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Akku-rater ETA

 
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Lange mußten die Freunde der Triebwagen warten, bis Kato im Auftrag von Lemke den ETA 150/515 fertigstellte. Jetzt endlich gelangte das formschöne Fahrzeug samt Steuerwagen zur Auslieferung. Martin Knaden und Bernd Zöllner (Maße und Meßwerte) haben die Modelle ausführlich begutachtet.

Schon 1985 brachte Kato Modelle des ETA/ESA 150 auf den Markt. Damals jedoch zunächst im Maßstab 1:160. Zur Messe 1996 erfreute man dann auch die Hanuller mit der Ankündigung eines maßstäblichen H0-Modells des ETA 150.5, in der Version ab Baujahr 1959 mit vierteiliger Gepäckraumtür. Jetzt wurden die Modelle ausgeliefert und wissen auf Anhieb zu überzeugen. Auffällig ist zunächst die langgestreckte Form; kein Wunder, denn dieser ETA ist absolut maßstäblich, während sich unsere Modellbahneraugen inzwischen zu sehr an die verkürzten Ausführungen bisheriger Modelle gewöhnt hatten.

Gefälliges Äußeres

Kato-like die Gravuren der Form: alle Details des scheinbar unscheinbaren Wagenkastens wie Klappen, Lüfterlamellen, Regenrinnen etc. wurden konturenscharf wiedergegeben. Selbstverständlich stammen Motor- und Steuerwagen aus unterschiedlichen Formen: während der Motorwagen am Führerstand über einen Gepäckraum mit vierflügeliger Lamellentür verfügt, ist der Steuerwagen praktisch symmetrisch aufgebaut.

Paßgenau liegen die Fenstereinsätze ohne erkennbaren Spalt in den Rahmen. Bei den Frontfenstern wurden sogar die Heizscheiben durch eine Gravur hervorgehoben. Recht plastisch erscheinen auch die Drehgestellblenden vom Typ München-Kassel.

Tadellos die Lackierung: saubere Übergänge von der Dachfarbe zur Wagenkastenfarbe ergeben sich sowohl auf der langen Geraden der Seitenwände wie in den Steilkurven der Stirnfronten. Im Tampondruckverfahren wurde das Schwarz des Rahmens aufgebracht. Auch hier sind praktisch keine Stufen an den Übergängen zu erkennen. Der Stand der Drucktechnik wird auch bei den farbrichtigen Anschriften nachhaltig dokumentiert. Selbst die winzigen Beschriftungen am Rahmen sind - wenn auch nur unter der Lupe - einwandfrei lesbar. Endlich erfährt man mal, wo beim ETA der Bremssand, der Werkzeugkasten, leichtes Heizöl oder die Batteriesicherung zu finden sind.

Einsatzzeitraum und Beheimatung ergeben sich ebenfalls aus diesen Anschriften: beim Epoche-III-Modell z.B. ist die nächste Untersuchung am 7.6.65; das im Bw Mönchengladbach beheimatete Fahrzeug ist laut Zuglaufschild nach Düsseldorf unterwegs, was angesichts des Standortes der Fa. Lemke - Auftraggeber für Kato und alleiniger Importeur - auch nicht anders zu erwarten war.

Während das Epoche-III-Modell laut gelbem Streifen über einem Fenster nur ein kurzes 1.-Klasse-Abteil besitzt, deutet der lange Streifen bei der rotlackierten Version mit Computernummer den großen 1.-Klasse-Raum an. In der ozeanblau-beigen Version (limitierte Sonderserie!) ist wieder nur ein kurzes 1.-Klasse-Abteil vorhanden. Die Unterteilung der Räume wird von der Inneneinrichtung allerdings nicht nachvollzogen.

Den Modellen liegen zahlreiche Zurüstteile bei. Neben den obligatorischen Bremsschläuchen enthalten die Spritzlinge auch Steuerkabel, Kupplungsattrappen, Scheibenwischer und Abortrohre. Besonders gefallen die Türgriffe - mit den typischen Unterschieden für drei- und vierflügelige Türen. Farblich passend - wenn auch nicht lackiert - sind die Dachdetails den unterschiedlichen Dachfarben der verschiedenen Epochen angepaßt: silbergrau für das weißaluminiumfarbene Dach des ETA 150, dunkelgrau für die Ausführungen als 515.

Besonders erfreulich: Sämtliche Zurüstteile lassen sich ohne Klebstoff in exakt passende Löcher stecken. Auch wenn eines der winzigen Teile verlorengeht, besteht kein Grund zur Trauer: Von jedem Stück sind einige Exemplare zusätzlich am Spritzast.

Aus formtechnischen Gründen müssen die Epoche-III-Freunde einiges aus der Moderne akzeptieren: Zugbahnfunkantenne, UIC-Steckdosen an der Stirnfront über dem glatten Puffer und Öffnungstaster neben den Türen sind eher Zutaten aus neuerer Zeit. Weggelassen wurden dafür die Schlußscheibenhalter und die Steckdosen für das Steuerkabel unter den glatten Puffern - beides durchaus Details, die für alle Epochen richtig gewesen wären.

Innere Werte

Der Antrieb des Modells erfolgt konventionell durch einen Motor mit zwei Schwungmassen. Eine Kardanwelle leitet die Kraft an eine Schnecke im Drehgestell unter dem Führerstand ¡ weiter. Hier werden beide Radsätze über geräuschlos arbeitende Zahnräder angetrieben.

