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Das Modell der BR 91.3 von Fleischmann

 
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Auf vielen Verschiebebahnhöfen waren die Dampfloks der BR 91.3 noch bis in die sechziger Jahre hinein unermüdlich im Einsatz, und auch auf mancher Nebenstrecke mußten sie sich mit kurzen Personen- und Güterzügen ihre Kohlen verdienen: Fleischmann hat diese Lok jetzt in der Baugröße H0 verwirklicht. Bernd Zöllner berichtet über die Technik, Lutz Kuhl hat die Optik des Modells unter die Lupe genommen.

Um es gleich vorweg zu sagen: mit dem Modell der 91.3 ist Fleischmann wieder ein kleines Meisterstück gelungen. Die Nürnberger haben es auch diesmal geschafft, das Vorbild perfekt in der Baugröße H0 umzusetzen: Der optische Eindruck stimmt, die Proportionen sind gut getroffen - genauso hat die BR 91 ausgesehen ...

Das Finish mit der seidenmatten Lackierung und der sauberen Beschriftung ist wie bei Fleischmann gewohnt perfekt ausgeführt. Das Modell ist als 91 1595 des Bw Krefeld beschriftet; bei der DB war dies die letzte betriebsfähige 91.3, sie wurde am 11. Januar 1964 abgestellt. Genau diese Maschine hat Fleischmann mit einigen kleinen Kompromissen realisiert - schließlich sollen aus der gleichen Form auch noch andere Varianten wie etwa die DRG-Ausführung entstehen können. Die Kombination von DB-Keks und fehlendem oberen Spitzensignal entspricht dabei genau dem Vorbild, auch der zentrale Rauchkammerverschluß war bei dieser Lok bis zum Schluß noch vorhanden.

Fast alle Handgriffe und Kesselleitungen sind freistehend ausgeführt, besonders gut gefallen auch die feinen Nietreihen und die filigranen Teile der Kesselausrüstung. Ein besonderes Schmankerl haben sich die Formenbauer am Führerhaus einfallen lassen: Auf der Heizerseite ist das seitliche Schiebefenster geschlossen, auf der gegenüberliegenden Seite dagegen offen dargestellt - der Lokführer lehnt sich zur freien Sicht anscheinend öfter aus dem Führerhaus hinaus.

Die Detaillierung des Fahrgestells ist ebenfalls tadellos. Ganz besonders gefällt dabei der enge Abstand zwischen den Rädern der Vorlaufachse und den darüberliegenden Schutzblechen. Die Räder besitzen die richtigen Anzahl von Speichen, die Gegengewichte an Kuppel-und Treibrädern besitzen die richtige Form und Größe. Bei der Fertigung von Speichenrädern für Dampflokmodelle haben die Nürnberger immer noch die Nase vorn - mit ihren feinen Speichen können sie vom Aussehen her ohne weiteres mit manchen Kleinserienprodukten konkurrieren. Die Stromabnahmefedern sind nahezu unsichtbar hinter den Spurkränzen der Räder untergebracht. Die Steuerung ist, soweit überhaupt möglich, maßstäblich ausgefallen. Treib- und Kuppelstange bestehen dabei aus Metall, während Kreuzkopf, Voreilhebel und Schwinge wie bei Fleischmann üblich aus Kunststoff bestehen.
lk

Technik

Das aus Kunststoff gefertigte Gehäuse läßt sich nach dem Lösen von drei auf der Unterseite angeordneten Selbstschneideschrauben leicht und ohne Hakeln abnehmen. Das Fahrwerk besteht aus Zinkdruckguß, der längs im Bereich des Führerhauses angeordnete Motor ruht in einem Kunststoffteil, das gleichzeitig Nachbildung der hinteren Pufferbohle, der Werkzeugkästen und der Aufstiegsleitern ist.

Nach Lösen einer Blechklammer kann dieses ganze Teil abgenommen werden; die elektrischen Verbindungen zum Fahrwerk werden durch Kontaktbleche hergestellt. Eine vorbildliche Lösung zum einfachen Ausbau des Motors, bei dem es sich um einen offenen (leider nur dreipoligen) Flachmotor aus der N-Produktion handelt.

