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Die BR 152 als H0-Modell von Lima

 
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Seit wenigen Wochen sind die ersten Maschinen der BR 152 im Einsatz, und schon bringt Lima das Modell der schweren, vor allem für den Einsatz vor Güterzügen gedachten Ellok. Bernd Zöllner berichtet über das Vorbild und hatte die Gelegenheit, das Modell ausführlich zu testen.

Am 10.12.1996 wurde bei Krauss-Maffei in München mit der BR 152 die zweite Baureihe einer neuen Ellok-Generation der DB AG vorgestellt. Von dieser Güterzuglok wurden insgesamt 195 fest bestellt, mit einer Option auf weitere 100 Stück. Nach dem Beginn der Erprobung im Februar 1997 fanden die ersten Versuchseinsätze im Betrieb ab August 1997 statt. 152 001 und 002 befinden sich seit dem Fahrplanwechsel Ende September von Nürnberg aus im planmäßigen Einsatz. Die für den schweren Güterzugdienst konzipierte Lok hat ein Dienstgewicht von 88 t. Die installierte Dauerleistung beträgt 6,4 MW, die Höchstgeschwindigkeit 140 km/h.

Mechanik ...

Brückenrahmen und Drehgestelle sind in einer statisch optimierten Stahlbauweise ausgeführt. Das komplette Dach zwischen Führerständen ist abnehmbar, so daß die elektrische Ausrüstung einfach zu installieren und später problemlos zugänglich ist. Der Brückenrahmen stützt sich über Flexicoilfedern auf den Drehgestellen ab; die Zugkraft wird über Drehzapfen mit quadratischem Querschnitt und gummigefederten Hartmanganplatten auf den Brückenrahmen übertragen.

Die Radsätze werden in Längsrichtung in einfachster Weise von einem Lenker geführt, die Radsatzlager stützen sich durch Schraubenfedern gegen den Drehgestellrahmen ab. Da die Höchstgeschwindigkeit auf 140 km/h begrenzt ist, kam bei der 152 wieder der bewährte, jedoch völlig neu konstruierte Tatzlagerantrieb zum Einsatz. Das Ritzel der Motorwelle überträgt dabei das Drehmoment des Drehstrommotors einseitig auf das auf die Radsatzwelle aufgeschrumpfte Großrad. Die mechanische Abbremsung erfolgt durch Bremszangeneinheiten. Sogenannte Konditioniereinheiten sollen wegen der fehlenden Bremsklötze für eine saubere Lauffläche der Radsätze sorgen.

... und Elektrik

Auf dem Dach befinden sich zwei Stromabnehmer der Bauart SSS 87 von Siemens, die bereits beim Eurosprinter zum Einsatz kamen. Auch bei diesem Stromabnehmer wird der Anpreßdruck ausschließlich durch Druckluft erzeugt. Druckluftüberwachte Hohlräume im Schleifstück bewirken, daß der Bruch einer Schleifleiste automatisch zum Absenken des Stromabnehmers führt.Vom Stromabnehmer geht eine kurze Dachleitung zum Durchführungsisolator, ein Hochspannungskabel führt von dort zum innen liegenden Vakuumhauptschalter. Der Transformator ist mittig unterhalb des Brückenrahmens angeordnet. Jeder Antrieb wird über einen eigenen GTO-Stromrichter angesteuert, die paarweise in einem Stromrichterblock zusammengefaßt sind. Die Kühlung erfolgt über je einen Kühlturm; die hierzu notwendige Kühlluft wird über große, rechteckige Öffnungen im Dach angesaugt und im Bereich des Brückenrahmens nach unten ausgeblasen. Die Fahrmotoren werden von eigenen Motorlüftern gekühlt, die ihre Kühlluft aus Öffnungen in der seitlichen Dachschräge ansaugen.

Die BR 152 im Modell

Nackt sind die modernen Elloks auf dem Dach geworden: Auf dem Lima-Modell gibt es überhaupt keine Dachleitungen mehr. Ein letzter beim Vorbild verbliebener Rest hätte allerdings nachgebildet werden können: Die Verbindung des Stromabnehmers zum in Form und Farbe korrekt nachgebildeten Durchführungsisolator hätte eigentlich gleich mit angespritzt werden können. Da aber wie beim Vorbild die Stützisolatoren des Stromabnehmers mit dem Durchführungsisolator in der Bauform völlig identisch sind, griff Lima hier auf die gleichen Spritzlinge zurück. Da alle Isolatoren nur in das Gehäuse gesteckt sind und relativ lose sitzen, sollte zumindest der Durchführungsisolator mit etwas Klebstoff gesichert werden. Bei der Nachbildung des Stromabnehmers konnte Lima das bereits vorhandene Modell des SSS 87 vom Eurosprinter verwenden.

