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Nicht zum ersten Mal erscheint in H0 ein Modell dieser Doppellokomotive. Rund 20 Jahre ist es her, daß Günther und in dessen "Kielwasser" einige Zeit später Lima sich an dem schweren Brocken versuchten. Nun hat Märklin sein H0-Modell ausgeliefert. Bernd Beck und Bernd Zöllner beschreiben Modellausführung und Technik.
Als Vorbild für seine erste Modellausführung der "Wehrmachtslok" V 188 wählte Märklin die V 188 001 im Zustand von 1955, als die Lok noch den alten 940-PS-Motor von MAN besaß. Nach außen sichtbar wird diese Motorbestückung an den "Oberlichtern" über den Motorräumen. Wie bei Märklin üblich, sind die Aufbauten des Modells fast komplett aus Metalldruckguß gefertigt. Dach und Seitenwände sind an einem Stück gespritzt und mit Kunststoffdetails bestückt.
Die bereits erwähnten "Oberlichter" sind als Kunststoffteile separat auf das Dach gesetzt. Damit bleibt formtechnisch die Möglichkeit gegeben, auch zeitlich spätere Varianten ohne den Lüfteraufsatz im Modell zu realisieren, wovon Märklin sicher Gebrauch machen wird. Unter einer zweiten, kleineren Klappe auf dem Dach ist die Gehäusebefestigungsschraube verborgen. Beide Kunststoffteile sind in Dachfarbe lackiert, so daß der Materialunterschied nicht auffällt.
Alle Einzelheiten und Nieten am Gehäuse sind fein graviert. Die Griffstangen an den Führerstandstüren sind aus Draht eingesetzt, während die Trittstufen aus Kunststoff bestehen. An diesen Tritten sind sogar die Gitterroste eingraviert. Alle Fenster sind von außen bündig eingesetzt. Leider sind an diesen Teilen zusätzliche Innenrahmen sowie die Rastnasen von außen sichtbar. Hinter den Fenstern des Maschinenraums verwehren Blenden aus Kunststoff den Blick auf die Modelltechnik. .
Die Lokkästen sind mit weiteren angesetzten Teilen komplettiert: nach vorn gebogene Pfeifen, Lampen neben den rechten Türen (s. MIBA 4/98, Seite 22) und Zughaken in den Kunststoff-Pufferträgern. Diese klemmen auf Halterungen am Gehäuse. Nicht freistehend angesetzt sind dagegen die Signalhalter an der Front. Die aus Stahl gedrehten Pufferteller haben statt einer gewölbten (rechts) und einer glatten Fläche (links) beide eine gleichartige, leichte Wölbung - eine Vereinfachung, die nicht mehr zeitgemäß ist..
Die Übergangstüren an den Rückseiten sind angedeutet, jedoch nicht verglast. Dies fällt jedoch beim normalen Betrieb auf der Anlage nicht auf. Auffällig ist schon mehr die nicht gelungene Partie um das obere Spitzenlicht: hier wurde aus formtechnischen Gründen die Umrandung der Lampenfassung weggelassen, wodurch diese Stelle etwas plump wirkt.
Zwei Kunststoffblenden sind auf den Druckgußrahmen des Modells aufgeklipst und zeigen die Nachbildungen von Achslagern, Sandkästen, Sandfallrohren. Als Steckteil ist die Sifa an der jeweils rechten Seite angesetzt. Während jedoch der Rahmen matt gespritzt ist, sticht das Ansatzteil glänzend schwarz hervor.
An den Blenden ist außerdem das Bremsgestänge nachgebildet. Die dazugehörigen Bremsbacken liegen vorbildgerecht in Radebene - als separates Teil in jedem der Drehgestelle.
Die Beleuchtung wechselt mit der Fahrtrichtung vorbildgerecht weiß/rot. Die Lichtstärke ist auch bei niedrigen Fahrspannungswerten als sichtbar zu bewerten. Verwendung finden nicht Glühbirnen, sondern Leuchtdioden, die gemeinsam auf einer Platine jeweils hinter den Führerstandsimitationen aufgestellt sind.
Die seidenmatte Lackierung ist, wie es dem Zustand der V 188 Mitte der 50er Jahre entsprach, in Grün mit umbragrauem Dach ausgeführt. Die Trennkante zwischen Dach und Seitenwänden ist scharf, die Beschriftung sauber und lupenrein ausgeführt. Selbst kleinste Anschriften in den Fabrikschildern sind unter der Lupe noch lesbar. Als Untersuchungsdatum ist der 24.6.1955 angegeben - der Tag der letzten Untersuchung der V 188 001 mit dem alten 940-PS-Motor von MAN. Bernd Beck
Technik
Bei beiden Fahrzeughälften läßt sich das Gehäuse leicht und ohne Zwängen abnehmen. Ein metallener Rahmen ruht auf zwei Drehgestellen. Das jeweils hintere Drehgestell enthält in alter Märklin-Manier den bekannten Scheibenmotor, der über ein Stirnradgetriebe die beiden komplett mit Haftreifen belegten Radsätze antreibt.
