
| Auslauf |
| vorwärts: | 10 mm |
| rückwärts: | 15 mm |
| Lichtaustritt |
| vorn: | ab 20 km/h bei 6,5 V |
| hinten: | ab 30 km/h bei 7,5 V |
| Schwungscheibe: | - |
| Preise: | DM 329,- für die Gleichstromvariante, DM 399,- für die Wechselstromvariante |
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