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Als Hauptneuheit für DB-Epoche-III-Fans kündigte Roco zur diesjährigen Spielwarenmesse die 01 mit Neubaukessel an. Bereits zum Sommer war das Modell lieferbar und überraschte damit viele, die sich schon auf eine längere Geduldsprobe eingestellt hatten. Und das, obwohl an dieser Lok im Vergleich zur bekannten Altbaukessel-01 wesentlich mehr geändert wurde als nur der Kessel.
Der Kessel ist mit seinem glattflächigen Äußeren perfekt getroffen. In feinster Gravur sind vor dem Schlot zwei Abdeckbleche dargestellt. Die zur Mischvorwärmeranlage gehörenden Leitungen sind frei stehend verlegt. Der doppelwandige Schlot, die Haube des Heißdampfreglers und der einzige Dom charakterisieren diesen Neubaukessel sehr gut. An der Oberseite ließen sich allenfalls die Betätigungsstangen der Ackermann-Sicherheitsventile nachrüsten.
An der Lokführerseite des Kessels finden sich so typische Bauteile wie das Parallelogramm des Heißdampfreglers und die zunächst neben-, dann übereinander laufenden Stellstangen. Mit gleicher Sorgfalt ist die Heizerseite gestaltet: Bis auf Elektro- und Schmierleitungen ist alles frei stehend angesetzt.
Das „Gesicht“ der Lok zeigt die typisch offene Front einer DB-Neubaulok: Die beiden Trittstufen vor der Rauchkammer geben den Blick frei auf den Rauchkammersattel. Die Stufen sind aus rot durchgefärbtem Kunststoff, welcher auf der Oberseite schwarz lackiert ist. Ungewöhnlich, aber ebenfalls korrekt: die roten Frontlampen an den Umlaufstützen. Letztere sind allerdings etwas sparsam ausgeführt. Der dahinter liegende Lichtleitkörper ist durch eine schwarze Kunststoffummantelung recht gut getarnt. Neu sind auch die Windleitbleche, deren Halter im Vergleich zur Altbaukessel-01 des gleichen Herstellers deutlich abgespeckt wurden.
Der Barrenrahmen mit seinen Durchbrüchen besteht vollständig aus Metall. Die Räder sind entgegen mancher Erwartung aus Kunststoff, was aber hinsichtlich der Filigranität kein Manko darstellt. Diese völlig neue Räderform wird insbesondere bei den Vorlaufrädern deutlich, die erheblich gewonnen haben.
Die bis zum Radreifenrand führende Lackierung trägt ein Übriges zur ausgezeichneten Wirkung bei. Umso mehr vermisst man dann allerdings eine Lackierung der anderen roten Kunststoffteile, bei denen Durchfärbung und Glanz nicht immer ganz einheitlich ist. Deutlich fällt hier der Farbton der rot ausgelegten Nuten in der Steuerung auf: Er ist eindeutig zu dunkel.
Insgesamt ist die Lok nicht bloß überarbeitet worden, sondern in weiten Bereichen völlig neu konstruiert. Lediglich das Führerhaus wurde unverändert von der Altbaukessel-01 übernommen, obwohl man sich eine kleine Verschmälerung passend zu den enger zusammengrückten Umlaufblechen gewünscht hätte. Die Anschriften sind ebenso wie das seidenmatte Finish der Lok hervorragend getroffen. Sogar die Elektroverteilerdosen sind gelb markiert.
Auch der Tender ist in weiten Bereichen völlig neu. Sein Aufbau besteht nun - wie schon bei vorherigen Roco-Neukonstruktionen - aus Kunststoff. An der Rückseite finden sich sogar die Stangen zum Öffnen der Wasserkastendeckel. Hinzu kommen die jetzt frei stehenden Laternen, die diese Partie optisch stark aufwerten. An der Vorderseite ist die Fortsetzung des Kohlenkastenaufsatzes jedoch zu breit und nicht hoch genug.
Zwischen Lok und Tender klafft zudem eine durch den einfachen, tenderseitigen Drehpunkt der Deichsel bedingte Lücke, die nicht mehr „im grünen Bereich“ ist - auch wenn man die grüne Schutzlackierung der Platine dadurch umso deutlicher sieht. Recht unglücklich auch die Wahl von weißem Kunststoff für den Stecker der sechspoligen Elektroverbindung, deren gut sichtbare Kabel ebenso unangenehm ins Auge fallen. Die sehr kurzen und jetzt fest angebauten Tendertüren machen gar nicht erst den Versuch, den Lok-Tender-Abstand etwas zu tarnen. Hier hätte man eine optisch wie technisch geschicktere Lösung finden müssen, wie sie durchaus von anderen Herstellern praktiziert wird. MK
Technik der Neubaukessel-01
Mit der völligen Neukonstruktion hielt nun auch bei diesem Modell Rocos Antriebsphilosophie bei Schlepptenderloks Einzug: Der im Tender untergebrachte längs angeordnete Motor mit Schwungscheibe treibt über je ein Schnecken/Stirnradgetriebe die beiden äußeren, in einem durchgehenden Rahmen gelagerten Radsätze an, deren Räder komplett mit Haftreifen belegt sind.
