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Ich sei, gewährt mir die Bitte, in Eurem Bunde die Dritte", hört man mit den Worten aus Schillers Bürgschaft das neue Piko-Modell rufen. Und tatsächlich ergänzt die E 04 als Schnellzugmaschine neben der Rangierlok E 63 und der Güterzuglok E 93 ausgezeichnet das Altbauellok-Angebot des thüringischen Herstellers.
Beim Betrachten der Dachpartie der E 04 bietet sich das gleiche hohe Niveau wie bei der E 93. Jedes Detail des Vorbildes ist an der richtigen Stelle. Selbst die auf den Deckleisten in Zweierreihen angeordneten Nieten sind zierlich und korrekt. Beachtenswert ist die durch eine Verjüngung der Materialstärke dünne Dachvorderkante.
Die Ausführung der Dachleitung aus Kunststoff ermöglichte es, auch die Isolatorkappen mit den seitlichen Befestigungsschellen vorbildgetreu und farblich richtig darzustellen. Etwas plump wirken dagegen die angespritzten Nachbildungen der Pfeifen durch den zu großen Durchmesser im unteren Bereich. Besser wäre ein eingesetztes Messing-Drehteil, das bei anderen Herstellern schon lange üblich ist.
Vorbildgerecht hat das Modell Nachbildungen der Stromabnehmer-Bauart SBS 39 mit eingezogener Oberschere und Doppelschleifstück - eine Eigenentwicklung, die die Optik stimmig wiedergibt. Dazu gehört auch die korrekte Nachbildung des Drehisolatorantriebs, der in der Stellung bei gehobenem Stromabnehmer dargestellt wurde, in der er deutlicher sichtbar ist. Bedauerlicherweise wurden die Füße der seitlichen Isolatorböcke unvollständig nachgebildet. Wohl aus Farbtrennungsgründen wurden sie zum Bestandteil des Daches und ihre typische Form reduzierte sich auf rechteckige Angüsse.
Seiten- und Stirnwände bestechen durch saubere, in allen Details stimmige Gravuren. Dazu gehören die in Lage und Größe korrekten Nachbildungen aller Nieten einschließlich der Deckleisten oder die präzise gravierten Lüftergitter. Die Vorbauten sind separat angesetzt. Dadurch konnten deren Oberseiten vorbildgerecht unterschiedlich ausgeführt werden. Absolut passgenau sind alle Fenster eingesetzt, an den Stirnseiten zeigen sie sogar die Nachbildungen der Heizscheiben mit den gravierten und farblich abgesetzten Scheibenwischern.
Alle Griffstangen sind separat angesetzt, aus verpackungstechnischen Gründen müssen sie vom Käufer teilweise selbst angebracht werden. Dank der Ausführung mit konischen Zapfen lassen sie sich leicht einsetzen und halten beim Eindrücken sofort fest. Durch das verwendete Polystyrol sind die Aufstiegsgriffstangen an den Führerstandstüren besonders präzise und gerade, aber leider recht bruchgefährdet.
Die Nachbildung des Rahmens als separates Kunststoffteil stimmt in jedem Detail. Der Verzicht auf reliefartige Andeutungen frei stehender Teile führt aus jedem Blickwinkel zu einem vorbildgerechten Eindruck. Dies gilt für die separat aufgesetzten Schleuderkammern der Radlager ebenso wie für die freistehenden Lenkbügel des Laufgestells, ganz besonders aber für die angesetzten Sandkästen mit ihren frei stehenden Sandfallleitungen wie auch für das Sifa-Gerät auf der rechten Seite und den Schlammabscheider auf der linken Seite. Hervorzuheben sind die durchgehenden Quertraversen als äußere Fixpunkte des Bremsgestänges.
Der Außenrahmen musste im Bereich der Laufräder wegen der engen Modellbahnradien ausgespart werden. Für die Vitrine liegen dem Modell zusätzlich vorbildgerechte Rahmenteile zum Tausch bei, die einen Einsatz bis zu einem Radius von 1500 mm ermöglichen. Der rechts vorn an einem dieser Rahmenteile angebrachte Luftkühler sollte silber nachlackiert werden.
Erstmalig wurde die Nachbildung der Treibräder mit Federtopfantrieb durchbrochen dargestellt, sodass Speichen und Federtöpfe deutlich erkennbar werden. Genauso vorbildgerecht sind die geschlossenen Naben der Laufräder mit dem typischen Abschluss der Radsatzwelle.
Die Führerstandseinrichtung zeigt den Fahrschalter und die darüber liegenden Messinstrumente, davor ist im Führerstand 1 ein Lokführer eingesetzt. Die Nachbildung des Maschinenraumes ist bei unserem Vorserienmuster noch recht hell ausgeführt, wird in der Serie aber dunkelgrau sein. Insgesamt präsentiert sich das Modell in tadellosem Finish in korrekter Farbgebung und lupenreiner Beschriftung, die in Größe und Inhalt absolut korrekt ist.
Technik
In bewährter Weise wurde der Rahmen der Lok aus Zinkdruckguss gefertigt, das Gehäuse aus Kunststoff ist aufgerastet. Im Rahmen liegt der dreipolige Motor mit zwei Wellenenden, über je ein Schnecken- und Stirnradgetriebe werden alle Treibachsen bewegt. Die äußeren Treibachsen lagern ohne Seitenspiel im Rahmen und auf je einem Rad befinden sich diagonal angeordnet die Haftreifen. Der mittlere Radsatz hat Seiten-, aber leider kein Höhenspiel.
