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Reko-Dampfer

 
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Trotz der Vergleichbarkeit von Baureihennummer, Achsfolge und Verwendungszweck basiert die Modell- 23.10 ebenso wenig wie ihr Vorbild auf der West-23. Lediglich der Tender ist eine Weiterentwicklung des 2'2'T26, wie er bei der Einheitslok der Baureihe 50 schon zum Einsatz kam.

Der Kessel mit seinen zahlreichen frei stehenden Teilen gibt das charakteristische Erscheinungsbild des Dampferzeugers mit seinem kantigen Mischvorwärmer wieder. Dabei galt es einige kleinere Varianten zu berücksichtigen: Der Flansch für die Pfeife - Messingdrehteil! - liegt zwischen Windleit- blech und Sandkasten (bei einigen Loks am Dampfdom) und auf den an manchen Kesseln angeschweißten Punkt zum leichteren Handling des Kessels im AW (rechts unterhalb der Pfeife) wurde verzichtet. Leider wurde der überstehende Wulst des Sandkasten-Deckbleches nicht dargestellt. Statt des separaten Deckels hätte man hier das Deckblech anstecken können.

Überzeugend wirken dagegen die filigranen Handräder an den Ventilen. Besonders fein ist das DR-typische Abdeckblech oberhalb der Dachfenster auf dem Führerhaus. Es besteht aus geätztem 0,1-mm-Messingblech. Wer die Lok zu Wartungszwecken auf das Dach legen will, sollte das Ätzblech durch eine sehr weiche Unterlage vor Beschädigungen schützen.

Beide Pumpen erscheinen etwas zu klein. Gut gelungen sind die zum Teil aus Draht gefertigten feinen Leitungen, die trotz ihrer Vielzahl auch die Heizerseite nicht überladen wirken lassen.

Am Führerhaus sind die Anschriften äußerst fein gedruckt, wobei die Schilder wie üblich durch einen schwarz gedruckten Untergrund dargestellt sind. Unterhalb des Führerhauses ist sogar das Datum der letzten Untersuchung separat gelb gedruckt. Zur Bedruckung zählt auch, dass die Nachbildungen der Klarsichtscheiben zusätzlich zur Gravur eine schwarze Maske erhielten.

Am Tender ist der Kohlenkasten völlig neu, während der Wasserkasten überarbeitet wurde. Am deutlichsten werden diese Überarbeitungen an der Tenderrückseite: Hier sind sogar die elektrischen Zuleitungen zu den beiden Lampen angraviert. Während aber hinten per Elektroleitung die Steckmöglichkeit einer dritten Lampe angedeutet wird und der zugehörige Halter fehlt, ist es vorn umgekehrt: An der Rauchkammer findet man den Halter und keine Leitung. Anders als an der Lok sind tenderseitig die Pufferhülsen nicht rot lackiert.

Am Fahrwerk bestechen insbesondere die schwarzvernickelten Metallräder mit ihren feinen Speichen. Durch die Ausführung mit Halbachsen konnte bei Vor- und Nachlaufachse auf eine Isolierbuchse verzichtet werden, was eine perfekte Nachbildung der kleinen Radnaben einschließlich Zentrierbohrung ermöglichte. Nicht weniger gelungen die Radnaben der drei Treibachsen. Hier sind beidseitig Isolierbuchsen unsichtbar eingelassen, sodass der metallene Lokrahmen potenzialfrei bleibt.

Weniger fein sind aber Stangen und Stangenlager gelungen. Die Treibstange ist recht „pummelig" proportioniert und die Stangenlager reichen ob ihrer Größe auch zur Darstellung von Rollenlagern aus. Die Nuten sind zudem - wie bereits bei der Neubaukessel-01 - in zu dunklem Rot ausgelegt.

