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Lang, lang ist es her und ältere Leser werden sich sicher noch daran erinnern: Bereits 1964 brachte Fleischmann ein gemessen an den damals üblichen Standards gelungenes Modell der Baureihe 70.0 auf den Markt. Beschriftet war die noch im Maßstab 1:80 gehaltene Lok als 70 091 vom Bw Ansbach. Exakt diese Nummer wählte man nun auch wieder für das neue Modell (das sonst mit dem alten natürlich gar nichts mehr gemein hat!).
Alle wichtigen Abmessungen des Vorbildes gibt das Modell der BR 70.0 jetzt korrekt maßstäblich wieder. Proportionen und Gesamteindruck stimmen: So hat die "70er" ausgesehen. Über die Detaillierung braucht man eigentlich nicht allzu viele Worte verlieren, denn sie ist, wie bei Fleischmann üblich, wieder geradezu perfekt ausgefallen. Alle Griffstangen sind frei stehend ausgeführt, ein besonderes Schmankerl sind die feinen Stellstangen mit den Anstellhebeln an Dampfdom und Sandkasten. Bis auf die am Kessel angespritzte Dampfleitung zum Hilfsbläser sind alle anderen Leitungen ebenfalls frei stehend; auch die am Schlot hochgeführte Abdampfleitung der Lichtmaschine verdient Beachtung. Hervorragend gelungen ist die (natürlich separat angesetzte) Luftpumpe der Bauart Westinghouse. Die Öffnungen im Rauchkammersattel sind allerdings nicht durchbrochen ausgeführt; letztlich ein notwendiger Kompromiss, denn der Lichtleiter für das obere Spitzenlicht musste schließlich auch irgendwo seinen Platz finden.
Die Räder der Lok weisen den maßstäblich richtigen Durchmesser auf, auch die Anzahl der Speichen sowie die Form der Gegengewichte stimmt. Laufflächen und Spurkränze sind schwarz vernickelt, sodass die mit 1,2 mm ohnehin moderate Höhe letzterer kaum auffällt. Die Steuerung ist so weit als möglich maßstäblich ausgeführt. Treib-, Kuppel- und Schwingenstange bestehen aus Metall; Voreilhebel, Kreuzkopf, Schieberschubstange und Schwinge dagegen aus grau eingefärbtem Kunststoff.
Die Lackierung des Gehäuses ist in einem angenehmen seidenmatten Schwarz gehalten. Kunststoff- und Metallteile bei Fahrwerk und Unterseite des Umlaufs sind komplett lackiert, sodass hier alles in einem einheitlichen Rotton erscheint. Das Finish der Lackierung und auch der Beschriftung ist perfekt.
Das Führerhaus ist im Inneren von allen störenden Teilen weitgehend frei gehalten und würde ohne weiteres einen freien Durchblick gestatten - wenn da nicht auf der Lokführerseite unmittelbar neben dem Fenster der Schnittstellenstecker höchst unglücklich die Sicht verwehren würde. Dies wäre aber auch schon der einzige Kritikpunkt an dem sonst hervorragenden Modell. lk
Die Technik
Wie bei einem Fleischmann-Modell nicht anders zu erwarten, lässt sich das Gehäuse nach dem Lösen von drei Schrauben ganz leicht vom Fahrwerk heben. Es besteht komplett aus Kunststoff, die vordere Hälfte des Kessels wurde zusätzlich mit einem Ballastgewicht gefüllt. Das Fahrwerk besteht aus Zinkdruckguß, ergänzt durch zwei Baugruppen aus Kunststoff: den vorderen und hinteren Teil des Umlaufes einschließlich des zugehörigen Pufferträgers. Während der vordere Teil des Umlaufes direkt am Rahmen aufgerastet ist, wird der hintere Teil letztlich durch die Federblechkammer fixiert, die auch der Motorbefestigung dient.
Der offene, 3-polige Motor mit Schwungscheibe treibt über eine Schnecke und ein nachfolgendes Stirnradgetriebe die Treibachse an. Die Kuppelachse wird über die Kuppelstangen mitgenommen.
Die Laufachse ist direkt in dem nach vorn aus Kunststoff verlängerten Rahmen gelagert und nach unten komplett herausklipsbar. Die beiden Treibachsen lassen sich wie bereits bei dem Modell der BR 91 nach Abnehmen der Abdeckplatte aus Kunststoff aus dem Rahmen nehmen. Allerdings muss hierzu erst der Pilzschleifer für das Fleischmann-Schaltgleis durch Lösen des Sicherungsringes entfernt werden, was nicht so einfach zu bewerkstelligen ist. Dieser Pilzschleifer befindet sich leider zu deutlich sichtbar zwischen Vorlaufachse und Treibachse.
Auf der Innenseite der Abdeckplatte sind die Schleifkontakte für die Stromabnahme von allen Rädern so geschickt angebracht, dass sie von außen nicht sichtbar sind. Der elektrische Anschluss zum Motor geschieht kabellos über Kontaktbleche, so dass die Abdeckplatte problemlos komplett entfernt werden kann.
