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Kraft ohne Ende

 
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In tadellosem Finish präsentiert sich eine E 44, wie sie aussehen soll: Die Proportionen stimmen, alle den Gesamteindruck bestimmenden Bauteile sind da. Hier wurde aus der Metalltechnik alles herausgeholt. Dies war jedoch nur möglich, weil das Gehäuse allein aus sieben Hauptbauteilen besteht und quasi an den Farbtrennkanten "zerfällt". Wegen möglicher Varianten (E 44 mit Widerstandsbremse, modernisierten E 44 der DR) gilt dies ganz besonders für das getrennt gefertigte Dach mit separat aufgesetzter Trafohaube.

Positiv ist hervorzuheben, dass es bei den Stromabnehmern in Zusammenarbeit mit der Fa. Sommerfeldt gelungen ist, sich endlich von der unnötigen Bodenplatte zu verabschieden und die zwei Befestigungspunkte seitlich zu verstecken. So konnte sogar der Luftleitungsisolator in der Mitte nachgebildet werden. Nur sein Pendant am Stromabnehmer samt Antriebsnachbildung sucht man vergebens. Gespart wurde auch an der Oberschere; Sommerfeldt hätte eine vorbildgerechtere, allerdings teurere mit eingeschweißter Querstrebe im Programm gehabt...

Völlig beziehungslos daneben stehen die Isolatorböcke, auf denen sich beim Vorbild der Stromabnehmer abstützt. Wenn beide schon nicht miteinander verbunden werden konnten, bleibt aber die Frage, warum die Isolatorböcke so weit vom Stromabnehmer weggerückt wurden. Ohne Not wurde der Abstand dieser Isolatorböcke von maßstäblich 17,2 mm auf 21,4 mm vergrößert! Der Abstand der Fußmaße in Querrichtung ist ebenfalls unkorrekt, da die Isolatorböcke aus Kostengründen von der E 91 übernommen wurden. Die inneren Isolatorböcke standen bei unserem Testmuster falsch herum - ein Montagefehler, der künftig behoben wird.

Die Dachleitung liegt auf den seit Jahrzehnten von Trix verwendeten (und gar nicht so verkehrten), aus Messing gedrehten Stützisolator-Nachbildungen. Da aber die Dachleitung in einen Schlitz mittig in die Isolatorkappe gelegt wird, führt dies unweigerlich zu Unkorrektheiten in der Leitungsführung. Außerdem lässt diese klassische Ausführung der Dachleitung nicht den heutigen Standard zu. Weder bei der korrekten Nachbildung der seitlichen Befestigung am Stützisolator noch beim Trennschalter (den man nur an dem runden Flansch unterhalb des Isolators erkennen kann) wurden die Möglichkeiten heutigen Formenbaus genutzt. Beide Verbindungen fehlen völlig. Die Nachbildung der Druckluftleitungen für die Stromabnehmerantriebe sucht man ebenfalls vergebens.

Wirklich dezent, wenn auch nicht ganz vollständig ist die Nachbildung der Nietreihen auf dem Dach. Die Abdeckung der Hochspannungsdurchführung in der Trafohaube wurde auch korrekt dargestellt, allerdings sitzt sie exakt einen halben Durchmesser zu weit in Fahrzeugmitte. In ihrer Wirkung gut getroffen sind die Dachlaufstege. Die korrekt schmal ausgeführten Stützen sind am Dach mit angespritzt (wegen der Farbgebung zunächst durchaus nachvollziehbar), die eigentliche Befestigung erfolgt aber dann innerhalb dieser Stützen mit Kunststoffzapfen von 0,9 mm Ø, die mit einem Bund von 2,1 mm Ø umhüllt werden. Das beeinträchtigt die Optik dieser Partie in der Seitenansicht leider erheblich.

Äußerst präzise detailliert ist die Nachbildung des Fahrzeugkastens. Allerdings sind z.B. auf der linken Seite jede Menge senkrechter Nietreihen dargestellt; es wird jedoch nicht erkennbar, dass diese zu Wartungsöffnungen gehören, die an der Unterseite Scharniere haben. Weniger Nieten wären hier besser und korrekter gewesen: Findet man beim Vorbild zehn Nieten übereinander, so hat man es beim Modell geschafft, gleich 18 Nieten nachzubilden, welche nun wesentlich zu dicht beieinander liegen. Und die tatsächlich größeren Nieten zur Befestigung der Scharniere wurden schlicht übersehen. Ebenso vermissen wir die Prüfsteckdosen in der Mitte unter dem Hauptrahmen.