Das abnehmbare Dach hat Lima nachempfunden, indem die beiden Dachteile des Vorbildes zu einem Steckteil zusammengefaßt wurden. Nach dem Abnehmen wird der Umschalter für den Oberleitungsbetrieb zugänglich. Diese zur Vermeidung eines sichtbaren Angusses sicher geschickte Konstruktion hat jedoch einen Schönheitsfehler: Gehalten wird das Dachteil durch zwei diagonal angeordnete Steckzapfen, an den Ecken ohne Steckzapfen liegt es nicht ganz sauber an. Abhilfe schafft nur das Verkleben des Daches; der Umschalter bleibt dabei aber durch Abnehmen des Gehäuses weiterhin zugänglich.

Keine leichte Aufgabe war sicher die Nachbildung der Lüftungsgitter der beiden Ansaugöffnungen für die Öl- und Wasserkühler. Das aus dünnem Blech geätzte Teil ist silbern lackiert und separat eingesetzt.

An der Stirnfront überzeugen die sauber eingesetzten Stirnfenster mit den angravierten Nachbildungen der Scheibenwischer, deren Arme nach unten über das Gehäuse ragen. Korrekt nachgebildet wurden auch die Frontscheinwerfer mit ihren Abdeckscheiben, allerdings wirken die deutlich sichtbaren Angüsse störend. Die angesetzten Griffstangen an den Führerstandstüren wurden in der Ätztechnik hergestellt und wirken sehr zierlich; sie sind in der Formgebung exakt und vor allen Dingen gerade ausgefallen.

Korrekt dargestellt sind auch die Ansaugöffnungen in der Dachschräge. Die über den Führerstandstüren und dem seitlichen Fenster angebrachte Regenrinne aus einem Gummiprofil fehlt, da sie beim Vorbild offensichtlich erst später angebracht wurde. Auch die Sandeinfüllöffnungen und die Trittstufen unter der Führerstandstür sind richtig dargestellt.

Die Drehgestellblenden wurden weitestgehend korrekt und plastisch mit allen wesentlichen Bauteilen nachgebildet. Dazu gehören auch die Zangen der Scheibenbremsen, deren Bremsscheiben auf der Radfläche durch eine entsprechende Bedruckung angedeutet werden. Die Schlingerdämpfer sind separat angesetzt. Nicht ganz richtig ist dagegen die Nachbildung der Sandkästen am Drehgestell: Wenn auch von außen sichtbar, sind sie eigentlich im Rahmen der Lok integriert. Auf die Nachbildung der verschiedenen Geberleitungen von den Radlagern wurde verzichtet - als Kunststoff-Spritzteil wären sie wahrscheinlich auch zu grob ausgefallen. Dem Modell liegen zwei verschiedene Ausführungen der Frontschürze bei: Eine vorbildgerechte für die Ausrüstung mit Bremsschläuchen und Kupplungsnachbildungen sowie eine geschlitzte für den Einsatz mit einer Modellbahnkupplung.

Technik

Das vollständig aus Kunststoff gefertigte Modell läßt sich nach Spreizen des Gehäuses mehr oder weniger elegant vom Fahrwerk heben. An der Öffnung für den Oberleitungsumschalter läßt sich beim Wiederaufsetzen die richtige Lage erkennen. Das Fahrwerk besteht im wesentlichen aus einem massiven Zinkdruckgußrahmen, in dem mittig ein längs angeordneter, gekapselter fünfpoliger Motor untergebracht ist. An den beiden Wellenenden befinden sich im Umfang relativ große Schwungscheiben, in die die Aufnahmen für die Kardangelenke integriert sind. Diese übertragen das Drehmoment auf die Schneckenwelle im Drehgestell, über ein Stirnradgetriebe werden schließlich alle Achsen angetrieben. Jeweils ein Rad der äußeren Achse ist mit einem Haftreifen belegt.

Die Drehgestellkörper bestehen aus Kunststoff; Steckzapfen, die im Drehgestell und im Rahmen einrasten, übernehmen die Funktion des Drehzapfens. Die Radsätze werden im Drehgestell durch eine Getriebeabdeckplatte gehalten, die mit zwei Selbstschneideschrauben fixiert ist. Die Stromabnahme von allen Rädern erfolgt wie bei Lima üblich über Drahtschleifer, die in einer Rille auf der Rückseite des jeweiligen Rades laufen.

