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TEE-Triebzüge

 
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Den beiden Nachbildungen des legendären VT 11.5 liegen zwei völlig verschiedene Produktphilosophien zu Grunde: Bei Märklin bestehen alle Gehäuseteile aus schwerem Zinkdruckguss, angetrieben wird mit klassischer Motortechnik. Roco setzt nach wie vor auf eine anwendungsorientierte Werkstoffwahl und sein richtungsweisendes, standardisiertes Antriebskonzept eines längs angeordneten Motors.

Im Resultat können sich beide Modelle, die kompromisslos im Maßstab 1:87 gehalten sind, sehen lassen. Insbesondere die markante Kopfform wirkt bei beiden aus jedem Blickwinkel überzeugend. Unterschiede werden erst bei näherer Betrachtung deutlich.

Ein Merkmal des VT 11.5 ist die genietete Aluminium-Außenhaut. Die Nieten mit einem Kopfdurchmesser von 14 mm (in 1:87 nur 0,16 mm) sind aus einer gewissen Entfernung kaum noch zu sehen. Dass sie bei Roco mit 0,3 mm Durchmesser fast doppelt so groß ausfallen, resultiert aus Rocos damals vertretener Auffassung, dass Nieten aus optischen Gründen einfach etwas größer dargestellt werden müssen. Dass dies aber bei ebenfalls überzeugender optischer Wirkung nicht so sein muss, zeigt die Ausführung der Nieten in korrekter Größe bei Märklin.

Leider vermisst man bei beiden Herstellern ganze Nietreihen: Bei Roco fehlen sie im gesamten Dachbereich der Fahrgasträume, während Märklin am Rand der silbernen „Bauchbinde“ völlig auf die Darstellung der Nieten verzichtet hat.

Großen Einfluss auf den optischen Eindruck hat auch die richtige Ausführung der eingesetzten Fenster. Die beim Vorbild in Gummi gefassten Fensterscheiben sitzen in einem separat aufgenieteten Rahmen, der bei beiden Modellen vorhanden ist. Die Andeutung der Gummieinfassung wurde in beiden Fällen mit den Festereinsätzen angedeutet. Bei Märklin schließen sie bündig und ohne Spalt mit den Außenrahmen, wodurch ein geschlossenes Bild entsteht. Bei Roco steht die Gummieinfassung jedoch etwas zurück, was dem Gesamteindruck eher abträglich ist.

Unterschiede auch bei den Führerstandsfenstern: Bei Märklin sind die abgerundeten Konturen der in Metall und Gummi gefassten Fenster korrekt dargestellt, bei Roco fehlen die Gummieinfassungen ebenso wie die Abrundungen der einzelnen Fensterelemente.

Die seitlichen Lüftungsschlitze zur Ansaugung der Kühlluft hinter den Führerstandsfenstern sind mit ihren neun markanten Lamellen beim Märklin-Modell in korrekter Anzahl vorhanden. Hier ist der Eindruck stimmiger als beim Roco-Modell, dessen sechs Lamellen deutlich gröber ausfallen.

Da ein Modell meist von oben betrachtet wird, fallen die unterschiedlich ausgeführten Dachlüfter auf. In beiden Fällen finden wir separat eingesetzte, geätzte Gitternachbildungen. Bei Roco sind sie mit relativ breiten Stegen jedoch recht grob. Unter der wesentlich feineren Ausführung bei Märklin sind sogar die extra eingesetzten Lüfterräder gut zu erkennen.

Ein schwieriges Feld sind immer wieder die Griffstangen, die bei maßstäblicher Ausführung im Modell recht dünn werden müssen. Bei Roco hat man sich für eine Ausführung aus separat angesetzten Kunststoffteilen entschieden. Dadurch war es möglich, die Befestigungsflansche und die gekröpfte Form der Griffstangen korrekt nachzubilden. Die Vorbilddicke von 32,7 mm (umgerechnet 0,38 mm) ist mit 0,55 mm um 45% zu kräftig ausgefallen. Dafür sind die Griffstangen sehr formstabil und gerade. Die silbergraue Oberfläche der Kunststoffgriffstangen entspricht recht gut dem Vorbildeindruck.

