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Vor fast 23 Jahren stellte Roco sein erstes Modell einer E 161 vor, das inzwischen nicht mehr im Angebot ist. Erfreulicherweise entschied sich Roco bei der jetzt ausgelieferten E 16 für die Ursprungsausführung mit dem niedrigeren Dach (E 16 01 bis 17), sodass es auch einmal ein korrektes Modell einer bayerischen ES 1 geben kann. Bis auf wenige Einzelteile wie Fenstereinsätze etc. entstand dabei eine Neukonstruktion von Gehäuse und Fahrwerk.
Optik
Als erste Ausführungsvariante liefert Roco die E 16 in einer Epoche-II-Ausführung, die vor allem durch die Wiedergabe wichtiger Eigenschaften überzeugt. Dies sind in erster Linie die blaugraue Lackierung, die Übergangstüren an den Stirnseiten, die damalige Form der Radkästen des Buchli-Antriebes, die für diese Zeit bei der E 16 typischen Zeiß-Scheinwerfer und die Farbgebung von Stromabnehmer und Hauptschalter.
Die Gravuren des für diese Bauserie charakteristisch niedrigeren Daches sind gegenüber dem Vorgängermodell deutlich feiner ausgefallen. Geschickt getarnt wurde der Anguss durch die separat aufgesetzte und erstmals korrekt über die Grundplatte überstehende Schutzhaube des Hauptschalters. Diese Abdeckung ist zudem richtigerweise schwarz lackiert.
Deutlich feiner auch die Nachbildung der Isolatorböcke, die die Nachbildung der als Drahtbiegeteil ausgeführten Dachleitung tragen. Die korrekte Wiedergabe einer vollständigen elektrischen Dachausrüstung ergibt sich durch separat angesetzte Leitungsnachbildungen im Bereich des Hauptschalters und durch eine an den Isolator angegossene Leitung am Oberspannungswandler. Der bei Roco gefertigte SBS 9 überzeugt auch auf diesem Modell in der korrekten Farbgebung mit den rot lackierten Gelenken.
An den Seitenwänden des Modells finden wir jetzt auch die Nachbildungen der Einfüllöffnungen für die innenliegenden Sandkästen. Die Griffstangen an den Führerstandstüren sind in einer sehr filigranen Ausführung separat angesetzt.
Die Stirnseiten zieren die zur damaligen Zeit in Bayern üblichen Übergangseinrichtungen, die sehr schön nachgebildeten Zeiß-Scheinwerfer auf dem Pufferträger und die vorbildgerecht ins Dach hineinragende dritte Stirnlampe. Lediglich die Anordnung des Scheibenwischers auf der rechten Seite (von vorn gesehen) entspricht nicht der damaligen Ausführung. Hier wurden die vorhandenen Fenstereinsätze wieder verwendet.
Die seidenmatte Lackierung in den richtigen Farbtönen mit den präzise schwarz bedruckten Absetzleisten sowie Tür- und Fensterrahmen ist gewohnt sauber ausgeführt. Sehr schön sind auch die in Messingfarben gestochen scharf aufgedruckten Lok- und Fabrikschilder.
Das Besondere an der E 16 ist der einseitig ausgeführte Buchli-Antrieb. So befinden sich auch beim Modell auf der einen Seite die sauber gravierten Nachbildungen der Getriebekästen in der für die zu dieser Zeit korrekten Ausführung. Die Nachbildungen der feinen Kupferschmierleitungen wurden jetzt auch farbig abgesetzt. Obwohl die Treibräder hinter den Getriebekästen kaum zu sehen sind, wurden die Speichen dennoch vorbildgerecht durch Radsternbleche abgedeckt.
Auf der anderen Seite dagegen in ihrer vollen Schönheit die großen Metall-Speichenräder mit deutlich feineren Speichen, schmalem Radkranz und korrekt nachgebildeten, kaum wahrnehmbaren Gegengewichten. Die Radnabe zeigt eine Wölbung, obwohl sie eigentlich plan sein müsste.
Weiterer Schönheitsfehler auf dieser Seite: Durch die Verwendung gleicher Bauteile für den Antrieb der beiden Treibradgruppen ist bei der linken Treibradgruppe hinter den Speichen deutlich eine schwarze Scheibe zu sehen, die das Zahnrad abdeckt. Leider entfallen dadurch die bei der anderen Treibradgruppe wunderbar erkennbaren, frei stehenden Federpakete nahezu ganz.
Technik
Vor dem Blick ins Innenleben haben die Konstrukteure eine hohe Hürde der Gehäusebefestigung gelegt: Es ist fast nicht möglich, mit den Fingern nur zweier Hände das Gehäuse oberhalb des schwarzen Rahmens zu spreizen und die Rastnasen zu lösen. Hier hätte man sich eine servicefreundlichere Lösung gewünscht.
Ist die Hürde dann aber schließlich doch genommen, findet sich wie schon beim Vorgängermodell am Fahrgestell wieder die bewährte Anordnung der vier Treibachsen in zwei Drehgestellgruppen mit der bei Drehgestell-Loks heute angewendeten Technik der sinnvollen Tiefanlenkung. Mit Drehzapfen, die bis auf Achsmittelpunkt tief in die Drehgestelle eintauchen, stützt sich der massive Druckgussrahmen dreipunktgelagert ab.