Zusätzlich wird über eine Kardanwelle die letzte Kuppelachse der Lok angetrieben, über die Kuppelstangen werden auch die Treib- und vordere Kuppelachse mitgenommen.
Ebenfalls vertraut die Werkstoffwahl: Lokrahmen, Tenderfahrwerk und -rahmen aus Metall, alle sichtbaren Aufbauten aus Kunststoff. In der Kesselnachbildung befindet sich zusätzlich ein Ballastgewicht.
Die Stromaufnahme erfolgt über alle Treibräder der Lok durch Blechschleifer, die von oben auf die Spurkränze wirken, beim Tender erfolgt die Stromabnahme in gleicher Weise von allen Rädern der mittleren beiden Achsen, die höhen- und seitenbeweglich federnd gelagert sind.
Die Verschaltung der Lok ist praktisch kabellos. Auf der Oberseite des Lokrahmens befindet sich eine Schaltplatine, von der über Stifte der Kontakt zu den Schleifkontakten für die Stromabnahme hergestellt wird, die an der Unterseite des Umlaufes befestigt sind. Außerdem findet sich hier eine umsteckbare Kontaktbrücke, die den Anschluss des Rauchgenerators wahlweise an den vorderen Lichtkontakt oder auf die separate Leitung des digitalen Funktionsausgangs 1 klemmt. Am vorderen Ende befindet sich auch das eingelötete, sockellose Glühbirnchen für die Stirnbeleuchtung. Das Wechseln dieser Glühbirne kann nur nach dem Abheben des Kessels mit seinen filigranen Anbauteilen erfolgen, nachdem zuvor zwei Schrauben an der Unterseite der Lok gelöst wurden. So ist beim absehbar fälligen Birnchenwechsel der anschließende Zusammenbau für den Ungeübten eine nicht unerhebliche Hürde.
Ähnlich sieht es im Tender aus, dessen Kunststoffgehäuse aufgerastet ist. Unter dem Motor, der durch eine Blechklammer gehalten wird, liegt die Platine, an der die Schleifkontakte für die Stromabnahme befestigt sind. Hier befindet sich neben der achtpoligen Schnittstelle nach NEM 652 auch wieder ein eingelötetes Glühbirnchen für die Tenderbeleuchtung. Elektrisch verbunden werden die Platinen in Lok und Tender durch sechs Einzellitzen, die an der nicht gerade unauffällig angeordneten Steckverbindung am Tender enden. Dies hat zumindest den Vorteil, dass Lok und Tender relativ einfach voneinander getrennt werden können. Die Kupplung zwischen Lok und Tender hat nur auf der Lokseite eine Kinematik, was den bereits erwähnten großen Abstand zur Folge hat.
Mit einem leichten Surren setzt sich die Lok schon bei geringer Spannung in Bewegung und lässt sich bis zur leicht überhöhten Endgeschwindigkeit gut regeln. Die Dimensionierung der Schwungscheibe führt zu einem sehr ausgewogenen Regelverhalten und zu einer überschaubaren Auslaufstrecke beim Abschalten der Fahrspannung.
Die Zugkraft des Modells ist mit 220 g für den vorbildgerechten Einsatz ausreichend, auch wenn die ermittelten Grenzwerte nur unter „klinischen“ Laborbedingungen mit absolut sauberen Haftreifen erreicht wurden. Zum Vergleich: der Tender allein zieht 213 g, der 361 g schwere Tender der Altbau-01 kommt hingegen nur auf 102 g.
Die Stirnbeleuchtung an Lok und Tender wechselt mit der Fahrtrichtung. Der Normschacht an der Tenderrückseite wird in einer Kurzkupplungskinematik geführt.
Das Modell wird in der bekannten Styropor-Verpackung geliefert, eine ausführliche Bedienungsanleitung und das obligatorische Ersatzteilblatt runden den Lieferumfang ab. bz
Fazit
Ein technisch ausgereiftes Produkt mit den bekannt guten Produkteigenschaften. Leider entspricht der optische Eindruck der Lok-/Tenderkupplung wegen des zu großen Abstandes und des auffälligen Steckers samt der zugehörigen Kabel nicht dem ansonsten hohen Standard dieses Modells.
