  
  

  
  
  
  
  

  
  
  
  
  

  
  
  
  
  
  
  
  
|
|
Bereits vor einiger Zeit sorgte eine offensichtlich etwas voreilige Veröffentlichung für Verwirrung bei Händlern wie Kunden, denn zu diesem Zeitpunkt war das Modell der 89.2 von Piko noch gar nicht lieferbar. Jetzt ist es aber tatsächlich soweit, daß die kleine Rangierlok auf dem Ladentisch zu finden ist. Bernd Zöllner hat sich die Technik des Modells näher angesehen, und Lutz Kuhl nahm die Optik unter die Lupe.
Der kleine sächsische C-Kuppler der Bauart V T (sprich fünf T) hat einen erstaunlich langen Beschaffungszeitraum hinter sich: Die ersten Maschinen dieser Gattung entstanden bereits 1872, die letzten wurden 1919 gebaut. Ursprünglich wurden die Loks als H T bezeichnet und 1876 in H V T umbenannt; 1896 erhielten sie die Bezeichnung V T. Die bis 1895 gebauten Maschinen wurden von der Reichsbahn 1925 als BR 89.82 eingereiht, die nachfolgenden als BR 89.2.
Gemeinsam ist ihnen dabei eigentlich nur die Achsfolge, auch der Achsstand variiert nur geringfügig. Im Äußeren unterschieden sich die Loks der unterschiedlichen Baulose dagegen doch erheblich; die typische Handschrift des Herstellers Hartmann blieb jedoch immer deutlich erkennbar. Die kleinen Maschinen wurden vor allem im Rangierdienst eingesetzt; gelegentlich waren sie auf Nebenbahnen, aber auch vor kurzen Güter- und Personenzügen zu sehen. Piko wählte für seine Lok eine Maschine der Lieferserie des Jahres 1901, deren letzte Exemplare 1967 ausgemustert wurden - aber auch danach waren noch einige Maschinen bei verschiedenen Werkbahnen zu finden.
Mit dem alten Modell, das viele Jahre im Katalog der Sonneberger zu finden war, hat es jedoch nicht viel mehr als die Baureihenbezeichnung gemeinsam; so wurde das Fahrwerk komplett neu entwickelt. Auch das Gehäuse wurde wie schon bei der E 11 in der Detaillierung an den heute üblichen Standard angepaßt.
Die Stellstangen zum Dampfdom und die Griffstange über der Rauchkammertür sind freistehend ausgeführt; Sicherheitsventil und Dampfpfeife liegen ebenfalls als separate Steckteile bei. Gut gefällt auch die saubere Gravur mit den sehr feinen Nietreihen an Wasserkästen und Führerhaus. Etwas plump und wenig plastisch ist dagegen die Kohlenachbildung in dem zusätzlichen Kasten auf der Heizerseite geraten - aber hier läßt sich mit etwas echter Kohle schnell Abhilfe schaffen.
Die Lackierung ist sehr sauber in einem matten Schwarz ausgeführt, die leicht rauhe Oberfläche gibt dabei das typische Äußere einer nicht mehr ganz fabrikneuen Dampflok ausgezeichnet wieder. Die DRB-Beschriftung ist sehr fein und unter der Lupe lesbar. Die Lokschilder an den Führerhausseitenwänden sind zwar nicht erhaben, aber dafür auf glänzende Flächen gedruckt; so wird der Eindruck von echten Lokschildern erreicht, ohne daß bei einer anderen Beschriftungsvariante zusätzliche Formkosten entstehen - sicher ein akzeptabler Kompromiß. Beschriftet ist das Modell als 89 251 des Bw Dresden-Altstadt.
Aufgrund der beim Vorbild innenliegenden Allan-Steuerung sieht das Gestänge auf den ersten Blick etwas kahl aus. Dafür sind aber der Kreuzkopf und die Lager der Treib-und Kuppelstangen sehr fein detailliert; daß letztere aus Kunststoff bestehen, ist durch die silbern-metallisch wirkende Vernickelung nicht so ohne weiteres zu erkennen. Jetzt noch ein paar Tropfen ölig-schwarzer Farbe, und der Eindruck einer hart arbeitenden Rangierlok stimmt ... lk
