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E 77 10 von Brawa in H0

 
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Der Blick aufs Dach verrät sofort, dass eine von der Reichsbahn wieder aufgebaute Lok nachgebildet wurde: Stromabnehmer der Bauart SBS 10 mit Rillenisolatoren (das Vorbild hatte vor dem Krieg SBS 9 mit Glockenisolatoren), die feine, in Verlauf und Aussehen absolut korrekt aus Kunststoff ausgeführte Dachleitung, die richtigerweise auf Stützisolatoren (statt der ursprünglichen Isolatorböcke) ruht. Wir finden Dachtrennschalter, die beim Wiederaufbau als Ersatz für den integrierten Trennschalter des SBS 9 eingebaut wurden. Der (ursprünglich nicht vorhandene) Oberspannungswandler mit dem außermittig angeordneten Isolator ist ebenfalls da.

Auch sonst fehlt auf dem Dach nichts: Die sehr feinen, in Lage und Ausführung korrekten Nietreihen, die Druckluftleitungen, die bis zum Luftleitungsisolator innerhalb des Stromabnehmers laufen oder die unterschiedlichen Abstützungen für die Dachlaufbretter - alles perfekt getroffen. Selbst die beim Vorbild noch vorhandenen Befestigungspunkte für einen Isolatorbock neben dem Hauptschalter wurden exakt nachgebildet.

Die feine und korrekte Detaillierung setzt sich an den Stirn- und Seitenwänden fort. Hier stimmt wirklich jede Niete, wobei auch unterschiedliche Größen der Nietköpfe in Lage und Ausführung berücksichtigt wurden. Stimmig ebenfalls die Griffstangen aus schwarzem Kunststoff, vorn rechts jeweils kürzer mit den Nachbildungen der bei der DR üblichen Windabweiser.

Die Inneneinrichtung beschränkt sich auf die Führerstände, deren Fenster mit ihren Schirmen genau dem wieder hergestellten, typischen Aussehen des ehemals bayerischen Vorbildes entsprechen. Überzeugend auch die Übergangseinrichtungen mit beweglichen Übergangsblechen.

Unschön ist allerdings die zu dicke Dachkante. Hier hätte eine zur Kante hin abnehmende Materialstärke optisch besser gewirkt. Wirklich gut gelungen sind dagegen die Nachbildungen der großen Ellok-Laternen und der zierliche Rangierergriff mit dem winzigen Kugelkopf.

Auch das Fahrwerk kann sich sehen lassen. Bei den Treibrädern aus Metall mit feinen Speichennachbildungen wurden selbst die Auswuchtbohrungen nicht vergessen, wobei die optische Wirkung besser gewesen wäre, wenn statt der kreisrunden Gravur eine runde Fläche nur eine Idee tiefer gelegt und die zum Radkörper geneigten Flächen am Ende der Gegengewichte berücksichtigt worden wären.

An den Treib- und Kuppelstangen aus Druckguss wurden sogar die Schmiergefäße richtig räumlich vorstehend dargestellt. Im Rahmenbereich finden sich vollständig nachgebildete Bremsklötze samt Hängeeisen, extra angesetzte Sandkästen mit separat verlaufenden Sandfallrohren, ein funktionierender Schmierpumpenantrieb, eine frei liegende Tachowelle, Indusi-Magnete, es fehlt einfach nichts ...

Die seidenmatte Lackierung ist makellos und entspricht in der Farbgebung in jeder Beziehung der Museumslok. Gleiches gilt für die lupenrein aufgebrachte Beschriftung, die inhaltlich, farblich sowie typenmäßig korrekt ausgeführt wurde.

Technik

Unter dem Gehäuse aus Kunststoff befindet sich ein Fahrwerk aus Zinkdruckguss. Das Abnehmen der einzelnen Gehäuseteile ist etwas umständlich. Das Mittelteil lässt sich noch recht einfach nach Spreizen der Außenwände nach oben abheben. Eine Verdrehsicherung erübrigt sich wegen der einseitigen Lage der Schnittstelle innerhalb des Dachaufbaus.

Etwas komplizierter wird es bei den Frontteilen. Nach dem Abhebeln des Daches muss zunächst das Kleinstbirnchen mit seinem Kabelanschluss aus der Halterung gezogen und beim Abheben des Gehäuses (nach Spreizung der Seitenwände) durch eine Öffnung in der Oberseite gefädelt werden. Zum Wiederaufsetzen fehlt am Fahrwerk der Hinweis auf Vorn und Hinten. Zudem können auch noch die Dächer vertauscht werden. Dazu ein Hinweis: Vorn ist auf der Seite, an der sich der Hauptschalter befindet und beim Aufsetzen der Dächer müssen die Enden der Dachleitung zusammenpassen.