Maßtabelle BR 01 Neubaukessel in H0 von Roco
| | Vorbild | 1:87 | Modell |
| Längenmaße |
| Länge über Puffer: | 23 940 | 275,17 | 278,20 |
| Lok-Pufferträger-Vorderkante bis Kuppelkasten: | 14 485 | 166,49 | 167,50 |
| Abstand Lok/Tender am Kuppelkasten: | 160 | 1,84 | 3,40 |
| Tender-Pufferträger-Vorderkante bis Kuppelkasten: | 7 995 | 91,90 | 92,10 | |
| Puffermaße |
| Pufferlänge: | 650 | 7,47 | 7,6 |
| Puffermittenabstand: | 1 750 | 20,11 | 20,10 |
| Pufferhöhe über SO: | 1 025 | 11,78 | 11,60 |
| Höhenmaße über SO |
| Kesselmitte: | 3 100 | 35,63 | 35,40 |
| Oberkante Schlot: | 4 250 | 48,85 | 49,70 |
| Oberkante Kohlenkasten: | 3 855 | 44,31 | 44,00 |
| Breitenmaße |
| größte Breite Lok (Zylinderblockverkleidung): | 3 150 | 36,21 | 38,20 |
| Zylindermittenabstand: | 2 300 | 26,44 | 28,20 | |
| Achsstände Lok |
| Gesamtachsstand: | 12 400 | 142,53 | 142,65 |
| Vorlaufachse 1 zu Vorlaufachse 2: | 2 200 | 25,29 | 25,70 |
| Vorlaufachse 2 zu Kuppelachse 1: | 1 800 | 20,69 | 20,25 |
| Kuppelachse 1 zu Kuppelachse 2: | 2 300 | 26,44 | 26,50 |
| Kuppelachse 2 zu Kuppelachse 3: | 2 300 | 26,44 | 26,50 |
| Kuppelachse 3 zu Nachlaufachse: | 3 800 | 43,68 | 43,70 |
| Achsstände Tender |
| Abstand Nachlaufachse zu Tenderachse 1: | 2 177 | 25,02 | 27,90 |
| Gesamtachsstand Tender: | 5 700 | 65,52 | 65,80 |
| Achse 1 zu Achse 2: | 1 900 | 21,84 | 21,90 |
| Achse 2 zu Achse 3: | 1 900 | 21,84 | 22,00 |
| Achse 3 zu Achse 4: | 1 900 | 21,84 | 21,90 | |
| Raddurchmesser |
| Vorlaufräder: | 1 000 | 11,49 | 11,50 |
| Treib- und Kuppelräder: | 2 000 | 22,99 | 23,00 |
| Nachlaufräder: | 1 250 | 14,37 | 14,40 |
| Tenderräder: | 1 000 | 11,49 | 11,50 |
| Speichenzahl |
| Vorlaufräder: | 10 | - | 10 |
| Treib- und Kuppelräder: | 21 | - | 21 |
| Nachlaufräder: | 11 | - | 11 |
| Tenderräder: | 9 | - | 9 |
| Radsatzmaße entsprechend NEM | | NEM,RP25 |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,3+0,1 | 14,30 |
| Spurkranzhöhe Treibräder: | - | 1,2max | 0,58 |
| Spurkranzhöhe Laufräder: | - | 1,2max | 1,13 |
| Spurkranzhöhe Tenderräder: | - | 1,2max | 1,10 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,7-0,9 | 0,8 |
| Radbreite: | - | 2,8min | 2,85 |
Messwerte BR 01 von Roco
| Gewicht Lok: | 512 g |
| Haftreifen: | 4 |
| Zugkraft |
| Ebene: | 220 g |
| 3% Steigung: | 182 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 175 km/h bei 12 V |
| VVorbild: | 130 km/h bei 9,8 V |
| Vmin: | ca. 7,5 km/h bei 1,6 V |
| NEM zulässig: | 182 km/h bei 12 V |
| Auslauf |
| aus Vmax: | 440 mm |
| aus VVorbild: | 306 mm |
| Lichtaustritt: | ab 112 km/h bei 6 V |
| Stromaufnahme |
| Lokleerfahrt: | 120 mA |
| bei max. Zugkraft: | 310 mA |
| Schwungscheibe |
| Anzahl: | 1 |
| Durchmesser: | 20,1 mm |
| Länge: | 6,1 mm |
| Ungefährer Preis: | DM 400,- |
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