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Eigentlich ist ja so eine V 36 mit ihrem schwarz-roten Anstrich eine eher unscheinbare Maschine. Eigentlich - denn das Lenz'sche Erstlingswerk auf dem Loksektor zeigt, dass ein Modell dieser Baureihe durchaus Begeisterungsstürme wecken kann.
Der scharfkantig gravierte Lokkasten ist übersät mit Details, die man zum Teil nicht einmal an vergleichbaren Kleinserienmodellen findet: Angefangen vorn bei den Handgriffen der Jalousie-Verstellung nebst den Steckdosen an der Kühlerfront bis hin zu den Fensterrahmen an der Führerhausrückwand, welche sogar die Lager und Knebel des Dreh- und Verschlussmechanismus zeigen - hier wurde die Quellenlage sehr sorgfältig ausgewertet.
Auch zwischen diesen Punkten kann man Modellbau vom Feinsten genießen: Sämtliche Griffstangen sind frei stehend ausgeführt, wo es möglich war aus stabilem 0,4-mm-Draht, ansonsten aus hoch elastischem Kunststoff, der praktisch nicht abbrechen kann. Die Vorbauleiter ist gleich zweimal vorhanden: Einmal mit Verschlussklappe (einschließlich Scharnieren und Knebel) für den Einsatz auf Strecken mit Fahrleitung und als beigelegtes Alternativteil ohne Klappe.
Die seitlichen Öffnungen am Vorbau sind mit separat aufgesetzten Klappen verschlossen. Hier lassen sich bei weiteren Versionen dieses Modells die jeweils vorbildgerechten Kombinationen aus geschlossenen Türen und Lamellenblechen einsetzen.
Die Lampen strahlen mit ihren direkt dahinter angeordneten weißen Leuchtdioden sehr intensiv. Zur Kompensierung des Blaustiches sind die Glaseinsätze leicht gelblich eingefärbt. Angesichts dieser Anordnung konnten die vorderen Lampen nicht frei stehend ausgeführt werden - das wirklich einzige Manko an dieser Lok.
Der Umlauf zeigt - erstmals bei einem Modell dieser Baureihe - ein Noppenmuster, das beim Vorbild die Rutschgefahr beim Begehen vermindern sollte. Selbst die seitliche winzige Kante mit ihren drei Wasserauslassöffnungen wurde nicht vergessen. Auf dem Umlauf ist links eine Schmierpumpe aufgesetzt, die nicht nur filigrane Leitungen, sondern auch einen beweglichen Gestängeantrieb aufweist - hier wollte der Hersteller wohl nicht hinter einer gewissen Westbahnlok zurückbleiben ...
Auch unterhalb der Umlauflinie findet man eine Fülle von Details wie den kleinen Koksofen zum Vorheizen der Maschinenanlage (einschließlich lesbar eingraviertem DOFA-Schriftzug), einen Luftbehälter mit winzigen, aber lupenrein lesbaren Anschriften und Bremsklötze, hinter denen noch die Sandfallrohre hervorspitzen. Am Rahmenende wurde sogar an die Andeutung einer Bremswelle gedacht.
An den Pufferträgern sind sämtliche Details bereits werkseitig angesetzt: Die typischen Blechtritte der V 36.4, sämtliche Bremsschläuche (alle Hähne zur gleichen Seite ist durchaus vorbildgerecht) und sogar die Rangierertritte unter den - selbstverständlich federnden - Puffern. Kupplungshaken gibt es an jedem Ende sogar zwei: Zum einen die Imitation des Originalhakens und zum anderen die Modellkupplung, die es - im wahrsten Sinne des Wortes - in sich hat.
Coole Kupplung
Die Modellkupplung mit ihrem absenkbaren Zughaken ist der eigentliche Clou an diesem Modell. Hier wurde maximale Funktionalität mit bestmöglicher Zierlichkeit kombiniert. Die Bauteile stehen praktisch nicht über die Pufferebene hinaus, sodass keinerlei Klobigkeit die Illusion stört.
