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Mit über 5000 gebauten Maschinen ist die preußische G 8.1 eine der meistgebauten und erfolgreichsten Lokgattungen überhaupt. Nach der Ankündigung auf der Spielwarenmesse 1999 ließ Märklin seine Fans nun nicht lange zappeln und präsentierte jetzt ein H0-Modell, das - wie MIBA-Tester Günther Kahl feststellte - technisch und optisch das Machbare zeigt.
Über die Baureihe 55.25-56, die frühere preußische G 8.1, ist schon so viel geschrieben worden, daß wir uns hier auf die wichtigsten Fakten beschränken können. Als Weiterentwicklung der preußischen G 8 entstand 1913 die G 8.1. Neben der KPEV beschafften auch weitere Bahnen des In- und Auslandes diese bewährte Lokomotive. Bis 1921 wurden insgesamt 5257 Maschinen gebaut. Diese vierfach gekuppelte Güterzuglok leistete bei einem Dienstgewicht von ca. 70 t etwa 1250 PS, in der Ebene konnte sie 1400 t Zuglast mit 55 km/h befördern. Die DRG übernahm 3122 Loks und reihte sie als Baureihe 55.25-56 in ihren Bestand ein. Aufgrund der hohen vorhandenen Stückzahlen war sie immer eine wichtige Stütze des Güterzugdienstes und auch bei weniger versierten Eisenbahnfans gut bekannt. Obwohl es auch andere Vierkuppler bei deutschen Eisenbahnen gab, wird häufig die preußische G 8.1 pauschalisierend mit Baureihe 55 bezeichnet. Ein Teil der Lokomotiven wurde in den dreißiger Jahren mit einer vorderen Laufachse ausgerüstet, um die Höchstgeschwindigkeit auf 70 km/h erhöhen zu können. Diese Maschinen erhielten die Baureihenbezeichnung 56.2. Exportlieferungen und zwei Weltkriege verteilten die Lokomotiven über ganz Europa. Bei beiden deutschen Bahnen waren noch G 8.1 vorhanden, die letzten wurden 1972 bei der DB bzw. 1973 bei der DR ausgemustert.
Das Märklin-Modell
Auf der diesjährigen Nürnberger Messe stellte Märklin ein Modell der G 8.1 vor. Nachdem dieses Modell von den Göppingern schon in den Baugrößen 1 und Z angeboten wird, lag ein entsprechendes H0-Modell irgendwie in der Luft. Die Wahl dieses Modells ist natürlich auch deshalb interessant, weil unzählige Varianten möglich sind: neben Versionen deutscher Bahnen von Epoche I bis IV auch jene zahlreicher europäischer Bahnen. Märklin wählte als erstes ein Modell der DB in Epoche III, nämlich die "Fünferlok" mit der reizvollen Loknummer 55 5555. Das Vorbild war bis 1961 im Bw Hohenbudberg (BD Köln) stationiert und wurde dann ausgemustert.
Maßhaltigkeit und Detaillierung
Die Maße des Vorbildes wurden weitgehend eingehalten; sie sind im einzelnen der Tabelle zu entnehmen. Leichte Abweichungen im Achsstand sind, konstruktiv bedingt, auf die Märklin-Spurkränze zurückzuführen. Der etwas zu große Abstand zwischen Lok und Tender ergibt sich aus dem Märklin-Grundsatz, daß möglichst alle Fahrzeuge auch den Industrieradius problemlos durchfahren müssen. Insgesamt sind aber alle Maßabweichungen so klein, daß sie toleriert werden können.
Insgesamt sind die Proportionen der BR 55 gut getroffen. Der Detaillierungsgrad ist außerordentlich hoch. Zahlreiche freistehende Leitungen und Anbauteile aus Kunststoff sind an den Kessel aus Metall angesetzt. Das Führerhaus ist ebenfalls aus Kunststoff, der Tender wiederum aus Druckguß. Die Anstellstangen sind aus Draht, so daß sie vorbildgerecht absolut gerade stehen. Wirklich einziges Detail, das zu leiser Kritik Anlaß gibt, sind die etwas zu klobig ausgefallenen freistehenden Lampen. Als Ansetzteile sind der Lok Bremsschläuche und Originalkupplungen beigegeben.
