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Liliput (Wien) hatte kein glückliches Händchen bei der Vorbildauswahl: Die im Prinzip nicht schlechte 45 trug damals den Kessel der Vorserienloks - Pech, dass keine der beiden Maschinen bei der DB in Betrieb ging. Die trotzdem gefertigte Epoche-III-Ausführung dieses Modells mit kleinen Windleitblechen konnte daher nie so ganz überzeugen ...
Richtigerweise entschied man sich bei Liliput/Bachmann anlässlich der aktuellen 45 für eine neue Kesselform. Das Modell zeigt jetzt die Bauart des Serienkessels ab der Betriebsnummer 45 003. Damit lassen sich sowohl Epoche-II- wie auch Epoche-III-Ausführungen korrekt darstellen.
Ausgeliefert werden zunächst zwei Versionen: 45 026 als Maschine der Epoche II präsentiert sich im Ablieferungszustand mit „Pleitegeier“. Die Betriebsnummer hat spitze Ziffern und das Untersuchungsdatum nennt den 17.6.1941. Auch für den Kohlenkastenaufsatz wurde eine neue Form erstellt. Sie zeigt weiterhin die Ausführung mit blechverkleideten Spanten, wie sie typisch für die DRG-45er war.
In der Form identisch ist die zweite Variante des Modells, die 45 011. Sie stellt die erste 45 des Lokversuchsamtes Göttingen dar und ist unseres Wissens die einzige Maschine, die noch zu DB-Zeiten die Spantenverkleidung besaß. Das Untersuchungsdatum nennt den 5.3.1949, ab dem nächsten Tag war die Lok beim LVA eingesetzt. Die Verkleidungsbleche verlor sie mit der nächsten HU im Winter 1950/51, sodass der mit dieser Modellausführung dargestellte Einsatzzeitraum etwa 20 Monate umfasst.
Interessierte Blicke zieht selbstverständlich der neue Kessel auf sich. Charakteristisch sind die vier Dome: Speisedom, zwei Sanddome, Dampfdom. Seitlich ziehen sich viele Leitungen und Griffstangen entlang, die teils aus Kunststoff, teils aus Draht gefertigt sind. Bei näherem Hinsehen fällt jedoch auf, dass die Sanddome an den Seiten durchaus etwas flacher und schmaler hätten sein können. Falsch sind drei der vier Ventile an Speise- bzw. Dampfdom: Während vorne rechts die korrekte, eng am Kesselblech anliegende Ventilbauart realisiert wurde, stehen die drei anderen Ventile großvolumig waagerecht ab, sodass sie ins Lichtraumprofil ragen.
Des Guten zuviel wurde bei den Griffstangen getan: Auf der Heizerseite sind korrekt die vier senkrechten Griffstangen nachgebildet, mit deren Hilfe der Heizer zum Abölen des Innentriebwerks durch Klappen im Umlaufblech unter den Kesselbauch gelangen konnte. Diese Griffstangen sind jedoch auch auf der Lokführerseite dargestellt, obwohl sie hier beim Vorbild nicht zu finden waren.
Richtig wiedergegeben ist die Form der Windleitbleche, die mit besonders großem Radius an der vorderen oberen Ecke abschließen. Sie bestehen auch im Modell aus dünnem Blech, welches zur Andeutung der Nieten und Bänder geprägt ist. Zwischen Frontschürze und Rauchkammersattel ist der Deckel des mittleren Zylinders nebst Schieber nachgebildet. Die Eckventile auf den Zylindern sind etwas zu groß.
In gleichmäßigem Seidenmatt überzeugt die Lackierung, das Tiefschwarz von Kessel, Führerhaus und Tender ist bestens getroffen; hier hatten die Wiener 45er immer einen leichten Blaustich. Im Fahrwerksbereich umfasst die Lackierung Kunststoff- wie Metallteile. Besonders die bis zur Lauffläche lackierten Räder, welche jetzt ebenso wie die Steuerung schwarzvernickelt sind, stellen mit ihren deutlich feineren Speichen einen echten Gewinn gegenüber der alten 45 dar. Die Steuerung besteht aus einer Kombination von gestanzten und gegossenen Teilen. In der Schwinge lässt sich sogar die Schieberschubstange auf- und abbewegen.
