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Für ein Modell der Baureihe 156 gab es bei Gützold die besten Voraussetzungen. Gleiche Drehgestell-Achsstände wie bei der BR 155, ein vernachlässigbar anderer Drehzapfenabstand und eine klassische Dach- ausrüstung boten die Möglichkeit, wichtige Bauteile des bereits vorhandenen Modells wieder zu verwenden. Und wenn dann noch das Vorbild aus seiner Dresdener Heimat regelmäßig nach Zwickau kommt, kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

Das Gützold-Modell gibt das Erscheinungsbild und die markante Optik der letzten DR-Neuentwicklung hervorragend wieder. Dies gilt auch für die Dachausrüstung, bei der sich alle Teile in korrekter Ausführung finden. Sei es die richtige Form der Stützisolatoren mit mittiger Befestigung der Dachleitung oder die Nachbildung der Trennschalter - bis auf den fehlenden Anschluss des Hauptschalters an die Dachleitung sind alle Bauteile wie Durchführungsisolator und Oberspannungswandler korrekt angeschlossen. Keine besonders gute Idee war es allerdings, das Dach mit einem einheitlichen Grauton zu überziehen. Denn die Isolatoren sind beim Vorbild nach wie vor braun, auch wenn dies durch Umwelteinflüsse im Betrieb nicht mehr so deutlich sichtbar wird. Unabhängig davon werden die Isolatoren beim Vorbild immer sauber gehalten, denn eine Schmutzablagerung auf der Porzellanoberfläche birgt die Gefahr von Spannungsüberschlägen.

Ein besonderes Lob verdienen die Stromabnehmer, die beim Vorbild baugleich mit denen der BR 143 sind. Gützold hat erfreulicherweise die entsprechenden Nachbildungen der BR 143 von Roco übernommen, sodass auch im Modell beim Einsatz von DR-Elloks durch Baugleichheit die Optik stimmt.

Separat aufgesetzt sind das Abdeckgitter des Bremswiderstandes (vom Modell der BR 155 übernommen und in seiner Ausführung nicht ganz wie bei der BR 156) und die bei DR-Loks übliche „Schwedenklappe“ im Dach des Führerstandes. Richtig auch die Anordnung der Zugbahnfunkantenne über dem Führerstand 2.

Beim Vergleich mit dem Vorbild zeigen sich aber gravierende Abweichungen: Die beiden korrekt unterschiedlichen Seitenwände wurden beim Formenbau miteinander vertauscht! Die Bedruckung richtet sich zudem nach den Seitenwänden. Demzufolge liegt der Hauptschalter - bei der BR 156 wie auf fast allen deutschen Loks auf der Triebfahrzeugseite 1 - beim Gützold-Modell auf Seite 2 und die Anordnung von Batteriekasten und Luftbehälter passt auch nicht mehr zur Vorne-Hinten-Definition. Ein bedauerlicher Fehler, der ohne Mehrkosten vermeidbar gewesen wäre.

Korrekt ist dagegen die linke und rechte Anordnung der Lüftergitter. Die Ausführung der Lüftergitter entspricht allerdings nicht der 001, sondern exakt der von 002 bis 004. Da die 001 noch einen rotierenden Umrichter von der BR 155 besaß, wurde die Kühlluft aus dem dritten linken Lüftungsgitter ausgeblasen, welches im Vergleich zu den Ansauggittern nur waagerechte Lamellen hatte. (Nach der Revision war dieses Gitter plötzlich an der vorletzten Stelle auf der linken Seite für die Ansaugung des Fahrmotors 5. Offensichtlich macht man auch beim Vorbild schon mal Fehler, unser Hinweis wird aber hier in Kürze Abhilfe schaffen.)

An den großflächigen, glatten Seitenwänden finden sich alle Gravuren an der richtigen Stelle. Die Führerstandstüren, die im abgesetzten Rahmen vertieft angeordneten vier Sandeinfüllöffnungen oder die auf beiden Seiten neben der Loknummer etwas außermittig in Richtung Seite 2 angeordnete 400-V-Steckdose. Gleiches gilt für die Abdeckungen der Anhebestellen. Filigran auch die Aufstiegsgriffstangen in der richtigen Farbgebung und die korrekt nachgebildeten Befestigungsflansche (oben senkrecht, unten waagerecht).

Auch an der Stirnfront ist alles an der richtigen Stelle: Griffstangen als extra angesetzte feine Spritzteile, passgenaue Stirnfenster mit angravierten Scheibenwischern sowie Schlussscheibenhalter und UIC-Steckdose. Die silberne Farbgebung des Festerrahmens ist für das gewählte Vorbild ebenfalls richtig, nur 003 und 004 haben in Gummi gefasste Stirnfenster. Gut durchgebildet ist auch der Pufferträger mit seinen Rangiererauftritten und -trittflächen.

Die ohne angesetzte Teile ausgeführten Drehgestellblenden geben alle Einzelheiten in feiner Gravur mit guter Tiefenwirkung korrekt wieder. Nichts fehlt: Bremszylinder und Stoßdämpfer für jeden Radsatz, ein frei liegendes Bremsgestänge und angedeutete Bremsklötze in Radebene. Vorn an jedem Drehgestell liegen die Bahnräumer, hinten findet sich der Indusi-Magnet an der richtigen Stelle.

Die Lackierung in seidenmatter Farbgebung ist sehr sauber mit scharfen Trennkanten ausgeführt und entspricht in ihrer Ausführung dem aktuellen Stand des Vorbildes nach der Revision am 7.5.99. Auch die Be- schriftung ist sauber und lupenrein aufgedruckt und gibt in Schrifttype und Inhalt den heutigen Zustand wieder.