Farbgebung und Beschriftung
Die Lackierung der Lok ist seidenmatt und gleichmäßig. Staubeinschlüsse oder Blasen sucht man vergebens. Bei allen schwarzen Teilen gibt es keinen sichtbaren Farbunterschied zwischen Kunststoff- und Metallteilen. Bei den roten Teilen sind die Kunststoffteile eine Spur heller; dies ist aber nicht prägnant. Die Beschriftung ist, wie bei Märklin gewohnt, exzellent. Auch kleinste Anschriften sind noch gut zu lesen, wenn eine entsprechend starke Lupe zur Hand ist.
Motor und Getriebeaufbau
Der Antrieb des Modells samt Motor und Getriebe sitzt bei der Märklin 55 genau da, wo er auch hingehört: in der Lok. Märklin schließt sich also dem allgemeinen Trend zum Tenderantrieb nicht an, so daß der fahrdynamische Eindruck einer angetriebenen Lok vorbildgerecht erhalten bleibt. Ein Glockenankermotor aus Schweizer Produktion mit Schwungmasse befindet sich im Stehkessel und treibt die hinterste Kuppelachse an. Die restlichen Radsätze werden über die Kuppelstangen abgetrieben. Die Räder der vordersten und hintersten Achse der Lok sind mit Haftreifen belegt.
Eine pfiffige Lösung ist das in Höhe des Umlaufs zu trennende Getriebe. So verbleibt der Motor bei Demontage im Kessel. Beim Zusammenbau wird er durch Zapfen fixiert und mit zwei Schrauben befestigt. Im Tender ist Raum für diverse Elektronikbausteine.
Der Rahmen der Lok ist aus Druckguß, mit Ausnahme des hinteren Teils unter dem Führerhaus, der aus Kunststoff angeschuht wird. Ob hier bereits eine Umbauversion der G 8 mit vorderer Laufachse und hinten gekürztem Rahmen mit eingeplant wurde? Man darf gespannt sein...
Stromabnahme und Laufeigenschaften
Die Stromabnahme gibt bei Märklin- Lokomotiven systembedingt keinen Anlaß zur Klage. Die Höchstgeschwindigkeit des Modells ist überhöht, wohl als Tribut an die vermeintlich zahlreichen "tempowütigen" Spielbahner (gibt es die denn wirklich noch?). Die Mindestgeschwindigkeit liegt bei 8 km/h, wurde bei den Tests jedoch nicht von der Lok, sondern vom verwendeten Fahrregler (Märklin 32 VA) begrenzt. Mit Digitalsteuerung ist sicher ein geringerer Wert zu erwarten. Die vorbildgerechte Geschwindigkeit von 55 km/h wurde schon bei 8 V erreicht (bis zur Modellhöchstgeschwindigkeit steht also ein Regelbereich von 4 V zur Verfügung). Die Lok läßt sich in diesem Bereich gut regeln, und der Auslauf ist als sehr gut zu bezeichnen.
Die Zugkraft reicht für alle vorbildgemäßen Betriebseinsätze locker aus. In der Ebene werden 137 Zweiachser, in der Steigung von 3% immer noch 48 Waggons befördert. Das ist etwa doppelt soviel wie das Vorbild (der Referenzzug besteht aus zweiachsigen Wagen aller Hersteller gemischt).