Märklin wählte den klassischen Weg mit Drahtbiegeteilen aus 0,5-mm-Draht, was kaum feiner ist. Der Abstand der Griffstangen zur Außenhaut der Wagen wird durch den Biegeradius bestimmt. Zudem müssen solche Griffstangen immer in Löcher gesteckt werden, die einen etwas größeren Durchmesser als der Drahtdurchmesser haben. Darunter leidet die Nachbildung der am Gehäuse angravierten Befestigungsflansche. Im vorliegenden Fall liegen die Bohrungen sogar halb neben den Flanschen um die richtige Lage der Griffstangen, die sich durch die Kröpfung ergibt, zu erzielen. Außerdem erscheinen die Griffstangen durch die Vernickelung etwas zu blank.

Die Drehgestellblenden sind wegen der notwendigen plastischen Durchbildung immer wieder eine Herausforderung. Den Drehgestellen von Roco sieht man die 20 Jahre kaum an. Zum Unterschied sind beim Märklin-Triebdrehgestell die Zangen der Scheibenbremsen durchbrochen und kommen optisch besser zur Geltung. Jedoch fällt durch die Lage der Zangen in Bezug auf die Radscheibe auf, dass das hintere Achslager relativ zur Achse um 0,8 mm nach innen verschoben ist. An den Nachbildungen der Laufdrehgestelle der Bauart München-Kassel wurden beim Märklin-Modell die Magnetschienenbremsen besser herausgearbeitet.

Die Übergänge zwischen den Wagen stellen ein besonderes konstruktives Problem dar. Die beim Vorbild bündig mit der Außenhaut angebrachten Gummiverkleidungen lassen sich so im Modell nicht umsetzen. Insbesondere der seitliche Versatz der Wagenkästen beim Beginn des Bogenlaufs erfordert eine andere Lösung.

Roco wählte innerhalb der Gehäuseinnenkontur beweglich aufgehängte, federnde Einsätze, die in der Geraden mit ihrem Gegenstück einen geschlossenen Eindruck ergeben. Aber die Größe der Einsätze musste um die Materialstärke des Gehäuses verringert werden. Märklin deutet die Gummiverkleidung auf einer Länge von 3 mm in Verlängerung der Gehäusekontur an, geht aber innen einen ähnlichen Weg wie Roco. Jedoch folgen die Einsätze einer Kulissenführung. Bei beiden Lösungen gibt es an den Berührungsflächen einen Versatz beim Bogenlauf.

Die Modelle beider Hersteller sind sauber und deckend lackiert. Die Farbtrennkanten sind bei beiden sehr akkurat ausgeführt. Während das Purpurrot von beiden gut getroffen wurde, erscheint das Beige bei Märklin zu dunkel. Nur bei Roco sind die Rahmen der kleinen Klappfenster vorbildgerecht silbern bedruckt. Bei beiden Modellen sind die Anschriften sehr sauber und gut lesbar. Nur Roco zeigt die Zuglaufschilder hinter den Fenstern.

Beide Modelle sind mit einer in hellem Braun gehaltenen Inneneinrichtung ausgerüstet, eine Nachbildung des Führerstandes finden wir aber nur beim Märklin-Modell. Bei Roco sind im Motorwagen stattdessen die Anschlussleitungen des Decoders zu sehen.

Technik

In der Technik unterscheiden sich die Modelle traditionell grundlegend. Beim Märklin-Modell bestehen Fahrwerk wie Gehäuse aus Zinkdruckguss, das Dach ist als separates Teil an Stegen verschraubt.

Bei Roco ist nur der Rahmen der Triebköpfe aus Metall, die Rahmen der Mittelwagen sowie alle Gehäuseteile sind aus Kunststoff. Auch bei Roco sind Seitenwände und Dach getrennte Teile, was ganz nebenbei zu sauberen Farbtrennkanten führt.

Das hohe Gewicht bei der Metallbauweise des Märklin-Modells erfordert eine Ausführung mit zwei Motoren. Da zwei Sinus-Motoren nicht mit einem Decoder angesteuert werden können, kam der 5-polige Hochleistungsmotor zur Anwendung, dessen Anker erstmalig in Kugellagern gelagert wurde. Dieser Motor treibt in bekannter Weise das vordere Drehgestell jedes Triebkopfes über ein Stirnradgetriebe an. Alle angetriebenen Räder haben Haftreifen.

