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Keine Frage. Der ICT von Fleischmann ist eine Augenweide. In gewohnter Perfektion wirkt das Fahrzeug wie aus einem Guss und so elegant wie das Vorbild. Dies liegt ebenso an dem makellosen Finish wie an der korrekten Nachbildung aller für das Erscheinungsbild wichtigen Konturen bis hin zu feinsten Strukturen, die von einer gründlichen Recherche am Original zeugen.
Herausragendes Merkmal dieser Fleischmann-Konstruktion ist die Neigetechnik, die wie auch schon beim Pendolino-Modell kreisbogenabhängig gesteuert wird: Kunststoffstreifen gleiten in schräg geführten Nuten und kippen so den Wagenkasten.
Dabei muss - beim Modell ebenso wie beim Vorbild - der Stromabnehmer stets über der Gleisachse bleiben. Dies wurde durch eine starre Befestigung des Stromabnehmers auf dem Drehgestell erreicht. Als Attrappe wurde der Pendelrahmen korrekt dargestellt, der recht gut die Querschlitze in der Dachaussparung verdeckt.
Auch bei diesem Modell entschied sich Fleischmann wieder für eine leichte Verkürzung im Längenmaßstab 1:93,5, die auf den ersten Blick praktisch nicht auffällt, aber dennoch ihre Tücken haben kann. Zum Beispiel beim Blick auf den "Dachgarten", wie der Bereich mit der elektrischen Dachausrüstung von den Konstrukteuren des Vorbildes respektlos genannt wird:
Das Kniegelenk des unverkürzten Stromabnehmers vom Typ SSS 87 sollte nämlich nicht über die Dachaussparung hinausragen. Die zu große Konstruktionshöhe der bei Sommerfeldt zugekauften Nachbildung half Fleischmann hier ungewollt aus dem Dilemma: das Kniegelenk des abgesenkten Stromabnehmers kratzt nicht auf der Dachkontur.
Zwischen den hervorragend gravierten und farblich korrekten Nachbildungen aller Isolatoren wurde auf eine übertrieben dicke Nachbildung der dünnen Kupferverbindungen verzichtet. Hier kann der Bastler selbst mit dünnem Kupferdraht die Leitungen darstellen. Immerhin wurde bei diesem ICT der Erdungsschalter des Hauptschalters als Gravur dargestellt und auch der Erdungskontakt vom Trennschalter des Stromabnehmers angedeutet.
Die Nachbildung des übrigen Dachbereiches bei End- und Mittelwagen zeichnet sich durch äußerst feine Strukturen der Abdeckungen mit ihren feinen Lüftergittern aus. Besonders gut gelöst wurde bei den Mittelwagen die Darstellung der in einer abgedeckten Rinne verlaufenden Hochspannungsleitung: deren korrektes Eintauchen in die gerade noch auszumachende, über die gesamte Wagenkastenlänge verlaufende Abdeckung. Vorbildgerecht wurde die Farbgestaltung der Isolatoren nachgebildet: Der Stützisolator ist braun, der Leitungsisolator beige durchgefärbt.
Makellos sind die äußerst präzise und passgenau eingesetzten Fenster. Dies gilt ganz besonders für das Frontfenster. Durch den glasklaren unteren Teil fällt der Blick auf den fein nachgebildeten Führerstand. Der obere Teil des Stirnfensters ist korrekt dunkel abgetönt. Der Scheibenwischer ist durch einen schwarzen Aufdruck dargestellt.
Auch Fleischmann nutzte zur Darstellung bestimmter Details an der glatten Außenhaut gezielt die Möglichkeiten heutiger Drucktechnik. So sind die Kontur der Türen und die Griffmulden der Notentriegelung richtigerweise nur aufgedruckt, wodurch eine Unterbrechung des roten Zierstreifens an dieser Stelle vermieden werden konnte.
Die fein gravierten Drehgestelle sind im Bereich der Achslager durchbrochen und geben alle Bauteile korrekt wieder - z.B. alle wichtigen Zugsicherungseinrichtungen und die Sandkästen. Schöner wären allerdings separat angesetzte Schlingerdämpfer gewesen (auch als Zurüstteil), da die richtigerweise weit außen liegenden Dämpfer zu unschönen ebenen Flächen führen, die beim modellbahntypischen Blick von oben besonders auffallen.
Tadellos ist das Finish der vorbildgerechten Lackierung mit absolut glatter Oberfläche und sauberen Trennkanten sowie die präzise, lupenreine und inhaltlich korrekte Beschriftung.
Technik
Auch dieses Triebwagenmodell wurde leider wieder nur als Lok-/Wagenzug konzipiert. Dies bedeutet, dass sich in einem Endwagen der Antrieb befindet, während der andere Endwagen lediglich eine mit der Fahrtrichtung wechselnde Stirnbeleuchtung hat.
Darum ist zu Wartungszwecken auch nur das Öffnen der Endwagen notwendig. Dazu muss zunächst das hintere Drehgestell ausgeklipst und abgenommen werden. Kabellos wird über kleine Schleifkontakte die elektrische Verbindung von den Radstromabnehmern zum Fahrzeuginneren hergestellt.
Durch Lösen einer kleinen Schraube wird zunächst der Stromabnehmer entfernt und nach dem Lösen der eigentlichen Befestigungsschraube kann das aus Kunststoff bestehende Gehäuse ganz leicht vom Fahrwerk (ebenfalls aus Kunststoff) abgehoben werden.