Dieses Lokmodell macht der Märklin-Metallbau-Philosophie alle Ehre und weckt durch das ansehnliche Gesamtgewicht von 765 g leider zu Unrecht große Erwartungen an die Traktionseigenschaften. Durch die Drehgestellbauweise, deren Vorteil beim Bogenlauf sicher nicht zu verachten ist, verbleibt von den 382,5 g einer Lokhälfte dem angetriebenen Drehgestell leider nur noch etwa das halbe Reibungsgewicht.
Eine Verbesserung ist auch vom zweiten Motor kaum zu erwarten, denn bei der maximal erreichten Zugkraft schleuderte im Test bereits eines der beiden angetriebenen Drehgestelle, begleitet von der märklintypischen Geräuschentwicklung.
Wären alle Achsen einer Lokhälfte in einem gemeinsamen Rahmen gelagert, nur die äußeren Achsen angetrieben, die mittleren mit Seiten- und Höhenspiel mitlaufend, könnte dieses Modell beim dann doppelt so hohen Reibungsgewicht enorme Zugkraft entwickeln! Zudem führt die um 146 % (!) zu hohe Endgeschwindigkeit zu einer schlechten Regelcharakteristik mit bescheidenen Langsamfahreigenschaften
Für die Aufnahme der Fahrzeugkupplung befindet sich an jedem Fahrzeugende ein Normschacht, der in einer korrekt und präzise arbeitenden Kurzkupplungskulisse geführt wird. Die Kupplung der beiden Fahrzeughälften ist dagegen völlig unbefriedigend. Eine am Drehgestell angeordnete Kinematik mit viel zu geringer Verlängerungswirkung hat zur Folge, daß der Abstand der Lokhälften in der Geraden unnötig groß ausgefallen ist, während sie sich im 360er Radius bedenklich nahe kommen. Eine Steigung darf in einem solchen Bogen nicht beginnen. Eine Deichsel-Anlenkung am Lokrahmen hätte hier bei breiterer Basis eine wirkungsvolle und echte Kurzkupplung ermöglicht
Fazit
Ein solide gemachtes Modell mit fein graviertem Gehäuse und vielen angesetzten Details, dessen technische Ausführung aber nicht dem heutigen Stand der Entwicklung entspricht. bz
Maßtabelle Baureihe V 188 001 von Märklin in H0
| | Vorbild | 1:87/NEM | Modell |
| Längenmasse |
| Länge über Puffer: | 22 510 | 258,7 | 260,7 |
| Länge über Kasten: | 11 080 | 127,4 | 127,4 |
| Abstand Fahrzeughälften | 350 | 4,0 | 5,2-6,8 |
| Höhenmasse über SO |
| Dachoberkante (OK Dachhauben): | 4 445 | 51,1 | 51,0 |
| Breitenmaße |
| Breite Lokkasten: | 2 910 | 33,4 | 34,5 |
| Radstände |
| Gesamtachsstand: | 16 350 | 187,9 | 188,8 -190,4 |
| Lokachsstand: | 6 000 | 68,9 | 68,9 |
| Raddurchmesser: | 1 250 | 14,4 | 14,0 |
| Puffermasse |
| Pufferhöhe über SO: | 1 050 | 12,1 | 12,5 |
| Puffermittenabstand: | 1 750 | 20,1 | 19,8 |
| Pufferlänge: | 650 | 7,5 | 7,5 |
| Radsatzmaße entsprechend Märklin-Werksnorm |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,4-0,2 | 14,2 |
| Spurkranzhöhe: | - | 1,35+0,05 | 1,4 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,9+0,1 | 0,9 |
| Alle Maße in mm |
Meßwerte V 188
| Gewicht Lok: | 765 g |
| Haftreifen: | 8 |
| Meßergebnisse Zugkraft |
| Ebene: | 162 g |
| 3% Steigung: | 136 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 185 km/h bei 12 V |
| VVorbild: | 75 km/h bei 9,8 V |
| Vmin: | ca. 10 km/h bei 7,2 V |
| VNEM zulässig: | 105,0 km/h bei 16 V |
| Auslauf | |
| aus Vmax: | 450 mm |
| aus VVorbild: | 83 mm |
| Lichtaustritt |
| vorn: | ab 46 km/h bei 8 V |
| hinten: | ab 46 km/h bei 8 V |
| ungefährer Ladenpreis | DM 470,- |
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