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Der Blick aufs Dach - bei Elektrolokomotiven der erste Hingucker - zeigt die Vollständigkeit der Ausrüstung. Die hauseigenen Nachbildungen des SBS 10 lassen den Blick aufs Dach frei, die Befestigungsschraube ist unter den beiden parallelen Federn gut getarnt, auch der Stromabnehmerantrieb wurde nachgebildet. Es fehlt nur der zweite Luftdurchführungsisolator. Die Befestigung des Grundrahmens an den Isolatorböcken ist ebenfalls vorbildgerecht dargestellt.
Beim vorliegenden Muster wurden allerdings die Isolatorböcke falsch herum montiert, sodass der Rillenisolator, an dem die Dachleitung angeschlossen ist, auf der falschen Seite liegt und das Ende der Dachleitung in der Luft hängt. Durch einfaches Umstecken aller vier Isolatorböcke liegt der Isolator für den Dachleitungsanschluss genau an der richtigen Stelle und die Dachleitung kann in die dafür vorgesehene Stelle leicht (von oben!) eingelegt werden. Ab der nächsten Serie wird dieser Montagefehler nach Aussage der Fa. Roco der Vergangenheit angehören.
Wirklich fein ist die Dachleitung aus Kunststoff mit der korrekten und maßstäblich zierlichen Nachbildung der seitlichen Befestigung an der Isolatorkappe, es fehlen allerdings die zugehörigen Halter der Befestigungsschellen. Genauso fein ist auch der anschließende Trennschalter ausgefallen. Die bis dahin sehr gute Optik setzt sich beim Rest der Dachleitung in der Mitte des Daches leider nicht fort, denn hier besteht sie wie auch bisher schon lediglich aus Drahtbiegeteilen. Die aus Draht ausgeführte Dachleitung verläuft zwar ebenfalls neben der (hier braunen) Isolatorkappe, es fehlen aber die Befestigungsschellen - somit ist die Optik von Kunststoff- und Metalldachleitungen nicht identisch. Die unschöne, durch einfaches Umbiegen hergestellte rechtwinklige Verbindung der beiden Dachleitungen auf dem Dachaufbau hätte in Kunststoff eleganter ausgeführt werden können. Der Oberspannungswandler erhält seinen Anschluss durch die am Isolator mit angespritzte Leitung. Unterhalb der Dachleitung neben dem Dachaufbau findet sich in korrekter Form der Überspannungsableiter.
Auch sonst fehlt auf dem Dach nichts: Feine Nieten an der richtigen Stelle, die Druckluftleitung zu den Stromabnehmern, die Dachlaufbretter und die Nachbildung der Pfeifen als Messingdrehteil. Besondere Beachtung verdient die erstmals bei Roco korrekt nachgebildete, lange Ausführung der Zugbahnfunkantenne mit ihrem elliptischen Querschnitt. In korrekter Länge wurden die beim Vorbild aus Gründen der Unfallverhütung angebrachten Dachverlängerungen an den Stirnseiten nachgebildet. Hier gefällt insbesondere die fein ausgeführte Dachkante.
Auch die beiden sehr unterschiedlichen Seitenwände entsprechen exakt dem Vorbild. Auf der rechten Seite sind Nieten nur im Bereich der Dachkante, an den Türen und am Rahmen zu finden. Die Lüftergitter liegen vertieft, da beim Vorbild die Fenster zum Öffnen davor geschoben werden können. Auf der linken Seite gibt es auch unterhalb der Lüftergitter Nietreihen, die die Nachbildung von Revisionsöffnungen umrahmen. Es fehlen weder die Nachbildungen von Scharnieren und Vorreibern noch die Prüfsteckdosen.
Hinter den Maschinenraumfenstern ist - dunkel getönt - alles reliefartig dargestellt, was hinter dem entsprechenden Fenster zu sehen ist: Richtungswender, Stufenschaltwerk, Hauptschalter, Topfrelais auf der rechten Seite und der Hauptschalter und das Stufenschaltwerk sowie die Anschlüsse der Ölkühler auf der linken Seite.
Eine Führerhausinneneinrichtung ist nicht nachgebildet, obwohl das neu konstruierte Fahrwerk dafür Platz gelassen hätte. Die helle Fläche hinter dem Fenster, die wohl dem Farbton der Führerstandsrückwand entsprechen soll, ist da eher irritierend. Hinter den Stirnfenstern ist jedoch der Fahrschalter mit den darüber angeordneten Messinstrumenten auszumachen.
