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Schon in Heft 5/1949 regte die MIBA durch einen Bauplan der E 63 ein H0-Modell an. Während aber die schwerere Schwester, die E 60, schon geraume Zeit zu haben ist, mußte die E 63 bis heute auf ihre Verwirklichung als adäquates Großserienmodell warten. Daß sich das Warten gelohnt hat, stellte Bernd Zöllner bei seinem MIBA-Test fest.
Schon der Styropor-Einsatz der Verpackung verheißt mit erhabenen Lettern "TOP". Was lediglich die Oberseite des Modells kennzeichnen soll, charakterisiert die gesamte Machart dieser Neukonstruktion: Endlich ein maßstäbliches Modell der E 63, werden viele Ellok-Freunde nach dem Erscheinen des Piko-Modells sagen. Denn viele kennen noch gut die relativ einfachen Modelle, die 1953 von Märklin und 1955 von Piko auf den Markt kamen. Daher erscheint es nur folgerichtig, daß Piko sich zu einem Neubau dieser "Traditionslok" entschlossen hat. Und dies in kompromißloser Maßstäblichkeit.
Optik
Das typische Erscheinungsbild der Rangierlok mit ihrem Mittelführerhaus und den flachen Vorbauten wurde exakt getroffen. An erster Stelle hervorzuheben ist die Eigenkonstruktion des Stromabnehmers, hier als Nachbildung des SBS 9. Er ist in allen Hauptabmessungen maßstäblich, besitzt korrekt drei Hubfedern, und durch den Verzicht auf eine Bodenplatte hat man den freien Blick aufs Lokdach. Die seitliche Befestigungsschraube fällt kaum noch auf.
Die richtige Form des Schleifstückes wurde leider nicht so ganz getroffen, was noch durch die silbrige Farbgebung unnötig betont wird. Hier wäre durch eine Schwarzvernickelung, wie sie an Radsätzen heute Standard ist, eine optische Tarnung möglich.
Die Nachbildung des Stromabnehmerantriebes fehlt, dadurch steht der Durchführungsisolator für die Luftleitung recht verloren auf dem Dach. Auch die Form der Diabolo-Glockenisolatoren hätte deutlicher herausgearbeitet werden können. Die einzige vorhandene Dachleitung verläuft vom Stromabnehmer leider nicht über den entsprechenden Isolator, sondern führt daran vorbei zu der bestens nachgebildeten Hochspannungssicherung.
Am Führerhaus sind die spaltfrei eingesetzten Führerstandsfenster beachtenswert! Die beiden Vorbauten wurden in allen Einzelheiten (Klappen, Scharniere, Regenfallrohre mit Befestigungsschellen!) korrekt nachgebildet, hier fallen in Teilbereichen die im Vergleich zu den Dachnieten besonders feinen (und kaum sichtbaren) Nieten-Nachbildungen positiv auf.
Alle waagerechten Griffstangen sind bereits ab Werk separat angesetzt, während die senkrechten Griffstangen noch zugerüstet werden müssen. Der hervorragende Paßsitz ist mustergültig. Man spürt regelrecht, wie beim Eindrücken der Griffstangen der feste Sitz entsteht.
Lediglich bei den Griffstangen des Führerhauses empfiehlt es sich, die unteren, nicht durchgehenden Bohrungen mit 0,5 mm Ø aufzubohren, damit die Zapfen sich auf den richtigen Abstand eindrücken lassen. Der Styropor-Einsatz der Verpackung gestattet auch das Einlegen der zugerüsteten Lok, ohne die Zurüstteile zu beschädigen.
Ebenfalls einen korrekten Eindruck hinterlassen die Rangierbühnen mit ihren präzise ausgeführten freistehenden Geländern. Unterhalb des Rahmens sind insbesondere auf der linken Seite die in der Anzahl der Windungen korrekte Ausführung des Luftkühlers, das Sifa-Gerät, die korrekt rot lackierte Prüfsteckdose und der kleine Luftbehälter hervorzuheben.
Neben den schwarzvernickelten Laufflächen gefallen die Treibräder durch kompromißlos korrekte Darstellung, zu der auch die unterschiedliche Stärke der Gegengewichte gehört. Konsequenterweise wurden auch die geätzten Treib- und Kuppelstangen wohltuend dunkel ausgeführt. Ein schönes Detail im Fahrwerksbereich: die separat angesetzten Sandkästen mit der Nachbildung der Sandfallrohre.
Die seidenmatte Lackierung in den korrekten Farbtönen wurde sauber und deckend aufgetragen. Die Beschriftung ist bezogen auf das konkrete Vorbild in Typographie und Inhalt völlig richtig und sehr sauber gedruckt. Gleiches gilt für die feine sehr exakt gedruckte, sandgelbe Zierlinie oberhalb des Umlaufbleches.