Technik

Über Rocos Antriebstechnik eines Schlepptenderlokmodells bräuchte man kaum noch Worte zu verlieren. Insbesondere, wenn gleicher Radstand und gleiche Höhe von Oberkante Wasserkasten die Möglichkeit gaben, aus dem Fundus der BR 50 zu arbeiten. Lediglich das Getriebe wurde der anderen Höchstgeschwindigkeit angepasst.

Ebenso wie bei der 50er konnten somit vom Tender nur die beiden hinteren Achsen angetrieben werden. Auch wenn alle Räder dieser Achsen mit Haftreifen belegt sind, werden so nicht die Leistungswerte erreicht, die beim Antrieb der äußeren beiden Achsen möglich wären, da nur etwa die Hälfte des Reibungsgewichts zur Verfügung steht.

Über eine Kardanwelle wird zusätzlich die letzte Kuppelachse der Lok angetrieben, die Kraftübertragung auf die übrigen Treibachsen übernehmen die Kuppelstangen. Trotz dieses (historisch bedingten) Antriebskonzeptes ist die Zugkraft für das Modell einer leichten Personenzug-Schlepptenderlok durchaus ausreichend.

Auf eine Kurzkupplungskinematik wurde damals tenderseitig verzichtet und der Lok-Tender-Abstand entsprechend vergrößert. Dieses Manko finden wir auch beim vorliegenden Modell wieder

Der grundsätzliche Aufbau der Elektrik blieb im Vergleich zur BR 50 unverändert. Die Hauptplatine liegt unterhalb des Motors. Blechschleifer nehmen von den Spurkränzen der vorderen vier Räder den Strom ab

Ergänzt wurde eine Folienplatine, welche Schnittstelle und Stecker für die Kabelverbindung zur Lok trägt. Der Decoder findet somit seinen Platz im leicht zugänglichen Kohlenkasten. Diese Ergänzung der Elektrik hat allerdings zur Folge, dass die fünf Einzelkabel, die zur Lok führen, von der Oberkante der Tenderstirnwand zu deren Kuppelkasten heruntergeführt werden und somit deutlich sichtbar sind. Bei der Lok erfolgt die Stromabnahme von den Rädern der äußeren Kuppelradsätze durch kaum sichtbare Blechschleifer

Wie bei Roco gewohnt, läuft das Modell schon bei geringer Spannung an, bewegt sich absolut taumelfrei und ist bis zur Nennspannung von 12 Volt gut regelbar. Die erreichte Höchstgeschwindigkeit liegt noch im Rahmen der zulässigen Überhöhung nach NEM. Die Geräuschentwicklung ist wie immer gering. Gut ist das Auslaufverhalten, auch bei Vorbildgeschwindigkeit

Besondere Aufmerksamkeit verlangen allerdings die extrem niedrigen Spurkränze der Treib- und Kuppelräder, die aus optischen Gründen durchaus zu begrüßen sind. Von Roco wurden diese Spurkränze nur 0,55 mm hoch ausgeführt, noch etwas niedriger als bei RP-25- (0,64 mm) oder NEM-311.1-Radsätzen (0,6 mm).

Vor- und Nachlaufachsen können beim Modell keine Führungsfunktionen erfüllen. Es wäre daher konsequent gewesen, wenn Roco den Treib- und Kuppelrädern angesichts der feinen Spurkränze eine Dreipunktlagerung spendiert hätte. Bei der vorliegenden starren Lagerung der Achsen hängt ein zuverlässiger Betrieb des Modells sehr von einer exakten Gleislage ab

Die Stirnbeleuchtung an Lok und Tender erfolgt wieder durch eingelötete Miniaturglühbirnchen. Allerdings ist die Lichtausbeute vorn viel zu gering

Das Modell ist für den Einbau eines Rauchentwicklers vorbereitet, der werkseitig elektrisch über entkoppelnde Dioden mit den Lichtanschlüssen verbunden ist. Durch Umstecken einer Kontaktbrücke im Tender kann die Leitung aber auch an den F1-Ausgang eines Decoders geklemmt werden.