Hervorragend ist die optische Wirkung der Aufstiegstritte zu den Führerstandstüren, die zusammen mit den brünierten Griffstangen und Griffstangenhaltern in einer Form gespritzt wurden. Allerdings ist die Fixierung der Trittstufen an dem dünnen Draht nicht sehr fest, sodass die Stufen leicht schief stehen können. Des Weiteren führt diese Herstellungsmethode dazu, dass die Griffstangen unterhalb der unteren Trittstufe vorbildwidrig 1,4 mm herausschauen. Wer es genau nimmt, sollte den harten Federstahldraht mit einem guten Seitenschneider abzwicken. Zudem müssten Griffstangen und Halter im Bereich des Kastens auch grün sein, hier kann aber mit einem Pinsel leicht nachgeholfen werden.
Durch separat aufgesetzte Oberteile (Trennkante an der umlaufenden Deckleiste) entsprechen die beide Vorbauten exakt dem Vorbild. Allerdings ist die Höhe dieser „Deckel“ im Verhältnis zur korrekten Gesamthöhe der Vorbauten zu hoch ausgefallen. Vielleicht ein Tribut an die nicht ganz maßstäblich realisierbaren, separat angesetzten, umlaufenden Griffstangen. Der Signallaternenhalter in der Mitte des Vorbaus liegt als Zurüstteil bei.
Sehr zierlich sind die Einheitslaternen ausgefallen, deren Zuleitungen samt den für die E 44 typischen runden Steckdosen an den Abschrägungen der Vorbauten ebenfalls nicht fehlen. Vorn rechts ist der Luftkühler als separates Teil angesetzt, ihm fehlen leider die in Richtung Fahrzeugmitte laufenden Anschlussleitungen. Richtig das ebenfalls separat aufgesetzte schräge Abdeckblech darüber, das beim Vorbild das Besteigen des Vorbaus verhindern soll.
Ebenfalls neu sind die Drehgestellblenden, die jetzt exakt den Bauzustand in der Epoche 4 widerspiegeln. Dies bedeutet, dass an jedem Drehgestell die jeweils mittleren Sandkästen fehlen, und am Drehgestell auf der Seite 1 auf beiden Seiten der Indusi-Magnet nachgebildet wurde. Die durch den Anbau der Indusimagnete erforderliche Umlenkung des Bremsgestänges finden wir am Modell entsprechend wieder.
Sandkästen, Radlager und Bremszylinder sind lediglich als Relief dargestellt, separat angesetzt sind auf der rechten Seite der Schlammabscheider der Druckluftanlage, das Sifa-Gerät und die Tachowelle an Achse 1, auf der linken Seite die Schmierpumpe mit Antrieb und an Achse 1 der Anschluss für den Geschwindigkeitsgeber der Indusi. Hinter der großen runden Öffnung in Drehgestellmitte sind sogar die Hilfsluftbehälter zu erkennen. Beachtenswert sind bei den Pufferträgern der sehr feine, aufgesetzte Rangierergriff und die vorbildgerechte seitliche Abdeckung des U-Profiles. Die Länge der Drehgestellrahmen ist aber jeweils 0,9 mm zu kurz, sodass die Griffstange am Schild der Betriebsnummer kratzt.
Entsprechend dem Erscheinungsbild in der Epoche 4 zeigt sich das Modell in der klassischen Farbgebung in sauberem, seidenmattem Finish mit scharfen Farbtrennkanten. Das Dach in Umbragrau entspricht zwar dem dargestellten Zeitraum, Fotos aus den letzten Einsatztagen des gewählten Vorbildes zeigen jedoch, dass das stark verschmutzte Dach ursprünglich silbern lackiert war. Ein dunkles Silber hätte dem Modell vielleicht besser gestanden.
Die Beschriftung entspricht inhaltlich dem letzten Betriebszustand und ist sauber und präzise aufgebracht. Dies trifft besonders für die am Rahmen angebrachten senkrechten Markierungen zur Begrenzung des Anhebebereiches neben den Aufstiegstritten zu. Sie waren in der Epoche 4 in der Regel jedoch weiß, nur wenige Loks hatten noch wie die 093 eine aufgeschraubten Aluleiste.