Beleuchtung, Kupplung, Service
Die Lok besitzt vorn und hinten Dreilicht-Spitzensignal entsprechend der Epoche III. Über Lichtleiter wird das Licht der Glühlampen vorne und hinten ausgestrahlt. Die Lok verfügt vorne und hinten über kulissengesteuerte Kurzkupplungen. Wie bei Märklin inzwischen Standard, sind der Lok eine ausführliche Betriebsanleitung, eine Explosionszeichnung mit allen wichtigen Ersatzteilnummern sowie eine Garantieurkunde beigelegt. Das Zerlegen der Lok birgt unter der Zuhilfenahme der Betriebsanleitung keine Schwierigkeiten. Hingewiesen sei auf die Gefahr der Beschädigung angesetzter Teile, ein Tribut an die hohe Detaillierung.
Fazit
Jetzt haben also auch die Märklinisten ihre 55 - ein optisch und technisch rundum gelungenes Modell, das den Vergleich mit gleichartigen Produkten der Mitwerber nicht scheuen muß. Man braucht sicher keine hellseherischen Fähigkeiten, um vorauszusagen, daß der Epoche-III-Version sicherlich noch zahlreiche weitere Ausführungen folgen werden. Günther Kahl
Maßtabelle BR 55 von Märklin in H0
| | Vorbild | 1:87/NEM (Märklin-Werksnorm) | Modell |
| Längenmaße |
| Länge über Puffer: | 18 290 | 210,2 | 210,8 |
| Lok-Tender-Abstand: | 100 | 1,2 | 2,1 | |
| Höhenmaße über SO |
| Schlotoberkante (ohne Aufsatz): | 4 250 | 48,9 | 48,9 |
| Kesselmitte: | 2 700 | 31,0 | 30,9 |
| Puffermaße |
| Pufferhöhe über SO: | 1 050 | 12,1 | 12,6 |
| Puffermittenabstand: | 1 750 | 20,1 | 20,1 |
| Breitenmaße |
| Breite Führerhaus (einschl. Umlaufkante): | 3 100 | 35,6 | 35,6 |
| Zylindermittenabstand: | 2 030 | 23,3 | 27,6 | |
| Achsstände |
| Gesamtachsstand: | 4 700 | 54,0 | 54,6 |
| Kuppelachse 1 zu Kuppelachse 2: | 1 570 | 18,0 | 18,2 |
| Kuppelachse 2 zu Kuppelachse 3: | 1 560 | 17,9 | 18,2 |
| Kuppelachse 3 zu Kuppelachse 4: | 1 570 | 18,0 | 18,2 |
| Achsstände Tender |
| Gesamtachsstand: | 4 400 | 50,6 | 50,6 |
| Laufachse 1 zu Laufachse 2: | 2 400 | 27,6 | 27,6 |
| Laufachse 2 zu Laufachse 3: | 2 000 | 23,0 | 23,0 |
| Raddurchmesser |
| Treib- und Kuppelräder: | 1 350 | 15,5 | 15,2 |
| Tenderräder: | 1 000 | 11,5 | 11,4 |
| Radsatzmaße entsprechend NEM* |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,4-0,2 | 14,0 |
| Spurkranzhöhe: | - | 1,35+0,05 | 1,3 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,9+0,1 | 1,0 |
| Alle Maße in mm |
Meßwerte BR 55 von Märklin
| Gewicht Lok: | 375 g |
| Haftreifen: | 4 |
| Meßergebnisse Zugkraft |
| Ebene: | 125 g |
| 3% Steigung: | 95 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax vorwärts: | 115 km/h bei 16 V |
| Vmax rückwärts: | 112 km/h bei 16 V |
| VVorbild: | 55 km/h bei 8 V |
| Vmin vorwärts: | 9 km/h bei 2 V |
| Vmin rückwärts: | 8 km/h bei 2 V |
| Auslauf |
| aus Vmax: | 445 mm |
| aus VVorbild: | 12 mm |
| Schwungscheibe |
| Anzahl: | 1 |
| Durchmesser: | 16,7 mm |
| Länge: | 6,0 mm |
| Ungefährer Preis: | DM 460,- |
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