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Nach einem Jahr Entwicklungszeit präsentierte Gützold die Tenderlokomotive 65.10, deren Vorbild als erste Baureihe des Neubauprogramms der DR fertig wurde. Martin Knaden und Bernd Zöllner haben die interessante Konstruktion getestet.
Vom (Kessel)-Scheitel bis zur (Brems)-Sohle vermag die 65.10 vom ersten Blick an zu überzeugen. Wohin man blickt, bietet das Modell tadellose Detaillierung: freistehende Leitungen am Kessel, zierliche Haltestangen von der vorderen Pufferbohle bis zum Tenderanbau, ein durchbrochenes Schutzgitter auf dem Dach, eine freistehend angespritzte Elektroleitung unter dem linken Umlauf, feinste Speichen in der richtigen Anzahl sowie ein separat angesetztes Bremsgestänge.
Beim Kessel sind lediglich zwischen den Domen Reste einer Formtrennaht zu erkennen. Die übrigen Bereiche sind frei von derlei desillusionierendem Beiwerk - ein formbautechnischer Aufwand, der sich gelohnt hat. Ebenso das Nachlaufgestell: der Außenrahmen mit seinen Löchern zeigt eine realistische Tiefe, die nur durch die Verwendung von zwei Bauteilen erreicht werden konnte. Überhaupt gibt das Fahrwerk durch seine filigrane und eingefärbte Steuerung den Vorbildeindruck bestens wieder. Nicht unwesentlichen Anteil haben daran die feinen Schwimmhäute an den Speichen.
Sämtliche Teile von Gehäuse und Fahrwerk sind lackiert. Dies ergibt einen seidenmatten Glanz und eine ausgezeichnete Farbtiefe, die mit blanken Plastikteilen nicht erreicht worden wäre. Sogar die einzeln angesetzten Handräder an den Domventilen sind hiervon nicht ausgenommen. Die Beschriftung der in Epoche-V-Ausführung dargestellten 65.10 ist lupenrein gedruckt. Auch die Warntafeln "Kein-Trinkwasser" werden farblich korrekt wiedergegeben. Die Lampeneinsätze sind zusätzlich innen weiß ausgelegt.
Modelltechnik
Durchdachte Technik schon beim Abnehmen des Gehäuses: Nach Zurückschieben des Tenderanbaus und dem Abheben des Führerhauses läßt sich das Kunststoff-Gehäuse vom Fahrwerk abnehmen.
Das Fahrwerk besteht aus einem massiven Metallrahmen, der sich hinten auf dem Nachlaufgestell und vorn in Zylindermitte auf dem Lokomotiv-Fahrwerk abstützt. Lokrahmen und Nachlaufgestell sind durch ein Kugelgelenk miteinander verbunden und bilden einen Knickrahmen, der zu einem sehr günstigen Bogenlauf des Fahrwerkes führt. Dabei übernehmen für den Lokrahmen die jeweils äußeren Kuppelachsen die Führung, die zweite Kuppelachse und die Treibachse haben Höhen- und Seitenspiel.
Die Antriebseinheit ist im Nachlaufgestell untergebracht. Der Rahmen- und Getriebeblock besteht aus zwei Hälften. Diese beiden Hälften umschließen den in Längsrichtung eingesetzten, völlig gekapselten fünfpoligen Motor mit Schwungscheibe.
Über ein kombiniertes Schnecken-/Stirnradgetriebe werden die beiden Achsen des Nachlaufgestells und über ein innerhalb des erwähnten Kugelgelenks geschickt angeordnetes Stirnradgetriebe die letzte Kuppelachse mit angetrieben. Die übrigen Kuppelachsen sowie die Treibachse werden über die Kuppelstangen mitgenommen. Treib- und Kuppelräder lagern in dem nach unten offenen Metallrahmen und werden durch eine Abdeckplatte im Rahmen gehalten, die gleichzeitig die Nachbildungen der Federpakete und des Bremsgestänges trägt.
Die Stromabnahme erfolgt von der Rückseite aller Treib- bzw. Kuppelräder über von außen nicht sichtbare Radschleifer. Kabel verbinden sie mit der Leiterplatte, die sich ungefähr in Kesselmitte auf dem Hauptrahmen der Lok befindet. Hier konzentriert sich die gesamte Elektrik einschließlich der Schnittstelle. Ein Raum im Kessel bietet Platz für einen Decoder.
Die Stirnbeleuchtung wechselt mit der Fahrtrichtung. Die hierfür verwendeten gelben Leuchtdioden haben den Vorteil, daß sie bereits ab Anlauf des Modells mit fast konstanter Helligkeit leuchten.