Technik
Das Abnehmen des Gehäuses wurde geschickt gelöst: Zuerst wird der Führerstand nach oben abgezogen, danach können mit einem dem Modell beiliegenden Haken an den vier äußeren Ecken die Rastnasen entriegelt werden. Nach dem Entriegeln bleibt die jeweilige Rastnase entriegelt und schnappt nicht gleich wieder ein.
In einem Gewichtsblock eingebettet findet sich ein längs angeordneter 3-poliger Motor mit Schwungscheibe, der über ein kombiniertes Schnecken-/ Stirnradgetriebe beide äußeren Treibachsen antreibt. Die Stromabnahme erfolgt von allen Rädern durch rückwärtige Schleifkontakte, die zur Tarnung teilweise schwarz lackiert sind.
Das Modell bewegt sich taumelfrei, ist leise und hat hervorragende Langsamlaufeigenschaften. Dies spricht für eine sehr präzise ausgeführte Mechanik. Bei einem Modell dieser Größenordnung reicht die Zugkraft für einen vorbildgerechten Rangierbetrieb, auch mit längeren Zuggarnituren, völlig aus.
Die Beleuchtung erfolgt für eine Rangierlok korrekt ständig auf beiden Seiten durch Leuchtdioden in SMD-Technik. Mittlerweile eine Selbstverständlichkeit ist die Schnittstelle nach NEM 652 und der zugehörige Einbauraum für den Digitaldecoder. Das gleiche gilt für den Normschacht auf beiden Seiten mit Kulissenkinematik.
Fazit
Ein rundum gelungenes Modell, das in allen Disziplinen den heutigen Anforderungen an ein gutes Modell voll entspricht. Es ist zu hoffen, daß im Rahmen der Produktpflege mit weiteren Varianten dieses interessanten Lokmodells gerechnet werden kann - für das Jahresende ist bereits in einer Jubiläumspackung die grüne Epoche-II-Version angekündigt. Schön wäre es, wenn eines Tages auch ein Modell der etwas bulligeren BBC-Variante folgen würde, an das sich bisher noch kein Modellbahnhersteller gewagt hat. bz
Maßtabelle E 63 08 von Piko in H0
| | Vorbild | 1:87/NEM | Modell |
| Längenmaße |
| Länge über Puffer: | 10 200 | 117,2 | 117,2 |
| Länge über Kasten: | 8 900 | 102,3 | 103,1 |
| Höhenmaße über SO |
| Dachoberkante: | 3 900 | 44,8 | 45,0 |
| Gesamthöhe Oberkante (Stromabnehmer gesenkt): | 4 650 | 53,4 | 56,4 |
| Breitenmaße |
| Breite über Rangiertritte: | 3 084 | 35,4 | 35,8 |
| Breite Führerhaus: | 2 760 | 31,7 | 32,0 |
| Breite Vorbauten: | 2 650 | 30,5 | 30,5 |
| Schleifstückbreite: | 1 950 | 22,4 | 23,2 |
| Radstände |
| Gesamtachsstand: | 4 500 | 51,7 | 51,7 |
| Abstand Achse A zu B: | 3 000 | 34,5 | 34,2 |
| Abstand Achse B zu C: | 1 500 | 17,2 | 17,5 |
| Raddurchmesser: | 1 250 | 14,4 | 14,3 |
| Puffermaße |
| Pufferhöhe über SO: | 1 050 | 12,1 | 12,9 |
| Pufferlänge: | 650 | 7,5 | 7,6 |
| Puffermittenabstand: | 1 750 | 20,1 | 20,0 |
| Radsatzmaße entsprechend NEM |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,3+0,1 | 14,3 |
| Radbreite: | - | 2,8min | 3,1 |
| Spurkranzhöhe: | - | 1,2max | 1,2 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,7-0,9 | 0,7 |
Meßwerte E 63 von Piko
| Gewicht Lok: | 163 g |
| Haftreifen: | 2 |
| Meßergebnisse Zugkraft |
| Ebene vorwärts: | 50 g |
| Ebene rückwärts: | 52 g |
| 3% Steigung vorwärts: | 45 g |
| 3% Steigung rückwärts: | 45 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 80 km/h bei 12 V |
| VVorbild: | 45 km/h bei 6,9 V |
| Vmin: | ca. 3,5 km/h bei 1,4 V |
| Auslauf |
| aus Vmax: | 60 mm |
| aus VVorbild: | 23 mm |
| Lichtaustritt |
| vorn: | ab 20 km/h bei 4 V |
| hinten: | ab 20 km/h bei 4 V |
| Schwungscheibe |
| Anzahl: | 1 |
| Durchmesser: | 13 mm |
| Länge: | 6,5 mm |
| Ungefährer Preis: | DM 280,- |
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