Auf dem Antriebswellenende befindet sich eine den räumlichen Verhältnissen angepaßte, nicht allzu große Schwungscheibe, die direkt anschließende Schnecke treibt über ein im Rahmen liegendes Stirnradgetriebe den Treibradsatz an. Wie beim Vorbild übernehmen die Kuppelstangen die Kraftübertragung zu den Kuppelradsätzen. Die Lagerung der Treib- und Kuppelradsätze bei diesem neuen Fleischmann-Modell ist die zweite große Überraschung bei der Antriebstechnik von Fleischmann-Modellen in diesem Jahr. Die Radsätze der Lok lassen sich nach dem Abnehmen der durch eine Schraube und zusätzliche Rastnasen gehaltenen Abdeckplatte vollständig aus dem Rahmen nehmen! An dieser Abdeckplatte befinden sich gleichzeitig die der Radkontur angepaßten Schleifkontakte für die Stromabnahme von allen Rädern der Treib- und Kuppelradsätze sowie der Vorlaufachse, die lediglich leicht seitenverschieblich im Lokrahmen gelagert ist. Die elektrische Verbindung zum Motor erfolgt durch die oben erwähnten Kontaktbleche, einzige Lötverbindung ist das Kabel zur Glühbirne für die Frontbeleuchtung. Die elektrische Verbindung zur Heckbeleuchtung erfolgt ebenfalls über Kontaktbleche des Motorträgers.

Das Lokmodell stützt sich auf der Treibachse und dem Laufradsatz ab, die beiden Kuppelradsätze sind dagegen höhenbeweglich. Diese Anordnung bewirkt, daß der größte Teil des Lokgewichtes auf der Treibachse lastet, deren Räder beide mit Haftreifen belegt sind. Mit dem Ergebnis einer hervorragenden Zugkraft, die einer solchen Tenderlok alle Ehre macht. Untadelig auch die Laufeigenschaften. Leise und taumelfrei bewegt sich das Lokmodell über den gesamten, angenehm niedrigen Geschwindigkeitsbereich. Lediglich im mittleren Geschwindigkeitsbereich sind mitunter gewisse Resonanzgeräusche zu vernehmen. Der Auslauf nach Abschalten der Fahrspannung kann durchaus als ausreichend bezeichnet werden, da bei einem solchen Lokmodell eine größere Schwungscheibe einfach nicht möglich ist.

Die gut wirkende Stirnbeleuchtung leuchtet ständig auf beiden Seiten und wird durch Sockelbirnchen, die sich ohne Löten wechseln lassen, sichergestellt. Geradezu bewundernswert ist es, daß Fleischmann es auch unter beengten Verhältnissen immer wieder gelingt, eine präzise funktionierende Kulissenmechanik für die Kurzkupplungen zu realisieren - so auch bei diesem Modell auf beiden Seiten. Eine übersichtliche und leichtverständliche Bedienungsanleitung gibt alle notwendigen Hinweise für bei Wartungsarbeiten notwendige Demontagearbeiten.

Fazit

Ein in technischer wie optischer Hinsicht absolut gelungenes Modell, das durch eine geschickte Konstruktion mit ausgezeichneten Leistungswerten aufwarten kann!
bz

Maßtabelle der BR 91.3 von Fleischmann in H0

 Vorbild1:87Modell
Länge über Puffer:10 700123,0123,0
Höhenmaße über SO
Schlotoberkante:4 20048,348,4
Kesselmitte:2 50028,728,7
Puffermaße
Pufferhöhe über SO:1 05012,112,5
Puffermittenabstand:1 75020,120,0
Gesamtbreite:3 10035,635,6
Zylindermittenabstand:2 10024,126,1
Achsstände
Gesamtachsstand:6 00069,069,0
Vorlaufachse zu Kuppelachse 1:2 70031,031,0
Kuppelachse 1 zu Kuppelachse 2:1 65019,019,0
Kuppelachse 2 zu Kuppelachse 3:1 65019,019,0
Raddurchmesser
Laufräder:1 00011,511,5
Treib- und Kuppelräder:1 35015,515,4
Speichenzahl
Laufrad:10-10
Treib- und Kuppelräder:13-13
Radsatzmaße entsprechend NEM
Radsatzinnenmaß:- 14,3+0,114,2
Spurkranzhöhe:-1,2max1,2
Spurkranzbreite:-0,7min0,8
Radbreite:-2,8min2,8

Meßwerte BR 91.3

Gewicht Lok:177 g
Haftreifen:2
Meßergebnisse Zugkraft
Ebene:106 g
3% Steigung:96 g
Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt)
Vmax:90 km/h bei 12 V
VVorbild:65 km/h bei 9 V
Vmin:6 km/h bei 3 V
Auslauf
aus Vmax:100 mm
aus VVorbild:55 mm
Lichtaustritt
vorn:ab 35 km/h bei 6 V
hinten:ab 35 km/h bei 6 V
Schwungscheibe
Anzahl:1
Durchmesser:13,6 mm
Länge:3,3 - 5,4 mm

 

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