Bei Roco wird nur ein Triebkopf angetrieben. In bekannter Weise längs im Rahmen gelagert treibt der Motor über Kardanwellen im vorderen Drehgestell die erste Achse und im hinteren Drehgestell beide Achsen an. Die Räder der jeweils äußeren Achse beider Drehgestelle haben Haftreifen.

Nur der Märklin-Zug ist elektrisch eine Einheit. Eine 10-polige Steckverbindung zwischen den einzelnen Wagen stellt sicher, dass sich das Fahrzeug in beiden Fahrtrichtungen gleich verhält: Der jeweils vordere Schleifer dient der Stromabnahme für den Motor, der jeweils hintere versorgt Geräuschelektronik und Innenbeleuchtung. Rocos TEE verhält sich dagegen elektrisch wie ein normaler lokbespannter Zug.

Beide Modelle sind für den Digitalbetrieb eingerichtet. Bei Märklin in der bewährten Art mit einer im Fahrzeug integrierten Platine, auf deren Oberseite zwei Potis zur Beeinflussung von Höchstgeschwindigkeit und Beschleunigungs- bzw. Bremsverhalten liegen.

Roco verwendet einen multiprotokollfähigen ESU-Sound-Decoder, der auch das Motorola-Format von Märklin versteht. Bei diesem Decoder können Maximalgeschwindigkeit, Bremszeit, Beschleunigungszeit und Anfahrspannung eingegeben werden. Dies kann im Motorola- oder DCC-Format erfolgen.

Beide Modelle sind werksseitig auf Maximalgeschwindigkeit eingestellt, die bei Roco nur leicht über der umgerechneten Vorbildgeschwindigkeit und bei Märklin immerhin noch innerhalb der NEM-Toleranz liegt. Darüber hinaus lassen sich viele weitere Parameter den individuellen Bedürfnissen anpassen. Beide Modelle zeigen ein sehr ausgeglichenes Laufverhalten bei guter Regelcharakteristik.

Über die Funktionstasten der Steuerzentrale lassen sich bei beiden Modellen verschiedene Zusatzfunktionen auslösen. An erster Stelle zu nennen: der Sound der Dieselmotoren. Bei Märklin gibt es in jedem Triebkopf einen Lautsprecher. Vorbildgerecht starten beim Aktivieren die Motoren der Triebköpfe zeitversetzt, Gleiches gilt für das Abstellen. Am Fahrzeug kann sogar wahlweise ein langer oder kurzer zeitlicher Abstand ausgewählt werden. Auch die Lautstärke der beiden Motoren kann über Potis getrennt verändert werden. Dennoch ist die typische Getriebegeräuschentwicklung des Märklin-Antriebs nicht zu überhören. Dies kann der Soundbaustein auch bei größerer Lautstärke nicht völlig überdecken.

Roco hat nur im angetriebenen Triebkopf einen Soundbaustein, dessen Lautstärke in drei Stufen variiert werden kann. Allerdings klingt der Sound bedingt durch den geräuschlosen Antrieb deutlich klarer und - nach dem subjektiven Empfinden des Autors - für einen Dieselmotor echter. Bei beiden Modellen kann ein Signalhorn betätigt werden, bei Märklin variabel nur über den jeweils vorderen Triebkopf oder bei beiden gleichzeitig.

Bei Märklin gibt es eine Innenbeleuchtung, für die SMD-Leuchtdioden an einer Leiterplatte oberhalb der Fenster montiert sind. Als besonderen Gag hat der Speisewagen beleuchtete Tischlampen. Sie können über eine Funktionstaste ein- und ausgeschaltet werden. Rocos Modell hat keine Innenbeleuchtung, entsprechende Teile für eine Nachrüstung werden aber angeboten.

Eine fahrtrichtungsabhängige konstante Stirn- und Schlussbeleuchtung ist bei beiden Modellen vorhanden. Bei Roco erfolgt die Umschaltung beim antriebslosen Triebkopf in der Mittelleiter-Ausführung mit einem Schleppschalter.

