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Auch moderne Triebzüge können ihren Reiz haben - das beweist Piko einmal mehr mit dem Modell des „Regio-Swinger“ der Baureihe 612. Die eleganten Formen des bei Bombardier (ex Adtranz) gebauten Fahrzeugs werden im Modell exakt wiedergegeben. Auf den ersten Blick wirkt der Triebzug völlig glatt und ohne allzu viele Details, doch dieser Eindruck täuscht ganz gewaltig. Bei näherer Betrachtung haben die Sonneberger Konstrukteure und Formenbauer nämlich Beachtliches geleistet. Die nicht ganz einfache Form der Köpfe wird korrekt nachgebildet. Die Fenster sind absolut passgenau und spaltfrei eingesetzt, die schwarzen Gummidichtungen durch eine feine aufgedruckte Linie angedeutet. Der Kasten für die Klimaanlage auf dem Dach ist mit allen Lüftergittern und Klappen sehr fein graviert; auch die Warnschilder wurden hier nicht vergessen. Die Drehgestelle sind ebenfalls sehr exakt detailliert, Ausgleichs- und Ansteuerungshebel der Neigeeinrichtung sind als separate Teile angesetzt.
Die Lackierung des Modells hat ebenfalls ein großes Lob verdient. Sie ist sehr sauber, die Farbtrennkanten konturenscharf. Lediglich an den grauen Türen fanden sich bei unserem Testexemplar einige kleine Fussel im Lack. Die Beschriftung ist komplett und größenrichtig aufgedruckt; die DB-Kekse sind auch beim Vorbild so klein und unauffällig angebracht, fast so als ob der Eigentümer hier gar nicht in Erscheinung treten möchte ...
Die Inneneinrichtung besteht aus einem einzigen blauen Teil, das auch den Antrieb verdeckt. Zusammen mit den vorbildgerecht leicht getönten Fensterscheiben wird hier ein überzeugender optischer Eindruck erreicht. lk
Die Technik des Piko-Modells
Es ist nicht ganz einfach, das im Schürzenbereich leicht eingezogene Gehäuse an den insgesamt sechs Rastverbindungen so zu spreizen, dass das Kunststoffgehäuse sich nach oben abziehen lässt. Wenn es denn gelungen ist, präsentiert sich ein aufwändiges Innenleben. Im durchgehenden Kunststoffrahmen lagert ein gekapselter, fünfpoliger Motor mit Schwungscheibe, der über ein Kardangelenk das vordere Drehgestell antreibt.
Alle Drehgestelle bestehen aus Zinkdruckguss, die - mittig in Längsrichtung isoliert geteilt - von allen Rädern eine schleiferlose Stromabnahme ermöglichen. Dazu sind die Achsen aller Radsätze mittig durch die Zahnräder oder durch Kunststoffbuchsen isoliert. Eine auf den Wagenboden aufgerastete Inneneinrichtung verdeckt den im vorderen Türbereich angeordneten Motor.
Oberhalb der Inneneinrichtung trägt eine über die gesamte Fahrzeuglänge durchgehende Leiterplatte einen Lichtleitkörper, der für eine gleichmäßige Verteilung der Innenbeleuchtung sorgt. Separat angesteckt ist die Beleuchtung der Fahrtrichtungsanzeige, bestehend aus drei rechteckigen Leuchtdioden. Auf einer eigenen kleinen Leiterplatte unterhalb des Führerstandes befinden sich die Leuchtdioden für Stirn- und Schlussbeleuchtung in SMD-Technik, ihre unmittelbare Anordnung hinter den Stirnlampen verfehlt ihre Wirkung nicht. Beide Fahrzeughälften sind durch eine trennbare achtpolige, in einer Kinematik geführten Kupplung verbunden.
Durch die Stromabnahme von allen Rädern verhält sich der Triebwagen jeder Fahrtrichtung gleich. Die Fahrzeuglänge und der gute Auslauf bedingen jedoch recht lange stromlose Abschnitte, damit das Fahrzeug noch vor dem Ende des Halteabschnittes zum Stehen kommt. Wenn es dadurch bei stromlosen Abschnitten vor Signalen, in Blockstellen oder im Schattenbahnhof Probleme geben sollte, wurde von Piko vorgesehen, durch Ablöten oder Abtrennen der Zuleitungen des jeweils vorderen Drehgestells die Stromabnahme nur noch auf die beiden mittleren Drehgestelle zu beschränken. Steckkontakte wären hier vielleicht etwas eleganter gewesen. Da das Potenzial aller Drehgestellseiten jedoch einzeln zur Leiterplatte hochgeführt wird, sind durchaus auch andere Schaltungen denkbar ... Das Fahrzeug läuft leise und taumelfrei bis zur unwesentlich überhöhten Endgeschwindigkeit und lässt sich dabei sehr geschmeidig regeln. Nur plötzliche Spannungssprünge sollten vermieden werden, da durch den Antrieb des Enddrehgestells die Schleuderneigung hoch ist. Das Auslaufverhalten ist sehr gut. Auf eine Neigetechnik wurde richtigerweise verzichtet, da eine rein bogenabhängige mechanische Steuerung nur spielzeughaft wirkt.