Bereits bei 1,8 Volt setzt sich das Modell mit einer erstaunlich geringen Stromaufnahme von nur ca. 60 mA völlig geräuschlos in Bewegung. Bis zur Höchstgeschwindigkeit, die nur sehr geringfügig über den vorbildgerechten 90 km/h liegt, steigert sich der Geräuschpegel nur minimal. Dabei läßt sich das Modell sehr gut regeln. Die gut dimensionierte Schwungscheibe bietet ausgewogenes Auslaufverhalten. Die gemessene Zugkraft darf für diesen Lokomotivtyp sicher als ausreichend bezeichnet werden. Die etwas geringeren Werte bei Rückwärtsfahrt müssen wohl als Kompromiß für eine ansonsten gut durchdachte Fahrwerkskonstruktion akzeptiert werden.
Fazit
Gützold liefert mit der 65.10 ein Modell, das in Detaillierung wie Technik voll dem heutigen Standard entspricht. Die ungewöhnlichen Wege, die die Konstruktion des Antriebs darstellt, sprechen für die innovative Kraft des Herstellers. Martin Knaden / Bernd Zöllner
Maßtabelle 65.10 von Gützold in H0
| | Vorbild | 1:87 | Modell |
| Länge über Puffer: | 17 500 | 201,1 | 199,7 |
| Höhenmaße über SO |
| Schlotoberkante (ohne Aufsatz): | 4 550 | 52,3 | 52,7 |
| Kesselmitte: | 3 250 | 37,4 | 37,0 |
| Puffermaße |
| Pufferhöhe über SO: | 1 050 | 12,1 | 12,0 |
| Puffermittenabstand: | 1 750 | 20,1 | 20,0 |
| Pufferlänge: | 650 | 7,5 | 6,8 |
| Breitenmaße |
| Gesamtbreite: | 3 050 | 35,1 | 35,0 |
| Zylindermittenabstand: | 2 250 | 25,9 | 28,9 |
| Achsstände |
| Gesamtachsstand: | 13 300 | 152,9 | 152,8 |
| Vorlaufachse zu Kuppelachse 1: | 2 950 | 33,9 | 34,0 |
| Kuppelachse 1 zu Kuppelachse 2: | 1 850 | 21,3 | 21,2 |
| Kuppelachse 2 zu Kuppelachse 3: | 1 850 | 21,3 | 21,2 |
| Kuppelachse 3 zu Kuppelachse 4: | 1 850 | 21,3 | 21,2 |
| Kuppelachse 4 zu Nachlaufachse 1: | 2 600 | 29,9 | 30,2 |
| Nachlaufachse 1 zu Nachlaufachse 2: | 2 200 | 25,3 | 25,0 |
| Abstand Vorlaufachse zu Pufferträgervorderkante: | 1 350 | 15,5 | 15,5 |
| Abstand Nachlaufachse 2 zu Pufferträgerhinterkante: | 1 550 | 17,8 | 17,8 |
| Raddurchmesser |
| Vorlaufräder: | 1 000 | 11,5 | 11,3 |
| Treib- und Kuppelräder: | 1 600 | 18,4 | 18,3 |
| Nachlaufräder: | 1 000 | 11,5 | 11,3 |
| Speichenzahl |
| Vorlaufräder: | 9 | - | 9 |
| Treib- und Kuppelräder: | 17 | - | 17 |
| Nachlaufräder: | 11 | - | 11 |
| Radsatzmaße entsprechend NEM | | NEM | |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,3+0,1 | 14,3 |
| Spurkranzhöhe: | - | 1,2max | 1,2 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,7-0,9 | 0,7 |
| Radbreite: | - | 2,8min | 2,8 |
| Alle Maße in mm |
Meßwerte BR 65.10
| Gewicht Lok: | 435 g |
| Haftreifen: | 4 |
| Meßergebnisse Zugkraft |
| Ebene vorwärts: | 171 g |
| Ebene rückwärts: | 124 g |
| 3% Steigung vorwärts: | 150 g |
| 3% Steigung rückwärts: | 107 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 98 km/h bei 12,0 V |
| VVorbild: | 90 km/h bei 10,8 V |
| Vmin: | ca. 7 km/h bei 1,8 V |
| NEM-zulässig: | 126 km/h bei 12,0 V |
| Auslauf |
| aus Vmax: | 172 mm |
| aus VVorbild: | 145 mm |
| Lichtaustritt |
| vorn: | ab 7 km/h bei 1,8 V |
| hinten: | ab 7 km/h bei 1,8 V |
| Schwungscheibe |
| Anzahl: | 1 |
| Durchmesser: | 17 mm |
| Länge: | 8 mm |
| Ungefährer Preis Gleichstrom: | 495,- DM |
| Ungefährer Preis Wechselstrom: | 585,- DM |
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