Der Kupplungsvorgang spielt sich so ab: Man fährt mit der Lok bis dicht an den Wagen heran. Dieser sollte mit einer normalen Bügelkupplung nach NEM ausgestattet sein. Nach dem Betätigen der Taste F2 auf dem Digitalsteuergerät senkt sich der in Fahrtrichtung vordere Kupplungshaken ab, die Lok fährt unter Beibehaltung der bisherigen Fahrtrichtung etwa 2 bis 3 mm vor und innerhalb des Kupplungsbügels wird der Haken wieder angehoben. Damit ist äußerst sanftes Ankuppeln möglich, ohne dass leicht rollende Wagen mit der Kupplung immer wieder weggestupst werden.
Der gesamte Ablauf wird vom serienmäßig eingebauten Decoder automatisch gesteuert. Zum Abkuppeln wird die Taste F1 betätigt. Analog zum Ankuppeln senkt sich nun der in Fahrtrichtung hintere Haken ab, die Lok rollt ein Stück vom Wagen weg und der Haken geht wieder hoch. Zur Schonung der winzigen Magnetspulen lässt der Decoder den nächsten Kupplungsvorgang erst wieder nach einigen Sekunden zu.
Wagen immer wieder an den Haken zu nehmen und anderswo abzustellen macht dermaßen Spaß, dass man der Sache durchaus ein hohes Suchtpotenzial bescheinigen kann! „Gefährdet" sind zudem nicht nur Besitzer einer Digitalsteuerung, sondern auch Analogfahrer: Neben den Grundfunktionen der Lok wie Vorwärts- und Rückwärtsfahrt sowie mit der Fahrtrichtung wechselndes Konstantlicht ist automatisches Abkuppeln auch im konventionellen Betrieb möglich. Dazu wird über einen beiliegenden Schalter der Wechselstrom des Trafos in das Gleis eingespeist. Der Decoder interpretiert diesen Impuls wie den Befehl F1 einer Digitalzentrale.
Damit die An- und Abkuppelei einwandfrei funktioniert, müssen möglicherweise die Wagenkupplungen in der Höhe justiert werden. Die Kupplung am Lokmodell richtet sich nach der in den NEM definierten Maßen, was man leider nicht von jedem Wagen sagen kann. Zur Justage der Wagenkupplungen liegt der Lok aber eine Kupplungslehre bei, die die Sache sehr erleichtert.
Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass über F3 die Rangierbeleuchtung eingeschaltet werden kann, d.h., die vorderen und hinteren Lampen leuchten gleichzeitig, sofern über F0 die Beleuchtung eingeschaltet wurde.
In den Rahmen lassen sich zudem Adapterstücke einsetzen, die die Verwendung von Roco- oder Fleischmann-Kurzkupplungsköpfen gestatten. Automatisches Abkuppeln ist mit diesen Kupplungen allerdings nicht mehr möglich. Vielleicht lässt sich aber einer unserer Autoren hierzu noch etwas einfallen ...
Die Technik der V 36.4
Unter der Haube verbirgt sich ein großer Motor mit Schwungmasse, der seine Kraft über ein kombiniertes Schnecken-Stirnradgetriebe auf die zweite und dritte Kuppelachse abgibt. Die erste Kuppelachse liegt gefedert im Rahmen und wird über die Kuppelstangen mitgenommen. Diese bewegen auch die Ausgleichsgewichte der Blindwelle, welche sich in zwei, rechts und links des Getriebes angeordnete Halbwellen unterteilt.
Die Laufruhe des Modells ist bestechend. Der schalldämpfend in weichem Kunststoff gelagerte Motor und das dauergeschmierte Getriebe lassen auch in höheren Geschwindigkeitsbereichen keinerlei Geräusch entstehen. Lediglich das Rollgeräusch der Räder auf der Schiene ist zu vernehmen.
Die Stromabnahme erfolgt von allen sechs Rädern, wobei die isolierten Räder den Strom über Bleche abnehmen und die anderen über solide Messingbuchsen mit dem Masse führenden Rahmen verbunden sind. Die gefederte Achse trägt viel zur Sicherung der Stromversorgung bei. Auf Haftreifen musste verzichtet werden. Die ausgereifte Motorregelung sorgt durch den Decoder aber dafür, dass das Reibungsgewicht optimal in Zugkraft umgesetzt wird. Das Lastenheft des Vorbilds (88 Tonnen mussten z.B. auf 3 % Steigung noch mit 10 km/h bewältigt werden) wird aber locker erfüllt.