Ein Radsatz verfügt beidseitig über Gummihaftreifen, die mit viel "Grip" eine für alle denkbaren Einsätze ausreichende Zugkraft garantieren. Das Laufgeräusch des Motors ist leicht surrend, was leider durch Resonanzen des Fahrzeuggehäuses verstärkt wird.

Die Stromabnahme erfolgt schleiferlos über die Lagerschalen aller Radsätze, die zu diesem Zweck mit Halbachsen versehen sind. Blechstreifen im Wagenboden verbinden die Lagerschalen ohne Lötstellen. Das ergibt eine lange und sichere Stromabnahmebasis beider Fahrzeugteile. Motor- wie Steuerwagen sind für den nachträglichen Einbau einer Innenbeleuchtung vorbereitet.

Die mit der Fahrtrichtung wechselnde Stirnbeleuchtung wird gespeist über je eine gelbe und eine rote Leuchtdiode in der Fahrzeugfront. Das dritte Spitzenlicht wird dabei über einen Lichtleitkörper versorgt, der von einer durchaus massiv zu nennenden Ummantelung mitten im Führerhaus abgeschirmt wird. Das führerstandslose Ende des Steuerwagens hat lediglich rot lackierte "Blindlampen". Hier wurden korrekterweise auch keine Heizscheiben in den Stirnfenstern nachgebildet.

Eine echte Innovation ist den Konstrukteuren beim Lichtwechsel des Steuerwagens gelungen. Ähnlich wie weiland beim Märklin-Silberling-Steuerwagen erfolgt die Stromversorgung der Dioden passend zur Fahrtrichtung über einen Rutschkupplungs-Schalter in einem der Drehgestelle. Zwar würden die Dioden bei Gleichstromversorgung die Umschaltung automatisch vornehmen, doch bietet diese Konstruktion auch eine Umschaltung, wenn der Steuerwagen auf einer Digital-Anlage mit Wechselstrom versorgt wird!

Unter der Innenraumabdeckung, die bei Motor- wie Steuerwagen bis etwa zur Unterkante der Fenster reicht, verbirgt sich eine Platine mit serienmäßiger Digital-Schnittstelle. Im Bereich dieser Schnittstelle ist eine Mulde von 43,5x14,2 mm bei einer Höhe von ca. 10 mm zur Aufnahme eines Decoders bereits vorgesehen. (Welche Decoder hier hineinpassen, finden Sie in einer Übersicht "Maße und Möglichkeiten" im soeben erschienenen Spezial 37 "Digital - planen, fahren, steuern".)

Wünschenswert wäre soviel konstruktiver Aufwand auch bei der Kupplung gewesen: Motor- und Steuerwagen sind mit relativ großen Bügelkupplungen versehen, deren Halterungen in einem einfachen Drehpunkt lagern. Dadurch ergibt sich ein Pufferteller-Abstand von 12,5 mm - zuviel für den heutigen Stand der Kurzkupplungstechnik!

Fazit

Die "akku-rate" H0-Nachbildung des ETA 150/515 schließt mit Bravour eine große Lücke im H0-Angebot maßstäblicher Triebwagen. Sein praktisch im ganzen Bundesgebiet verbreiteter Einsatz läßt das Kato-Modell glaubwürdig auf jeder Anlage zum Einsatz kommen. Kleinigkeiten wie eine Kurzkupplung oder die Steuerleitungssteckdose lassen sich leicht nachträglich anbringen.
MK

Maßtabelle ETA 150 in H0 von Kato

 Vorbild1:87/NEMModell
Länge über Puffer:23 400269,0269,0
Länge über Kasten:22 500258,6258,6
Höhe über Dachoberkante (OK Dachhauben):3 51340,440,1
Pufferhöhe über SO:1 05012,111,5
Puffermittenabstand:1 75020,120,1
Breite Wagenkasten:2 95434,034,0
Radstände
Gesamtachsstand:17 700203,4203,8
Drehgestell-Achsstand:2 50028,728,8
Drehzapfenabstand:15 200174,7175,0
Raddurchmesser:95010,910,8
Radsatzmaße entsprechend NEM
Radsatzinnenmaß:- 14,3+0,114,3
Spurkranzhöhe:-1,2max1,1
Spurkranzbreite:-0,7-0,90,7
Radbreite:-2,8min2,8
Alle Maße in mm

Meßwerte ETA 150

Gewicht Triebwagen:161 g
Haftreifen:2
Meßergebnisse Zugkraft
Ebene vorwärts:18 g
Ebene rückwärts:23 g
3% Steigung vorwärts:14 g
3% Steigung rückwärts:18 g
Geschwindigkeiten (Fahrt ohne Last)
Vmax:123 km/h bei 12 V
VVorbild:100 km/h bei 9,8 V
NEM-zulässig:140 km/h bei 12 V
Vmin:6,5 km/h bei 1,7 V
Auslauf
aus Vmax:255 mm
aus VVorbild:200 mm
Lichtaustritt
vorn: ab 54 km/h bei 6 V
hinten:ab 54 km/h bei 6 V
Schwungscheibe
Anzahl:2
Durchmesser: 12,9 mm
Länge:8,0 mm


 

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