Technik
Mit dem Spreizen des Gehäuses im Bereich des Führerhauses läßt es sich leicht nach oben kippen und abnehmen. Das gesamte Fahrwerk besteht aus Zinkdruckguß; nach dem Abnehmen einer Abdeckplatte aus Kunststoff lassen sich die Treibräder komplett aus dem Rahmen nehmen. An den beiden Lokenden wird ein Normschacht nach NEM 362 in einer Kurzkupplungs-Kulisse geführt. Der in Längsrichtung angeordnete Motor mit Schwungscheibe überträgt sein Drehmoment über ein Schnecken- und Stirnradgetriebe auf die mittlere Treibachse, die beiden anderen Kuppelachsen werden über die Kuppelstangen angetrieben. Die Stromabnahme erfolgt über Radschleifer von allen Rädern: bei der Treibachse von der Rückseite, bei den Kuppelachsen von oben von der Lauffläche.
Die Stirnbeleuchtung besteht aus Leuchtdioden, die sich in den freistehenden Loklaternen befinden. Sie wechselt mit der Fahrtrichtung und ist bereits im Stillstand der Lok bei 1,5 V sichtbar. Eine Schnittstelle nach NEM 623 und der notwendige Einbauraum für einen Decoder sind ebenfalls vorhanden. Bei knapp 3 V setzt sich das Modell in Bewegung und erreicht seine umgerechnete Vorbildgeschwindigkeit von 50 km/h bei 8,3 V. Mit 79 km/h bei 12 V liegt die Höchstgeschwindigkeit des Modells leicht über den nach NEM zulässigen 70 km/h.
Über den gesamten Regelbereich zeigt das Modell ein sehr geringes Fahrgeräusch und ein einwandfreies Laufverhalten. Die Schwungscheibe sorgt beim Abschalten der Referenzspannung von 12 V für einen ganz passablen Auslauf von (im Mittel) 105 mm, der sich naturgemäß bei der Verringerung auf die Vorbildgeschwindigkeit auf etwa etwa 45 mm reduziert. Da das Modell nicht über Haftreifen verfügt, ist die Zugkraft mit 22g in der Ebene und 17g bei einer Steigung von 3% eher bescheiden, für vorbildgerechte Zugkompositionen dürfte sie aber ausreichend sein. bz
Maßtabelle BR 89.2 von Piko in H0
| | Vorbild | 1:87 | Modell |
| Länge über Puffer: | 9 635 | 110,7 | 111,4 |
| Höhe über Schlotoberkante: | 4 150 | 47,7 | 50,2 |
| Höhe über Kesselmitte: | 2 000 | 23,0 | 23,4 |
| Pufferhöhe über SO: | 1 050 | 12,1 | 12,0 |
| Puffermittenabstand: | 1 750 | 20,1 | 20,1 |
| Breite Lokkasten: | 2 904 | 33,4 | 32,9 |
| Zylindermittenabstand: | 2 305 | 26,5 | 26,8 |
| Achsstände |
| Gesamtachsstand: | 3 060 | 35,2 | 35,8 |
| Kuppelachse 1 zu Kuppelachse 2: | 1 600 | 18,4 | 18,4 |
| Kuppelachse 2 zu Kuppelachse 3: | 1 460 | 16,8 | 17,4 |
| Raddurchmesser Treib- und Kuppelräder: | 1 240 | 14,2 | 14,3 |
| Speichenzahl Treib- und Kuppelräder: | 12 | - | 12 |
| Radsatzmaße entsprechend NEM | | NEM | |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,3+0,1 | 14,3 |
| Spurkranzhöhe: | - | 1,2max | 1,1 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,7-0,9 | 0,8 |
| Radbreite: | - | 2,8min | 3,0 |
| Alle Maße in mm |
Meßwerte BR 89.2 von Piko
| Gewicht Lok: | 174 g |
| Haftreifen: | keine |
| Meßergebnisse Zugkraft |
| Ebene: | 22 g |
| 3% Steigung: | 17 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 79 km/h bei 12 V |
| VVorbild: | 50 km/h bei 8,3 V |
| Vmin: | ca. 35 km/h bei 3 V |
| VNEM zulässig: | 70 km/h bei 11 V |
| Auslauf |
| aus Vmax: | 105 mm |
| aus VVorbild: | 45 mm |
| Lichtaustritt |
| vorn: | ab 0 km/h bei 1,5 V |
| hinten: | ab 0 km/h bei 1,5 V |
| Schwungscheibe |
| Anzahl: | 1 |
| Durchmesser: | 12,8 mm |
| Länge: | 5 mm |
|