Der Decoder ist über Kabel mit den Stromabnehmern und allen Stromverbrauchern verbunden. Auf zwei weiteren Platinen sind die Leuchtdioden aufgelötet. Auf eine zusätzliche, klassische Stromverteilerplatine konnte verzichtet werden.
Das Führerhaus ist vorbildgemäß freigehalten von Antriebstechnik. Hier konnte auf der rechten Seite ein Lokführer seinen Platz finden.
Die Verpackung besteht aus einer Pappschachtel, in der ein moosgummiähnlicher Einsatz das Modell ausreichend schützt. Die Betriebsanleitung besteht aus einem Faltblatt, das die Anwendung des Modells insbesondere hinsichtlich der Kupplung im Analog- und Digitalbetrieb umfassend erläutert. Hier finden sich auch alle relevanten CVs, die zur Einstellung der Decoder-Parameter nötig sind. Ein Ersatzteilblatt ist nicht vorhanden.
Fazit
Selten ist ein Modellbahn-Hersteller als Newcomer auf dem Lokomotivsektor mit einem solchen Paukenschlag in den Markt eingestiegen: Zusätzlich zu ausgezeichneten Fahreigenschaften und einer bestmöglichen Detaillierung bietet diese Lok mit ihrer filigranen, fernsteuerbaren Kupplung viel Spaß am aktiven Spielen. Und das alles zu einem Preis-Leistungs-Verhältnis, das angesichts des serienmäßig eingebauten Decoders als sensationell bezeichnet werden muss! Wir sind also gespannt, über welche zusätzlichen Features die zweite Modell-Plus-Entwicklung aus dem Hause Lenz, die BR 66, verfügen wird. MK
Maßtabelle V 36.4 in H0 von Lenz
| | Vorbild | 1:87 | Modell |
| Längenmaße |
| Länge über Puffer: | 9 240 | 106,21 | 106,2 |
| Länge über Pufferträger: | 7 940 | 91,26 | 91,4 |
| Höhenmaße über SO |
| Dachoberkante: | 3 757 | 43,18 | 43,5 |
| Breitenmaße |
| Breite über Führerhaus: | 2 960 | 34,02 | 34,0 |
| Radstände |
| Gesamtachsstand: | 4 400 | 50,57 | 50,4 |
| Abstand Pufferträger vorn-Achse A: | 1 920 | 22,07 | 22,0 |
| Abstand Achse A zu Achse B | 1 350 | 15,52 | 15,5 |
| Abstand Achse B zu Achse C | 3 050 | 35,06 | 34,9 |
| Abstand Achse C-Pufferträger hinten: | 1 620 | 18,62 | 19,0 |
| Raddurchmesser: | 1 100 | 12,64 | 11,9 |
| Puffermaße |
| Pufferhöhe über SO: | 1 050 | 12,1 | 12,1 |
| Puffermittenabstand: | 1 750 | 20,1 | 20,0 |
| Pufferlänge: | 650 | 7,47 | 7,4 |
| Radsatzmaße entsprechend NMRA RP25/NEM |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,38/14,3 | 14,3 |
| Radbreite: | - | 2,79/2,8min | 2,9 |
| Spurkranzhöhe: | - | 0,64/1,2max | 0,7 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,76/0,7-0,9 | 0,85 |
Messwerte V 36.4 von Lenz
Gewicht Lok:| 213 g |
| Haftreifen: | keine |
| Messergebnisse Zugkraft |
| Ebene: | 33 g |
| 3% Steigung: | 26 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 54,4 km/h bei 12 V |
| Vmax: | 68,7 km/h bei Fahrstufe 28 |
| VVorbild: | 60 km/h bei - V |
| VVorbild: | 60 km/h bei Fahrstufe 24 |
| Vmin: | ca. 2 km/h bei 5 V |
| Vmin: | ca. 0,9 km/h bei Fahrstufe 1 |
| NEM zulässig: | 84,0 km/h bei 12 V |
| NEM zulässig: | 84,0 km/h bei Fahrstufe 28 |
| Auslauf |
| aus Vmax: | 72 mm |
| aus VVorbild: | 59 mm |
| Lichtaustritt: | ab 0 km/h bei 3 V |
| Schwungscheibe |
| Anzahl: | 1 |
| Durchmesser: | 17,0 mm |
| Länge: | 5,5 mm |
| Ungefährer Preis: | EUR 140,- |
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