Eine Kupplungsmöglichkeit ist nur am Tender vorgesehen, hier befindet sich der obligatorische Normschacht, der in einer Kinematik geführt wird

Die ausführliche Bedienungsanleitung enthält alle Informationen für Wartungsarbeiten und Pflege des Modells.

Fazit

Ein detailliertes Modell in bekannter Technik, dessen Gesamteigenschaften dem guten Niveau von Roco entsprechen. Nicht mehr zeitgemäß ist der zu große Lok-Tender-Abstand. Abzuwarten bleibt, ob die aus optischen Gründen wünschenswert niedrigen Spurkränze der Treibradsätze sich im rauen Praxiseinsatz auf den Anlagen unserer Leser bewähren.
MK/bz

Maßtabelle Baureihe 35.10 in H0 von Roco

 Vorbild1:87Modell
Längenmaße
Länge über Puffer:22 660260,46261,30
Lok-Pufferträger-Vorderkante bis Kuppelkasten:12 750145,55146,70
Lok-Tender-Abstand:1601,843,10
Tender-Pufferträger-Vorderkante bis Kuppelkasten:8 45097,1396,50
Puffermaße
Pufferlänge:6507,477,50
Puffermittenabstand:1 75020,1120,15
Pufferhöhe über SO:1 02511,7811,80
Höhenmaße über SO
Kesselmitte:3 10035,6336,00
Oberkante Schornstein:4 55052,3052,30
Oberkante Kohlenkasten:4 09047,0146,80
Breitenmaße
Führerhaus:3 05035,0635,00
Zylindermittenabstand:2 25025,8628,30
Achsstände Lok
Gesamtachsstand:10 100116,09116,00
Vorlaufachse zu Kuppelachse 1:3 00034,4834,60
Kuppelachse 1 zu Kuppelachse 2:2 00022,9923,00
Kuppelachse 2 zu Kuppelachse 3:2 00022,9923,00
Kuppelachse 3 zu Nachlaufachse:3 10035,6335,40
Achsstände Tender
Abstand Nachlaufachse zu Tenderachse 1:2 81032,3032,75
Gesamtachsstand:5 70065,5265,60
Achse 1 zu Achse 2:1 90021,8421,90
Achse 2 zu Achse 3:1 90021,8421,80
Achse 3 zu Achse 4:1 90021,8421,90
Raddurchmesser
Vorlaufräder:1 00011,4911,60
Treib- und Kuppelräder:1 75020,1120,15
Nachlaufräder:1 25014,3714,35
Tenderräder:1 00011,4911,50
Speichenzahl
Vorlaufräder:9-9
Treib- und Kuppelräder:17-17
Nachlaufräder:11-11
Tenderräder:9-12
Radsatzmaße entsprechend NEMNEM
Radsatzinnenmaß:- 14,3+0,114,30
Spurkranzhöhe Laufräder:-1,2max0,95
Spurkranzhöhe Treibräder:-1,2max0,55
Spurkranzhöhe Tenderräder:-1,2max1,10
Spurkranzbreite:-0,7-0,90,70
Radbreite:-2,8min2,80

Messwerte BR 35.10 von Roco

Gewicht Lok + Tender:461 g
Haftreifen:4
Messergebnisse Zugkraft
Ebene:198 g
3% Steigung:189 g
Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt)
Vmax: 152 km/h bei 12 V
VVorbild:110 km/h bei 9,5 V
Vmin:ca. 4,3 km/h bei 1,5 V
NEM zulässig:154 km/h bei 12 V
Auslauf
aus Vmax:440 mm
aus VVorbild:292 mm
Lichtaustritt vorn:ab 133 km/h bei 11 V
Lichtaustritt hinten: ab 44 km/h bei 4,5 V
Schwungscheibe
Anzahl:1
Durchmesser: 19,8 mm
Länge:10,0 mm
Ungefährer Preis:400,- DM


 

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