Die Bedruckung fällt lupenrein lesbar aus. Alle Anschriften sind weiß, lediglich das Hoheitszeichen der DRB-Ausführung und die Fabrikschilder sind silbern und die Stahlfeuerbüchsen-Punkte rot gedruckt. Richtigerweise sind mit Ausnahme der Rauchkammer keine Schilder in der Form angedeutet.
Die Technik der 45
Auch in technischer Hinsicht ist nichts vom alten Liliput-Modell übrig geblieben. Wichtigste Änderung neben dem neuen Antrieb ist die Deichsel zwischen Lok und Tender. Sie ist beidseitig in Kurzkupplungskulissen geführt. In ihrem Inneren verbergen sich fünf elektrische Kontakte zur separaten Verbindung von Stromabnahme, Licht und F1 (optionaler Rauchgenerator) mit der Decoderschnittstelle.
Die Lok-Tender-Kurzkupplung sorgt für einen sehr engen Abstand, ermöglicht aber dennoch zusammen mit der großen Seitenverschiebbarkeit der Treibachsen das Durchfahren eines 360-mm-Radius. Freilich können bei solchen Radien die Kolbenstangenschutzrohre nicht montiert werden. Aus Gründen der Kurvenbeweglichkeit musste auch auf die Darstellung von Rohrleitungen im Bereich der Schleppachse verzichtet werden.
Die Stromabnahme erfolgt beidseitig von den Treibrädern der Lok und den vorderen beiden Tenderachsen. Damit ist eine sehr sichere Stromabnahmebasis gegeben. Der fünfpolige Motor treibt über ein Schnecken-Stirnrad-Getriebe die dritte bis fünfte Tenderachse an. Vier Räder dieser Achsen sind mit Haftreifen belegt, zur Erhaltung der Zugkraft ist jedoch die regelmäßige Reinigung der Haftreifen ratsam. Das Laufgeräusch ist im gesamten Regelbereich sehr niedrig.
Oberhalb des Motors befindet sich im abklippsbaren Kohlenkastenaufsatz die Schnittstelle nach NEM 652. Hier ist genügend Raum für einen H0-Decoder üblicher Größe. Seine isolierte Befestigung kann im Deckel mit Klebepad erfolgen. Beim Umrüsten auf Digitalbetrieb muss noch zusätzlich der kleine Schalter von A auf D umgestellt werden, wodurch der Ausgang F1, der in der Schnittstelle auf Pin 3 liegt, an die Leitung zum optionalen Rauchgenerator geschaltet wird.
Ein wahrnehmbarer Lichtaustritt erfolgt vorn erst bei voll aufgedrehtem Trafo, hinten sind die Querschnitte der Lichtleiter deutlich größer - hier leuchtets sichtbar bereits bei halber Nennspannung.