Wirklich gut gelungen sind die von innen ohne erkennbaren Spalt eingesetzten Fenstereinsätze. Aufwändig hergestellt wurden die angesetzten Griffstangen an Führerstandstüren und Vorbauten. Die Griffstangenhalter wurden um die Griffstangen gespritzt und das Ganze dann ins Gehäuse gesteckt.

In ihrer Wirkung hervorragend ausgeführt sind die Nachbildungen der Scheibenwischer mit ihrer Halterung. Ebenfall besonders hervorzuheben: die separat aufgesetzten Deckel auf der Oberseite des vorderen Vorbaus. Die angesetzten Aufstiegstrittstufen geben das Vorbild korrekt wieder.

Stimmig nachgebildet wurden die Stirnlampen; genau genommen müsste aber an der linken Lampe die Stecktasche für die Vorsteckscheibe zu sehen sein und bei der rechten der Schwenkhebel für die innen liegende Blende. Es fehlen aber auch die für die E 44 typischen runden Steckdosen an den abgeschrägten Ecken der Vorbauten für den Anschluss der Signallaternen.

Führerstandseinrichtungen gibt es nicht. Sinn hätten aber Nachbildungen von Führerstandsrückwänden gemacht, weil sie den freien Durchblick von den Führerstandsfenstern in den Maschinenraum verhindert hätten.

Die Drehgestellblenden sind fein graviert und vollständig. Während das Bremsgestänge mit angespritzt wurde, sind die Sandkästen und die Bremszylinder separat angesetzt. Leider sind auch die (sehr flach geratenen) Achslager nur mit angespritzt, den typischen überstehenden Rand der Schleuderkammer gibt es bei diesem Modell nicht. Korrekt sind am Drehgestell 1 die Nachbildung der Indusimagnete sowie des separat angebrachten Sifa-Gerätes und der Geberleitungen an den Achslagern der ersten Achse dargestellt. Sehr gut wirkt auch die erstmalige Nachbildung der Verbindungsstange zwischen den Bahnräumern.

Erstaunlich ist wiederum, dass standardisierte Bauteile des Vorbildes nicht korrekt wiedergegeben werden. So ist das Profil des Pufferträgers eindeutig zu kurz geraten und die Pufferteller sind im Durchmesser zu klein - wohl ein Tribut an den hauseigenen Kurzkupplungskopf, der auch nach oben hin seinen Raum benötigt.

Die Farbgebung ist an allen Stellen korrekt, die seidenmatte Lackierung überall tadellos. Die Beschriftung ist in Anordnung, Typografie sowie Inhalt absolut korrekt und sehr präzise ausgeführt. Auf den Fabrikschildern können sogar die Fabriknummern gelesen werden.

Technik

Nach dem Lösen von zwei Schrauben (sehr fummelig durch die Drehgestelle hindurch) lässt sich das Gehäuse vom Fahrwerk abheben. Darunter verbirgt sich ein Fahrwerk, das im Hause Trix konstruiert wurde und den heutigen Stand der Antriebstechnik bei Gleichstrom-Drehgestell-Loks widerspiegelt.

Ein in Längsrichtung angeordneter 5-poliger Bühler-Motor mit Schwungscheibe treibt über Kardangelenke und kombinierte Stirnrad-Schneckengetriebe alle Achsen an. Der Motor wird durch eine Abdeckung aus Druckguss fixiert, in der seitlich reliefartig der Maschinenraum angedeutet ist.

Darauf befindet sich eine Leiterplatte mit dem Umschalter für Oberleitungsbetrieb und Kontaktflächen, mit denen der Kontakt zu einer weiteren Leiterplatte unter dem Dach im Gehäuse hergestellt wird. Daneben gibt es weitere Leiterplatten: unter dem Dach zur elektrischen Verbindung der Stromabnehmer, im Bereich der Stirnbeleuchtung für die Leuchtdioden, der nur mit doppelseitigem Klebeband fixierte Delta-Decoder und schließlich eine Leiterplatte an der Anschlussseite des Motors. Hinzu kommen noch vier kleine Platinen mit den Leuchtdioden der Stirnlampen.

Die Radsätze lagern in Messingbuchsen im Drehgestellrahmen aus Zinkdruckguss, sie werden durch die Achslagerblenden aus Kunststoff gehalten. Wartungsfreundlich werden die Drehgestellblenden durch je zwei Schrauben gehalten.