Eine genormte Schnittstelle für einen Digitaldekoder gibt es leider nicht. Die mit der Fahrtrichtung wechselnde Stirnbeleuchtung erfolgt über eingelötete Miniaturbirnchen - eine nicht sehr servicefreundliche Lösung, denn Glühbirnchen haben nun einmal eine begrenzte Lebensdauer.

Nicht korrekt ist die Ausführung der Stirn- und Schlußbeleuchtung. Beim Vorbild enthalten die unteren außen angeordneten Lampen sowohl die Stirnbeleuchtung als auch die rote Schlußbeleuchtung. Die inneren Lampen sind dagegen die (beim Vorbild lange ersehnten) Fernscheinwerfer. Beim Lima-Modell dagegen leuchten bei Vorwärtsfahrt die inneren Lampen weiß, bei Rückwärtsfahrt die äußeren Lampen rot.

Die Laufeigenschaften des Modells sind ohne Tadel. Leise und ohne zu taumeln setzt sich das Modell in Bewegung. Die Höchstgeschwindigkeit ist für eine Güterzuglok leicht überhöht, die nach NEM zulässige Überhöhung wird leicht überschritten. Entsprechende Auswirkungen haben die leicht überdimensionierten Schwungscheiben. Der Auslauf hält sich nur in praktikablen Grenzen, wenn mit der bei Güterzügen üblichen Geschwindigkeit gefahren wird.

Bei den Zugkraftwerten befindet sich dieses Modell in guter Gesellschaft mit vergleichbaren Drehgestell-Loks anderer Hersteller. Die normalen Anforderungen an eine Güterzuglok dürfte dieses Modell auf jeder Anlage erfüllen. An beiden Fahrzeugenden befindet sich schwenkbar am Drehgestell aufgehängt ein Normschacht. Da dessen Vorderkante mit der des Pufferträgers bündig ist, ist er für die Verwendung eines Kurzkupplungskopfs nicht geeignet - auch dann nicht, wenn der erste Wagen eine Kinematik hat. Allenfalls bei Verwendung einer herkömmlichen Bügelkupplung kann damit der sonst recht weite Pufferabstand geringer gehalten werden.

Die Farbgebung entspricht in allen Bereichen dem Vorbild. Die Oberfläche ist seidenmatt, und die Trennkanten sind sauber. Die Beschriftung ist im wesentlichen vorbildgerecht, alle wichtigen Anschriften sind korrekt und sehr fein wiedergegeben. Ein ausgesprochenes Manko ist allerdings die Loknummer. Hier wurden völlig falsche Schrifttypen verwendet, an der Seite ist die Schrift zudem viel zu groß ausgeführt.

Fazit

Ein solide gemachtes Modell in gewohnter Lima-Fertigungsqualität, die mittlerweile ein beachtliches Niveau erreicht hat. Die wenigen verbleibenden Schönheitsfehler hätten sich bei einigem guten Willen und mit Unterstützung der beiden Herstellerfirmen des Vorbildes sicher vermeiden lassen.
Bernd Zöllner

Maßtabelle der BR 152 von Lima in H0

 Vorbild1:87/NEMModell
Längenmaße
Länge über Puffer:19 580225,1225,3
Länge über Kasten:18 280210,1210,1
Höhenmaße über SO
Dachoberkante (OK Dachhauben):3 86144,444,4
Gesamthöhe (OK Stromabnehmer gesenkt):4 42150,853,0
Puffermaße
Pufferhöhe über SO:1 05012,111,9
Puffermittenabstand:1 75020,120,1
Breitenmaße
Breite Lokkasten:3 00034,534,7
Breite über Griffstangen:3 11235,836,3
Radstände
Gesamtachsstand:12 900148,3147,9
Drehgestell-Achsstand:3 00034,534,4
Drehzapfenabstand:9 900113,8113,5
Raddurchmesser:1 25014,414,4
Radsatzmaße entsprechend NEM
Radsatzinnenmaß:- 14,3+0,114,6
Spurkranzhöhe:-1,2+0,12,85
Spurkranzbreite:-0,7-0,90,8
Radbreite:-2,8min2,85

Meßwerte BR 152 von Lima

Gewicht Lok:536 g
Haftreifen:2
Meßergebnisse Zugkraft
Ebene:123 g
3% Steigung:99 g
Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt)
Vmax:212 km/h bei 12 V
VVorbild:140 km/h bei 8,5 V
Vmin:11 km/h bei 1,9 V
Auslauf
aus Vmax:545 mm
aus VVorbild:300 mm
Lichtaustritt
vorn/hinten:ab 110 km/h bei 7 V
Schwungscheibe
Anzahl:2
Durchmesser:34,0 mm
Länge:3,3 mm

 

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