Die asymmetrische Verteilung des Reibungsgewichtes auf alle drei angetriebenen Achsen führt je nach Fahrtrichtung zu unterschiedlichen Zugkräften. Fahrversuche ohne die mittlere Achse ergeben eine günstigere Zugkraft, denn jetzt ruht auf den beiden äußeren, symmetrisch zum Lokaufbau angeordneten Achsen jeweils exakt das halbe Eigengewicht. Es wäre also besser gewesen, sich auf den Antrieb der äußeren beiden Achsen zu beschränken und die mittlere Treibachse abgefedert und mit Höhenspiel für eine zuverlässige Stromabnahme zu nutzen.
Oberhalb des Motors liegt die Platine einschließlich achtpoliger Schnittstelle und Umschalter für Oberleitungsbetrieb. Eine Kunststoffmulde unterhalb einer Aussparung in der Platine dient der Fixierung des Motors und bietet Raum für einen Decoder. Ein Kontaktblech an der Dachinnenseite stellt die Verbindung zu den Stromabnehmern her. Radschleifer, die von hinten an allen Treibrädern arbeiten und zusätzlich einseitige Radschleifer an jeder Laufachse sorgen für eine ausreichende Anzahl von Kontaktpunkten.
Die Lok fährt schon bei 1,4 V fast geräuschlos an und lässt sich bis leicht über die Vorbildgeschwindigkeit hochregeln. Sie läuft auch bei höheren Geschwindigkeiten ruhig und taumelfrei. Die Schwungscheibe sorgt für ein geschmeidiges Regelverhalten und für einen ausreichenden Auslauf.
Leuchtdioden sorgen für eine mit der Fahrtrichtung wechselnde Stirn- und Schlussbeleuchtung. Sie haben schon bei geringer Spannung eine hohe Intensität, die sich mit wechselnder Fahrspannung nur wenig verändert.
Die Kurzkupplungsdeichsel ist hier nicht ganz unproblematisch: Da der Normschacht noch innerhalb des Lenkgestellrahmens liegt, muss das Lenkgestell die durch eine Zugfeder gerade gehaltene Deichsel beim Einlauf in einen Gleisbogen auslenken. Diese zusätzlichen Querkräfte können bei unsauberer Gleislage leicht zur Entgleisung führen. Für einen sichereren Betrieb wäre es wohl besser gewesen, die Beweglichkeit der Kupplungsdeichsel unabhängig vom vorderen Rahmenteil des Lenkgestells zu gestalten.
Fazit
Ein gelungenes Modell, dessen hoher Standard Piko zu einem führenden Anbieter von Altbau-Elloks macht. Am Antriebskonzept wird erneut deutlich, wie wichtig die Beachtung von eisenbahnphysikalischen Grundlagen auch im Modell sein kann. bz
Maßtabelle E 04 in H0 von Piko
| | Vorbild | 1:87/NEM | Modell |
| Längenmaße |
| Länge über Puffer: | 15 720 | 180,69 | 181,00 |
| Länge über Lokkasten: | 13 800 | 158,62 | 159,80 |
| Höhenmaße über SO |
| Dachoberkante: | 3 898 | 44,80 | 45,00 |
| Stromabnehmer in Senklage: | 4 513 | 51,87 | 55,00 |
| Breitenmaße |
| Breite über Lokkasten: | 3 144 | 36,14 | 36,00 |
| Schleifstückbreite: | 1 950 | 22,41 | 22,20 |
| Radstände |
| Gesamtachsstand: | 11 600 | 133,33 | 133,30 |
| Abstand Laufachse-Treibachse: | 2 800 | 32,18 | 32,20 |
| Abstand Treibachsen vorn: | 1 900 | 21,84 | 21,80 |
| Abstand Treibachsen hinten: | 4 100 | 47,13 | 47,10 |
| Treibraddurchmesser: | 1 600 | 18,39 | 18,50 |
| Laufraddurchmesser: | 1 000 | 11,49 | 11,50 |
| Puffermaße |
| Pufferhöhe über SO: | 1 050 | 12,07 | 12,30 |
| Puffermittenabstand: | 1 750 | 20,11 | 20,00 |
| Pufferlänge: | 650 | 7,47 | 7,3 |
| Radsatzmaße entsprechend NEM |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,3+0,1 | 14,30 |
| Radbreite: | - | 2,8min | 3,10 |
| Spurkranzhöhe: | - | 1,2max | 1,00 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,7-0,9 | 0,80 |
Messwerte E 04 von Piko
| Gewicht Lok: | 373 g |
| Haftreifen: | 2 |
| Messergebnisse Zugkraft |
| Ebene vorwärts/rückwärts: | 176/139 g |
| 3% vorwärts/rückwärts: | 159/124 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 140 km/h bei 12 V |
| VVorbild: | 130 km/h bei 11 V |
| Vmin: | ca. 5,5 km/h bei 1,4 V |
| NEM zulässig: | 182 km/h bei 12 V |
| Auslauf |
| aus Vmax: | 282 mm |
| aus VVorbild: | 248 mm |
| Stromaufnahme: |
| Lokleerfahrt (12 V): | 110 mA |
| bei max. Zugkraft: | 220 mA |
| Lichtaustritt: | ab 4 km/h bei 35 V |
| Schwungscheibe |
| Anzahl: | 1 |
| Durchmesser: | 20,9 mm |
| Länge: | 6,1 mm |
| Ungefährer Preis: | DM 380,- |
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