Ein sehr angenehmes Regelverhalten über den gesamten Geschwindigkeitsbereich macht sich bemerkbar, wenn der Fahrregler aufgedreht wird. Die Lok setzt sich leise in Bewegung und man spürt durch die verhaltene Regelcharakteristik deutlich die eingebaute Schwungscheibe und die damit verbundene Massensimulation. Die erreichte Höchstgeschwindigkeit liegt nur leicht über dem zulässigen Wert, das Auslaufverhalten ist sehr gut.

Eine ausgesprochene Überraschung ist die enorme Zugkraft, die dieses Modell entwickelt. Hier zeigt sich, dass es nicht alleine auf das Gewicht des (aus Metall gefertigten Modells) ankommt - der Kern der Sache liegt vielmehr in der Kombination mit dem gewählten Antriebskonzept. Vielleicht bringt diese Erkenntnis im Hause Märklin so manchen Stein ins Rollen...

Die mit der Fahrtrichtung wechselnde Stirn- und Schlussbeleuchtung ist dank der bekannten Leuchtdioden-Technik unabhängig von der angelegten Fahrspannung gleich bleibend hell. Ein Normschacht mit Kinematik ermöglicht vorbildgerecht enges Kuppeln. Die bei Märklin übliche Bedienungsanleitung gibt mit schematischen Darstellungen einen ausreichenden Überblick über alle Funktionen und die notwendigen Wartungsarbeiten.

Fazit

Das bei Trix konstruierte Modell zeigt, welches Finish heute bei Metallgehäusen möglich ist. Die Dachausrüstung entspricht den Vorgaben der Märklin-Philosophie, die Robustheit und einfache Handhabung vor sensibel umgesetzte Vorbildtreue im Detail setzt. Die Frage bleibt, ob dieser Grundsatz angesichts moderner Fertigungs- und Materialtechniken noch zeitgemäß ist. Das schwere Gehäuse ermöglicht zusammen mit dem gewählten Antriebskonzept eine optimale Zugkraft. Der ruhige Lauf des Antriebs wird allerdings bei der Mittelleiter-Wechselstrom-Ausführung durch das typische Fahrgeräusch des Schleifers relativiert. Einige kleinere Fehler bei der Gravur wären zudem ohne Mehrkosten vermeidbar gewesen.
bz

Maßtabelle E 44 in H0 von Märklin/Trix

 Vorbild1:87/NEMModell
Längenmaße
Länge über Puffer:15 290175,7175,7
Länge über Kasten:13 990160,8162,1
Höhenmaße über SO
Dachoberkante:3 95045,445,5
Dachaufbau über SO:4 30049,449,0
Pantographen in Senklage:4 65053,454,0
Breitenmaße
Breite über Lokkasten:2 96034,035,1
Breite über Griffstangen:3 15036,238,8
Pantographenmaße
Abstand der Fußpunkte quer:90010,38,8
Abstand der Fußpunkte längs:1 50017,221,4
Schleifstückbreite:1 95022,428,1
Radstände
Gesamtachsstand:9 800112,6112,4
Drehzapfenabstand:6 30072,472,3
Drehgestell-Achsstand:3 50040,240,1
Raddurchmesser:1 25014,414,0
Puffermaße
Puffermittenabstand:1 75020,119,9
Pufferhöhe über SO:1 05012,112,5
Pufferlänge6507,56,8
Puffertellerdurchmesser:4505,23,8
Radsatzmaße entsprechend Märklin-Hausnorm
Radsatzinnenmaß:- 14,0+0,114,2
Radbreite:-2,8min3,1
Spurkranzhöhe:-1,2max1,4
Spurkranzbreite:-0,7-0,90,90

Messwerte E 44 von Märklin

Gewicht Lok:540 g
Haftreifen:4
Zugkraft
Ebene:356 g
3% Steigung:324 g
Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt)
Vmax: 117 km/h bei 16 V
VVorbild>:90 km/h bei 13 V
Vmin>:ca. 10 km/h bei 5,2 V
NEM zulässig>:126 km/h bei 16 V
Auslauf
aus Vmax>:260 mm
aus VVorbild>:162 mm
Lichtaustritt:ab 20 km/h bei 6 V
Schwungscheibe
Anzahl:1
Durchmesser: 20,0 mm
Länge:8,8 mm
Ungefährer Preis(34440 mit Delta-Elektronik): DM 380,-
(37440 mit Digitaldecoder): DM 490,-

 

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