Technik

Technisch entspricht das Modell weitgehend dem der Baureihe 155 und somit dem generell von Gützold angewendeten Konstruktionsprinzip bei Drehgestell-Loks. Das Gehäuse lässt sich nach dem Abziehen der Puffer leicht vom Rahmen abheben. Dieser Rahmen aus Zinkdruckguss stützt sich wie eine Glocke am höchsten Punkt der Drehgestelle ab.

Der Bühler-Motor wird von unten in den Rahmen eingelegt und durch eine Abdeckplatte aus Metall mit der Nachbildung von Batteriekasten und Luftbehälter gehalten. Über Kardangelenke treibt der Motor beide Drehgestelle an. Jeweils die äußeren Radsätze jedes Drehgestells sind angetrieben. Vom mittleren (höhenbeweglichen) und vorderen Radsatz wird jeweils über von oben auf den Laufflächen schleifende Kontaktbleche der Strom abgenommen, die inneren Radsätze eines jeden Drehgestells haben auf beiden Rädern Haftreifen.

Auf der Oberseite des Rahmens befindet sich etwas außermittig eine Platine mit der gesamten Elektrik einschließlich der Schnittstelle nach NEM 652 (achtpolig) und dem Umschalter auf Oberleitungsbetrieb. Statt einer mechanischen Verdrehsicherung gibt die Lage des Kontaktbleches zum Stromabnehmer die richtige Lage des Gehäuses auf dem Fahrgestell vor.

Das hohe Gewicht des Lokmodells, in Verbindung mit der Schwungmasse führt zu einem sehr geschmeidigen Fahrverhalten über den gesamten Spannungsbereich. Man meint am Fahrregler geradezu die Fahrzeugmasse zu spüren. Dies macht sich gleichermaßen in gutem Auslaufverhalten bemerkbar.

Im gesamten Regelbereich bewegt sich das Modell leise und - begünstigt durch die Art der Rahmenaufhängung - ohne Taumeln bis zur (nach NEM zulässigen) um 40 % überhöhten Endgeschwindigkeit. Die überragende und allen Ansprüchen genügende Zugkraft verdankt es dem hohen Eigengewicht in Verbindung mit insgesamt vier Haftreifen.

Stirn- und Schlussbeleuchtung erfolgen durch Leuchtdioden und daher spannungsunabhängig fast konstant über den gesamten Regelbereich. Ein Normschacht, der in einer Kulisse geführt wird, ermöglicht ein vorbildgerecht enges Kuppeln. Der Schneeräumer ist richtigerweise an der Kupplungsdeichsel angebracht, sodass auch er vorbildgerecht ausgeführt werden konnte.

Das Modell wird in einer Styroporverpackung gut geschützt geliefert, die kurz gefasste Bedienungsanleitung mit Ersatzteilliste gibt alle nötigen Hinweise für das Abnehmen des Gehäuses und Arbeiten wie Decodereinbau oder Haftreifenwechsel.

Fazit

Ein gelungenes Modell in gewohnter Gützold-Qualität. Dies gilt sowohl für die technische Ausführung als auch für die Detaillierung und das Finish. Der sehr bedauerliche Fehler der vertauschten Seitenwände sollte durch einen entsprechenden Umbau der Formen unbedingt behoben werden. Wenn dann noch in einer weiteren Auflage des Modells die Betriebsnummern 002 bis 004 gewählt würden, wäre auch die Ausführung der Lüftergitter an allen Stellen korrekt.
bz

Maßtabelle 156 in H0 von Gützold

 Vorbild1:87/NEMModell
Längenmaße
Länge über Puffer:19 500224,1224,5
Länge über Lokkasten:18 200209,2210,5
Höhenmaße über SO
Dachoberkante:4 15047,747,5
Stromabnehmer in Senklage:4 63053,254,6
Breitenmaße
Lokkasten:2 97534,234,5
Breite über Griffstangen:3 10035,635,8
Radstände
Gesamtachsstand:14 660168,5167,3
Drehzapfenabstand:11 290129,8127,1
Drehgestell-Achsstand:4 50051,751,7
Raddurchmesser:1 25014,414,3
Puffermaße
Pufferhöhe über SO:1 05012,111,5
Puffermittenabstand:1 75020,120,2
Pufferlänge6507,57,0
Radsatzmaße entsprechend NEM
Radsatzinnenmaß:- 14,3+0,114,3
Radbreite:-2,8min2,8
Spurkranzhöhe:-1,2max1,0
Spurkranzbreite:-0,7-0,90,9
alle Maße in mm

Messwerte 156 von Gützold

Gewicht Lok:673 g
Haftreifen:4
Messergebnisse Zugkraft
Ebene:267 g
3% Steigung:255 g
Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt)
Vmax: 173 km/h bei 12 V
VVorbild:125 km/h bei 9 V
Vmin:ca. 5 km/h bei 1,5 V
NEM zulässig:175 km/h bei 12 V
Auslauf
aus Vmax:396 mm
aus VVorbild:221 mm
Stromaufnahme
Lokleerfahrt:130 mA
bei max. Zugkraft:310 mA
Lichtaustritt:ab 15 km/h bei 2,5 V
Schwungscheibe
Anzahl:1
Durchmesser: 20,9 mm
Länge:12,7 mm
Ungefährer Preis:DM 350,-

 

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