Das einzige Kabel, welches in der Lok noch zu finden ist, ist der Anschluß für die vordere Stirnbeleuchtung. Dieses Kabel verläuft oberhalb des Umlaufes unter dem Kessel nach vorne, um dann an der Stufe zum vorderen Umlauf darunter zu verschwinden. Wegen der roten Isolierung kann man es unter dem Kessel vor den Wasserkästen noch gut erkennen. Eine schwarze Ausführung wäre sicher geschickter gewesen.
Die Stirnbeleuchtung wechselt mit der Fahrtrichtung und ist bei gleicher Spannung hinten deutlich heller als vorne. Die Stecksockelbirnchen lassen sich wie immer bei Fleischmann sehr einfach austauschen.
Im Hinblick auf eine zuverlässige Stromabnahme wurde auf Haftreifen verzichtet, daher bewegt sich das Modell absolut taumelfrei. Das geringe Fahrgeräusch wird ab und zu von einem leichten Schnarren überlagert. Dank der gut ausgelegten Schwungscheibe lässt es sich bis zur Höchstgeschwindigkeit sehr gut regeln. Wegen der geringen Endgeschwindigkeit des Vorbildes wurde die nach NEM zulässige Überhöhung richtigerweise voll ausgeschöpft.
Die großzügige Dimensionierung der Schwungscheibe macht sich auch durch das gute Auslaufverhalten bemerkbar. Hilfreich insbesondere unter Berücksichtigung der relativ niedrigen Endgeschwindigkeit.
Wegen der fehlenden Haftreifen sind die gemessenen Zugkraftwerte eher bescheiden. Bei vorbildgerechten Einsatzbedingungen sind sie aber dennoch völlig ausreichend.
Erstmals bei einem Fleischmann-Triebfahrzeugmodell finden wir eine genormte S-Schnittstelle nach NEM 651. Kulissengeführte Normschächte an beiden Fahrzeugenden runden die perfekte Technik dieses Modells ab.
Fazit
Jetzt hat Fleischmann wieder eine BR 70 im Programm, die optisch wie technisch den aktuellen Stand der Modelltechnik widerspiegelt. Es bleibt nur noch zu hoffen, dass die bayerischen Wagen aus dem Junior-Programm bald eine Aufwertung (Kurzkupplung etc.) erfahren und passend zur 70 091 beschriftet angeboten werden. bz
Maßtabelle BR70.0 von Fleischmann in H0
| | Vorbild | 1:87 | Modell |
| Längenmaße |
| Länge über (Hülsen)Puffer: | 9 290 | 106,8 | 107,1 |
| Höhenmaße über SO |
| Schlotoberkante: | 4 000 | 46,0 | 46,2 |
| Kesselmitte: | 2 200 | 25,3 | 25,3 |
| Puffermaße |
| Pufferhöhe über SO: | 1 040 | 12,0 | 12,5 |
| Pufferlänge: | 650 | 7,5 | 7,5 |
| Puffermittenabstand: | 1 750 | 20,1 | 20,0 |
| Breitenmaße |
| Gesamtbreite (unterste Trittstufe): | 3 050 | 35,1 | 35,1 |
| Zylindermittenabstand: | 1 740 | 20,0 | 21,0 | |
| Achsstände |
| Gesamtachsstand: | 5 450 | 62,6 | 62,6 |
| Vorlaufachse zu Treibachse: | 4 000 | 45,9 | 45,5 |
| Treibachse zu Kuppelachse: | 1 450 | 16,7 | 17,1 |
| Abstand Pufferträgerkante vorn-Vorlaufachse: | 810 | 9,3 | 9,3 |
| Abstand Kuppelachse-Pufferträgerkante hinten: | 1 730 | 19,9 | 20,2 |
| Raddurchmesser |
| Vorlaufräder: | 850 | 9,8 | 9,5 |
| Treib- und Kuppelräder: | 1 250 | 14,4 | 14,1 |
| Speichenzahl |
| Vorlaufräder: | 8 | - | 8 |
| Treib- und Kuppelräder: | 10 | - | 10 |
| Radsatzmaße entsprechend NEM | | NEM | |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,3+0,1 | 14,2 |
| Spurkranzhöhe: | - | 1,2max | 1,2 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,7-0,9 | 0,8 |
| Radbreite: | - | 2,8min | 2,9 |
Messwerte BR 70.0
| Gewicht Lok: | 129 g |
| Haftreifen: | keine |
| Zugkraft | |
| Ebene vorwärts: | 14,5 g |
| Ebene rückwärts: | 12,0 g |
| 3% Steigung vorwärts: | 12,0 g |
| 3% Steigung rückwärts: | 9,5 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) | |
| Vmax: | 88 km/h bei 12 V |
| VVorbild: | 65 km/h bei 9,7 V |
| Vmin: | ca. 4,5 km/h bei 3,5 V |
| NEM zulässig: | 91 km/h bei 12 V |
| Auslauf |
| aus Vmax: | 159 mm |
| aus VVorbild: | 123 mm |
| Lichtaustritt |
| vorn: | ab 35 km/h bei 6,5 V |
| hinten: | ab 4,5 km/h bei 3,5 V |
| Schwungscheibe |
| Anzahl: | 1 |
| Durchmesser: | 15,0 mm |
| Länge: | 4,5 mm |
| Ungefährer Preis: | 290,- DM |
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