Der große Roco-Motor ist längs angeordnet, seine beiden mit Schwungscheibe ausgestatteten Wellenenden treiben über kurze Kardanwellen und anschließende Schnecken-/Stirnradge-triebe alle Treibachsen des Lokmodells an. Die Stromabnahme erfolgt über Blechschleifer von der Oberkante der Spurkränze aller Treibräder. Kabel stellen die Verbindung zur zentralen Platine oberhalb des Motors her. Alle anderen elektrischen Verbindungen sind entweder Blechkontakte (Motor, Stromabnehmer) oder Folien (Stirnlampen, Schnittstelle nach NEM 652). Durch zwei Kontaktbrücken kann zwischen mehreren Möglichkeiten der Stromabnahme gewählt werden: Schienen und Stromabnehmer (Werkseinstellung), nur Schienen oder nur Stromabnehmer.
Die mit der Fahrtrichtung wechselnde Stirnbeleuchtung erfolgt durch sockellose Glühbirnchen, die sich ohne Löten wechseln lassen. Die Lichtausbeute ist allerdings im unteren Geschwindigkeitsbereich gering.
Schon bei geringer Spannung beginnt sich das Modell der E 16 fast geräuschlos zu bewegen. Bei hoher Laufkultur wird eine Endgeschwindigkeit erreicht, die nur geringfügig über der maßstäblich umgerechneten Höchstgeschwindigkeit liegt. Der Auslauf bei Abschalten der Fahrspannung bewegt sich in einem vernünftigen Rahmen.
Dass sich die Ergebnisse der Zugkraftmessung in beiden Fahrtrichtungen deutlich unterscheiden, hat eine einfache Ursache: Roco hat ausschließlich beide Räder der 1. Treibachse mit Haftreifen ausgerüstet, die bei Vorwärtsfahrt wegen der Ausführung als Drehgestell-Lok mit ihren relativ großen Treibrädern trotz Tiefanlenkung immer etwas entlastet werden. Im umgekehrten Fall werden sie dagegen zusätzlich belastet. Daher empfiehlt es sich, vor schweren Zügen die Lok immer mit der Seite 2 voraus fahren zu lassen. Für vorbildgerechtes Puffer-an-Puffer-Fahren sorgen Normschacht und Kurzkupplungskulisse.
Die bewährte Styropor-Verpackung wäre eigentlich keiner Erwähnung wert, wenn nicht wieder mal die Aussparung vergessen worden wäre, die nach dem Zurüsten der stirnseitigen Geländer notwendig ist. Hier sollte das Zurüsten von Modellen in Zukunft berücksichtigt werden - eine Bitte, die wir nicht nur an Roco richten!
Fazit
Ein sehr schönes Modell der E 16 06, das das Vorbild entsprechend der gewählten Epoche korrekt in allen Details wiedergibt und dessen Technik absolut dem heutigen Standard entspricht. bz
Maßtabelle E 16 in H0 von Roco
| | Vorbild | 1:87/NEM | Modell |
| Längenmaße |
| Länge über Puffer: | 16 300 | 187,4 | 186,5 |
| Länge über Pufferträger: | 15 000 | 172,4 | 172,3 |
| Höhenmaße über SO |
| Dachoberkante: | 3 850 | 44,3 | 44,4 |
| Pantograph in Senklage: | 4 650 | 53,4 | 54,5 |
| Breitenmaße |
| Breite Lokkasten: | 3 000 | 34,5 | 34,5 |
| Breite über Griffstangen: | 3 150 | 36,2 | 36,2 |
| Schleifstückbreite: | 2 100 | 24,1 | 23,0 |
| Radstände |
| Gesamtachsstand: | 12 600 | 144,8 | 144,7 |
| Abstand Vorlaufachse-Treibachse: | 2 700 | 31,0 | 30,5 |
| Abstand Treibachsen außen: | 1 850 | 21,3 | 21,9 |
| Abstand Treibachsen MItte: | 3 500 | 40,2 | 39,9 |
| Raddurchmesser Treibrad: | 1 640 | 18,9 | 18,8 |
| Raddurchmesser Laufrad: | 1 000 | 11,5 | 11,5 |
| Puffermaße |
| Pufferhöhe über SO: | 1 050 | 12,1 | 12,0 |
| Puffermittenabstand: | 1 750 | 20,1 | 19,8 |
| Pufferlänge | 650 | 7,5 | 7,1 |
| Radsatzmaße entsprechend NEM |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,3+0,1 | 14,3 |
| Radbreite: | - | 2,8min | 2,9 |
| Spurkranzhöhe: | - | 1,2max | 1,1 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,7-0,9 | 0,8 |
Messwerte E 16 von Roco
| Gewicht Lok: | 426 g |
| Haftreifen: | 2 |
| Messergebnisse Zugkraft |
| Ebene vorwärts: | 100 g |
| Ebene rückwärts: : | 155 g |
| 3% Steigung vorwärts: | 90 g |
| 3% Steigung rückwärts: | 141 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 129 km/h bei 12 V |
| VVorbild: | 120 km/h bei 11,3 V |
| Vmin: | ca. 4 km/h bei 2 V |
| NEM zulässig: | 168 km/h bei 12 V |
| Auslauf |
| aus Vmax: | 168 mm |
| aus VVorbild: | 154 mm |
| Lichtaustritt: | ab 74 km/h bei 7,5 V |
| Schwungscheibe |
| Anzahl: | 2 |
| Durchmesser: | 15,8 mm |
| Länge: | 10 mm |
| Ungefährer Preis: | DM 300,- |
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