Entsprechend dem Vorbild ist auch vorgesehen, mehrere Triebwageneinheiten zu kuppeln. Hierzu wird nach Tausch der vorderen Schürzenelemente ein Normschacht zugänglich, in den eine Kupplung eingerastet werden kann. Allerdings wäre der Aufwand für eine kulissengeführte Kupplungsdeichsel bei einem pufferlosen Fahrzeug nicht erforderlich gewesen.
Schöner wäre stattdessen eine starre Deichsel mit der Nachbildung einer gekuppelten Scharfenberg-Kupplung gewesen, die wie beim Vorbild an deren Drehpunkt angegriffen hätte. Auf eine funktionsfähige Scharfenberg-Kupplung angesichts der vielen neuen Triebwagenmodelle wagen wir erst gar nicht zu hoffen ...
Das Modell ist in einem großen Styroporkasten sicher verpackt. Eine ausführliche Bedienungsanleitung und das übliche Ersatzteilblatt runden den Lieferumfang ab.
Fazit
Ein sauber und aufwändig gearbeitetes Modell eines hochaktuellen und formschönen Vorbildes, das allen Ansprüchen an eine zeitgemäße Ausführung voll gerecht wird. Bernd Zöllner
Maßtabelle BR 612 in H0 von Piko
| | Vorbild | 1:87/NEM | Modell |
| Längenmaße |
| Länge über Schaku: | 51 760 | 594,9 | 595,7 |
| Länge über Wagenkasten: | 25 400 | 292,0 | 292,3 |
| Höhenmaße über SO |
| Dachoberkante: | 3 850 | 44,3 | 44,1 |
| Oberkante Klimagerät: | 4 100 | 47,1 | 47,2 |
| Breite Fahrzeugkasten: | 2 852 | 32,8 | 33,1 |
| Fahrzeugabstand zwischen Wagenkästen: | 450 | 5,2 | 5,5 |
| Radstände |
| Drehgestellachsstand: | 2 450 | 28,2 | 28,0 |
| Drehzapfenabstand: | 17 500 | 201,1 | 201,1 |
| Abstand Kastenende- vorderer Drehzapfen: | 4 800 | 55,2 | 55,5 |
| Abstand Kastenende-hinterer Drehzapfen: | 3 100 | 35,6 | 35,7 |
| Raddurchmesser: | 890 | 10,2 | 10,0 |
| Länge Schaku: | 255 | 2,9 | 2,8 |
| Höhe Schaku (Mitte) über SO: | 1 015 | 11,7 | 11,5 |
| Radsatzmaße entsprechend NEM |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,3+0,1 | 14,3 |
| Radbreite: | - | 2,8min | 3,0 |
| Spurkranzhöhe: | - | 1,2max | 1,0 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,7-0,9 | 0,9 |
Messwerte BR 612 von Piko
| Gewicht Triebkopf: | 357 g |
| Gesamtgewicht: | 591 g |
| Haftreifen: | 2 |
| Messergebnisse Zugkraft |
| Ebene: | nicht gemessen |
| 3% Steigung: | nicht gemessen |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 180 km/h bei 12 V |
| VVorbild: | 160 km/h bei 11 V |
| Vmin: | ca. 5 km/h bei 1 V |
| NEM zulässig: | 224 km/h bei 12 V |
| Auslauf |
| aus Vmax: | 275 mm |
| aus VVorbild: | 257 mm |
| Stromaufnahme |
| Ebene: | 310 mA |
| 3% Steigung: | 330 mA |
| Lichtaustritt: | ab 28 km/h bei 2,5 V |
| Schwungscheibe |
| Anzahl: | 1 |
| Durchmesser: | 18,0 mm |
| Länge: | 10,5 mm |
| Ungefährer Preis: | EUR 220,- |
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