Fazit
Nach langer Pause ist endlich wieder eine 45 in Gleichstrom-Ausführung zu haben. Der jetzt auch für die Epoche III verwendbare Kessel und die Verbesserungen am Fahrwerk machen die Lok selbst für Modellbahner interessant, die schon die alte Ausführung aus Wiener Produktion besitzen. Als weitere Variante wünscht man sich nun noch die Ausführung mit freigelegten Spanten am Kohlenkastenaufsatz. Bei dieser Gelegenheit lassen sich sicher auch korrekte Ventile an Speise- und Dampfdom realisieren. MK
Maßtabelle Baureihe 45 in H0 von Liliput
| | Vorbild | 1:87 | Modell |
| Längenmaße |
| Länge über Puffer: | 25 645 | 294,77 | 295,00 |
| Lok-Tender-Abstand: | 175 | 2,0 | 2,33 |
| Höhenmaße über SO |
| Schlotoberkante: | 4 550 | 52,30 | 51,16 |
| Kesselmitte: | 3 060 | 35,17 | 34,75 |
| Puffermaße |
| Pufferhöhe über SO: | 1 025 | 11,78 | 11,55 |
| Puffermittenabstand: | 1 750 | 20,15 | 20,10 |
| Breitenmaße |
| Breite Führerhaus: | 3 050 | 35,06 | 34,93 |
| Zylindermittenabstand: | 2 240 | 25,75 | 27,57 |
| Achsstände Lok |
| Gesamtachsstand Lok: | 13 600 | 156,32 | 156,06 |
| Vorlaufachse zu Kuppelachse 1: | 3 000 | 34,48 | 34,82 |
| Kuppelachse 1 zu Kuppelachse 2: | 1 850 | 21,26 | 21,12 |
| Kuppelachse 2 zu Kuppelachse 3: | 1 850 | 21,26 | 21,12 |
| Kuppelachse 3 zu Kuppelachse 4: | 1 850 | 21,26 | 21,12 |
| Kuppelachse 4 zu Kuppelachse 5: | 1 850 | 21,26 | 21,12 |
| Kuppelachse 5 zu Nachlaufachse: | 3 200 | 36,78 | 36,76 |
| Achsstände Tender |
| Gesamtachsstand Tender: | 6 000 | 68,96 | 69,35 |
| Achse 1 zu Achse 2: | 1 750 | 20,11 | 19,75 |
| Achse 2 zu Achse 3: | 1 500 | 17,24 | 17,60 |
| Achse 3 zu Achse 4: | 1 375 | 15,80 | 16,00 |
| Achse 4 zu Achse 5: | 1 375 | 15,80 | 16,00 |
| Gesamtachsstand: | 21 775 | 250,29 | 250,30 |
| Raddurchmesser |
| Vorlaufräder: | 1 000 | 11,49 | 10,54 |
| Treib- und Kuppelräder: | 1 600 | 18,39 | 18,31 |
| Nachlaufräder: | 1 250 | 14,36 | 14,30 |
| Tenderräder: | 1 000 | 11,49 | 11,50 |
| Speichenzahl |
| Vorlaufräder: | 9 | - | 9 |
| Treib- und Kuppelräder: | 17 | - | 17 |
| Nachlaufräder: | 11 | - | 11 |
| Tenderräder: | 12 | - | 12 |
| Radsatzmaße entsprechend NEM | | NEM,RP25 |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,3+0,1 | 14,31 |
| Spurkranzhöhe: | - | 1,2max | 0,72 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,7-0,9 | 0,90 |
| Radbreite: | - | 2,8min | 2,81 |
Messwerte BR 45 von Liliput
| Gewicht Lok: | 481 g |
| Haftreifen: | 4 |
| Messergebnisse Zugkraft |
| Ebene: | 172 g |
| 3% Steigung: | 157 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 156 km/h bei 12 V |
| VVorbild: | 90 km/h bei 8,2 V |
| Vmin: | ca. 8,6 km/h bei 3,7 V |
| NEM zulässig: | 126 km/h bei 9,6 V |
| Auslauf |
| aus Vmax: | 165 mm |
| aus VVorbild | 75 mm |
| Stromaufnahme |
| Lokleerfahrt: | 180 mA |
| Maximale Belastung: | 450 mA |
| Lichtaustritt vorn: | ab 120 km/h bei 9,2 V |
| Lichtaustritt hinten: | ab 90 km/h bei 8,2 V |
| Schwungscheibe |
| Anzahl: | 1 |
| Durchmesser: | 16,0 mm |
| Länge: | 6 mm |
| unverbindliche Preisempfehlung: | EUR 235,- |
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