Der wieder in Gummi gelagerte Motor treibt von der Rahmenmitte her über Kardangelenke und ein kombiniertes Schnecken-/Stirnradgetriebe beide in Messingbuchsen gelagerte Treibachsen eines jeden Drehgestells an. Die Platine über dem Motor trägt den Hauptteil der Elektrik (Schnittstelle, Umschalter Oberleitungsbetrieb), zwei weitere Platinen hinter den Führerständen sind für die Stirnbeleuchtung und deren Konstantspannung zuständig. Die Stromabnahme erfolgt dank eines elektrisch geteilten Rahmens und mittig isolierter Halbachsen von allen Rädern schleiferlos. Miniaturbirnchen in jeder Laterne sorgen für eine fahrtrichtungsabhängige Stirnbeleuchtung mit gleich bleibender Helligkeit. Der Verzicht auf eine rote Schlussbeleuchtung ist kein Nachteil, denn sie wird ja nur benötigt, wenn die Lok allein fährt.

Alle elektrischen Baugruppen sind durch viele Kabel miteinander verbunden, was bei Wartungsarbeiten eher hinderlich ist. Insbesondere ein Austausch der Miniaturglühbirnchen dürfte nicht einfach werden.

Schon bei geringer Spannung läuft das Modell an und lässt sich bis zur geringfügig überhöhten Endgeschwindigkeit gut regeln. Die hierzu notwendige große Übersetzung führt zu einem leichten Getriebegeräusch, das bei einem Ellok-Modell aber durchaus glaubhaft wirkt. Das Auslaufverhalten des Modells ist trotz der zwei Schwungscheiben zu gering, da ihr Durchmesser einfach zu klein ist. Die gemessene Zugkraft ist dem Modell angemessen und ermöglicht den Betrieb vorbildgerechter Zuggarnituren.

Mit dem nur schwenkbar aufgehängten Normschacht stellt sich bei Verwendung von Kurzkupplungsköpfen ein sehr kurzer Pufferabstand ein. Eine instruktive Bedienungsanleitung mit Ersatzteilliste rundet den Lieferumfang in gewohnter Weise ab.

Fazit

Ein Spitzenmodell, das ein ganz konkretes Vorbild in allen Details absolut korrekt wiedergibt, wenngleich Dachkanten und Gegengewichte ohne Mehrkosten in ihrer Wirkung hätten gesteigert werden können. Das Fahrwerk ist sehr solide durchkonstruiert, ein Wechsel der unteren Birnchen dürfte aber kniffelig werden.
bz

Maßtabelle E 77 in H0 von Brawa

 Vorbild1:87/NEMModell
Längenmaße
Länge über Puffer:16 000183,9186,3
Länge über Kasten:14 700169,0171,3
Höhenmaße über SO
Dach:3 79843,744,1
Gesamthöhe (Pantograph abgesenkt):4 54852,353,3
Breitenmaße
Breite über Kasten:3 05035,135,0
Radstände
Gesamtachsstand:12 100139,1138,9
Abstand Pufferträger-Laufachse1 30014,916,2
Abstand Laufachse-Treibachse a:2 90033,333,4
Abstand Treibachse a-Treibachse b:1 65019,019,0
Abstand Treibachse b-Rahmenhinterkante:1 37515,815,6
Abstand Rahmen:2502,92,9
Treibraddurchmesser:1 40016,116,1
Laufraddurchmesser:1 00011,511,4
Puffermaße
Pufferhöhe über SO:1 05012,112,2
Puffermittenabstand:1 75020,120,1
Pufferlänge6507,57,5
Radsatzmaße entsprechend NEM
Radsatzinnenmaß:- 14,3+0,114,3
Radbreite:-2,8min2,0
Spurkranzhöhe:-1,2max1,0
Spurkranzbreite:-0,7-0,90,80

Messwerte E 77 von Brawa

Gewicht Lok:443 g
Haftreifen:4
Messergebnisse Zugkraft
Ebene:121 g
3% Steigung:104 g
Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt)
Vmax: 76,6 km/h bei 12 V
VVorbild:65 km/h bei 10 V
Vmin:ca. 2,7 km/h bei 2 V
NEM zulässig:91 km/h bei 12 V
Auslauf
aus Vmax:77 mm
aus VVorbild:60 mm
Lichtaustritt:ab 9 km/h bei 2,5 V
Stromaufnahme bei max. Zugkraft:140 mA
Schwungscheiben
Anzahl:2
Durchmesser: 14,0 mm
Länge:11,0 mm
Ungefährer Preis:DM 450,-

 

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