Fazit

Beide Modelle sind exakt maßstäblich und erfüllen in ihrer Ausführung alle wichtigen Kriterien, die heute an ein stimmiges Modell gestellt werden. In Bezug auf die Detaillierung und die technische Ausstattung ist das Märklin-Modell deutlich besser. Beim Roco-Modell überzeugen dagegen der wesentlich günstigere Preis und die besseren Fahreigenschaften.
bz

Maßtabelle VT 11.5 in H0 von Roco und Märklin

 Vorbild1:87/NEMRocoMärklin
Längenmaße
Länge über Schaku (vierteilig):76 240876,32878,10876,90*
Länge Schaku:3804,375,005,50*
Länge über Kasten:75 480867,59868,10865,90
Länge über Kasten Endwagen:19 200220,69221,00220,70
Länge über Kasten Mittelwagen:17 400200,00200,00199,80
Abstand Wagenkästen:7608,748,708,30
Höhenmaße über SO
Dachoberkante Führerstand:4 18048,0548,0048,00
Dachoberkante Fahrgasträume:3 76543,2843,5042,50
Breitenmaße
Breite Fahrzeugkasten:3 01234,6234,6034,70
Breite an Motordrehgestellschürzen:3 04535,0035,1035,60
Radstände
Gesamtachsstand:70 480810,11810,00807,90
Drehzapfenabstand Endwagen:12 600144,83145,00144,80
Drehzapfenabstand Mittelwagen:12 600144,83145,00144,80
Abstand Drehzapfen-Wagenende:2 40027,5927,5027,50
Achsstand Triebdrehgestell:3 40039,0838,9038,80
Achsstand Laufdrehgestell:2 30026,4426,0026,45
Raddurchmesser
Treibraddurchmesser:95010,9210,5010,90
Laufraddurchmesser:90010,3410,5010,40
Radsatzmaße entsprechend NEM
Radsatzinnenmaß:- 14,3+0,114,1014,20
Radbreite:-2,8min3,203,10
Spurkranzhöhe:-1,2max1,41,40
Spurkranzbreite:-0,7-0,90,900,95
*) Die Scharfenbergkupplung ist am Märklin-Modell einschließlich der Verkleidung gemessen.

Messwerte VT 11.5 von Roco

Gewicht VT 11 5007 (Motorwagen):464 g
Gewicht VM 5103:107 g
Gewicht VM 5308111 g
Gewicht VT 11 5017:234 g
Haftreifen:4
Messergebnisse Zugkraft
Ebene:- g
3% Steigung:- g
Geschwindigkeiten *)
Vmax (38): 146 km/h bei Fahrstufe 14
Vmax (20): 96 km/h bei Fahrstufe 14
VVorbild (38):140 km/h bei Fahrstufe 11
Vmin (38):ca. 2,8 km/h bei Fahrstufe 1
Vmin (20):ca. 2,8 km/h bei Fahrstufe 1
NEM zulässig:196 km/h
Auslauf bei höchster Fahrstufe
bei Decodereinstellung 38:121 mm
bei Decodereinstellung 20:77 mm
Schwungscheibe
Anzahl:1
Durchmesser: 16,0 mm
Länge:9,1 mm
Ungefährer Preis:EUR 350,-

Messwerte VT 11.5 von Märklin

Gewicht VT 11 5001 (Motorwagen):513 g
Gewicht VM 5101:325 g
Gewicht VM 5302334 g
Gewicht VT 11 5002 (Motorwagen):494 g
Haftreifen:4
Messergebnisse Zugkraft
Ebene:- g
3% Steigung:- g
Geschwindigkeiten *)
Vmax (Poti max): 166 km/h bei Fahrstufe 14
Vmax (Poti min): 96 km/h bei Fahrstufe 14
VVorbild (Poti max):140 km/h bei Fahrstufe 11
Vmin (Poti max):ca. 2,8 km/h bei Fahrstufe 1
Vmin (Poti min):ca. 2,8 km/h bei Fahrstufe 1
NEM zulässig:196 km/h
Auslauf bei höchster Fahrstufe
bei Poti max:143 mm
bei Poti min:60 mm
Schwungscheibe
Anzahl:keine
Durchmesser: - mm
Länge:- mm
Ungefährer Preis:EUR 700,-
*) Die in Klammern angegebenen Zahlen beziehen sich auf die Decodereinstellung zur Höchstgeschwindigkeit (Wertebereich 1-63) beim ESU-Decoder: 38 ist die Werkseinstellung und entspricht im Ergebnis der Maximalstellung am Märklin-Decoder-Poti, 20 entspricht der Minimalstellung am Märklin-Decoder-Poti.


 

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