Als Antrieb fand der direkt im Drehgestell integrierte bekannte Rundmotor Verwendung. Das Modell ist über den gesamten Regelbereich gewohnt leise. Allerdings wäre die leichte Überhöhung der Endgeschwindigkeit bei einem solch schnellen Vorbild eigentlich nicht nötig gewesen. Problematisch kann nämlich der relativ große Auslauf werden, zurückzuführen auf die im Anker des Fleischmann-Rundmotors integrierte Schwungmasse.
Die Leiterplatte mit der Zentralelektrik befindet sich zwischen Inneneinrichtung und Bodengruppe und enthält im angetriebenen Endwagen erstmalig auch eine Schnittstelle nach NEM 652. In einer Vertiefung im Ballastgewicht in der Bodengruppe ist auch der Platz für den Decoder vorgesehen.
Die Stromabnahme erfolgt bei beiden Endwagen von allen acht Rädern. Allerdings dient die Stromabnahme beim antriebslosen Endwagen eben nur der Stirnbeleuchtung. Gerade bei diesem markanten Triebwagenmodell wäre eine kuppelbare, durchgehende elektrische Verbindung für gleiches Fahrverhalten in beide Fahrtrichtungen wünschenswert gewesen. Diese Verbindung brächte es dann auch mit sich, dass bei echtem Oberleitungsbetrieb (in beiden Endwagen befindet sich dafür ein Umschalter) vorbildgerecht mit dem hinteren Stromabnehmer gefahren und dass die Beleuchtung der Mittelwagen auch aus der Oberleitung gespeist werden könnte.
Für die Stirn- und Schlussbeleuchtung werden Leuchtdioden verwendet. Sie sind leider nur im oberen Spannungsbereich oder bei abgedunkelter Umgebung sichtbar. Beim nicht angetriebenen Endwagen sorgt ein mechanischer Umschalter im Drehgestell für Lichtwechsel auch bei Digitalbetrieb (Wechselstrom am Gleis!).
Die Bedienungsanleitung lässt hinsichtlich der Handhabung und Wartung keine Fragen offen. Die richtige Ausrichtung der Mittelwagen im Zugverband ist in den jeweiligen Anleitungen der Wagen enthalten. Die richtige Reihung eines siebenteiligen Zuges haben wir auf den vorherigen Seiten dargestellt.
Fazit
Der ICE-T ist ein gelungenes Modell in gewohnter Fleischmann-Qualität mit solider Technik und perfektem Finish. Das Konzept als Lok-Wagen-Zug ohne durchleitende Stromleitung ermöglicht zwar keinen Schiebebetrieb in Blocksteuerungen, wirkt sich aber zumindest positiv auf den Verkaufspreis aus. bz
Maßtabelle ICE-T in H0 von Fleischmann
| | Vorbild | 1:87 | Modell |
| Längenmaße |
| Länge Endwagenkasten: | 27 250 | 313,2 | 291,3 |
| Länge Mittelwagenkasten: | 25 500 | 293,1 | 272,9 |
| Abstand Kastenende-Drehzapfen: | 3 250 | 37,4 | 35,8 1) |
| Abstand zwischen Kastenenden: | 400 | 4,6 | 4,5 2) |
| Höhenmaße über SO |
| Dachoberkante: | 3 910 | 44,9 | 44,5 |
| Stromabnehmer in Senklage: | 4 180 | 48,0 | 50,5 |
| Breitenmaße |
| Breite Fahrzeugkasten: | 2 850 | 32,8 | 32,6 |
| Breite Schleifstück: | 1 950 | 22,4 | 28,2 |
| Radstände |
| Drehzapfenabstand am Endwagen: | 19 000 | 218,4 | 202,2 1) |
| Drehgestell-Achsstand: | 2 700 | 31,0 | 28,8 |
| Raddurchmesser: | 890 | 10,2 | 9,6 |
| Radsatzmaße entsprechend NEM |
| | Radsatzinnenmaß: | - | 14,3+0,1 | 14,3 |
| Radbreite: | - | 2,8min | 2,9 |
| Spurkranzhöhe: | - | 1,2max | 1,1 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,7-0,9 | 0,8 |
1) Wert rechnerisch ermittelt, da der Drehzapfen 6 mm außermittig angeordnet ist 2) Mittelwert gezogen/geschoben |
Messwerte ICE-T
| Gewicht Triebkopf: | 381 g |
| Haftreifen: | 2 |
| Zugkraft |
| Ebene: | ausreichend für siebenteiligen Zug |
| 3%: | ausreichend für siebenteiligen Zug |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 272 km/h bei 12,0 V |
| VVorbild: | 230 km/h bei 10,4 V |
| Vmin: | ca. 6 km/h bei 2,0 V |
| NEM zulässig: | 322 km/h bei 12,0 V |
| colspan=2>Auslauf |
| aus Vmax: | 710 mm |
| aus VVorbild: | 500 mm |
| Lichtaustritt: | ab 108 km/h bei 6,5 V |
| Schwungscheibe: | 1 (in Rundmotor integriert) |
| Ungefährer Preis Grundpackung: | 450,- DM |
| Ungefährer Preis Mittelwagen: | 90,- DM |
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