Technik
Auch das Innenleben dieses neuen E-44-Modells wurde völlig neu konstruiert. Der 5-polige, schräggenutete Motor mit zwei dynamisch gewuchteten Schwungscheiben auf jedem Wellenende treibt über Kardanwellen die kombinierten Schnecken-/Stirnradgetriebe beider Drehgestelle an. Das Schneckengetriebe liegt bei Roco üblicherweise über der äußeren Treibachse eines Drehgestelles, wodurch ein echter Drehzapfen möglich wurde, der sich in Achshöhe auf dem Drehgestell abstützt. Durch diese „Tiefanlenkung“ wird die Achsentlastung der jeweils vorderen Achsen minimiert und die Schleuderneigung deutlich gemindert.
Die beiden Haftreifen finden sich nicht etwa diagonal auf den beiden äußeren Achsen, sondern auf beiden Rädern der Achse 4. Hieraus erklären sich die unterschiedlichen Messergebnisse für beide Fahrtrichtungen.
Klassisch auch die Elektrik. Die zentrale Schaltplatine über dem Motor trägt eine umsteckbare Kontaktbrücke zum Umschalten auf Oberleitungsbetrieb und die 8-polige Schnittstelle nach NEM 652. Über vier Kabel wird die Verbindung zu den vier Radschleifern hergestellt, die auf den Spurkränzen schleifen und für eine Stromabnahme von allen Rädern sorgen.
Die Stirnbeleuchtung ist über jeweils eine 3-polige Leiterbahnfolie angeschlossen, die sowohl an der Platine als auch an der Birnchenhalterung gesteckt ist. Die sockellosen Glühbirnchen für Stirn- und Schlussbeleuchtung sind in dieser Halterung so eingesetzt, dass in Zusammenspiel mit der eingesteckten Folie eine lötfreie elektrische Klemmverbindung entsteht. Die gleichmäßig helle Stirn- und Schlussbeleuchtung wechselt mit der Fahrtrichtung.
Mit einem leisen Singen setzt sich das Modell fast geräuschlos in Bewegung und lässt sich dank der beiden Schwungscheiben gut bis zur (leicht überhöhten) Höchstgeschwindigkeit regeln. Der Auslauf beim Abschalten der Fahrspannung ist mit ungefähr einer Loklänge gut bemessen. Die gemessenen Zugkraftwerte sind für vorbildgerechte Zuggarnituren dieser „leichten Universallok“ ausreichend.
Eine im Lokrahmen integrierte Kurzkupplungskinematik sorgt trotz der vorbildgerecht am Drehgestell befestigten Pufferträger auch noch bei einem Radius von 360 mm für einen minimalen Pufferabstand.
Dem Modell liegt wieder die bekannte, reich bebilderte Bedienungsanleitung und die obligatorische Ersatzteilliste bei. Als Verpackung dient die übliche Styropor-Schale in der neuen Variante: Statt der eingelegten Folie (auch wenn die Bedienungsanleitung es weiterhin so beschreibt) sind im Boden zwei Löcher um das Modell aus der Verpackung zu drücken. Gegenüber der bisherigen Folien sind hier allerdings keine Vorteile zu erkennen. Im Gegenteil: Fingerabdrücke auf dem Modell und ein erschwertes Handling beim Wiedereinsetzen in die Verpackung lassen die alte Methode vermissen.
Fazit
Mit diesem Altbauellok-Klassiker hat Roco ein Modell auf den Markt gebracht, das trotz kleiner Schwächen das Vorbild in jeder Beziehung korrekt wiedergibt. Bleibt nur noch der Wunsch nach E-44-Modellen in dieser Qualität als Epoche-III-Varianten der DB und der DR-Ost und vielleicht auch als E 44W. bz
Maßtabelle E 44 in H0 von Roco
| | Vorbild | 1:87/NEM | Modell |
| Längenmaße |
| Länge über Puffer: | 15 290 | 175,7 | 173,9 |
| Länge über Pufferträger: | 13 990 | 160,8 | 159,0 |
| Höhenmaße über SO |
| Dachoberkante: | 3 950 | 45,4 | 45,4 |
| Dachaufbau über SO: | 4 300 | 49,4 | 49,6 |
| Pantographen in Senklage: | 4 650 | 53,4 | 55,0 |
| Breitenmaße |
| Breite über Lokkasten: | 2 960 | 34,0 | 34,5 |
| Breite über Griffstangen: | 3 150 | 36,2 | 36,3 |
| Pantographenmaße |
| Abstand der Fußpunkte quer: | 900 | 10,3 | 10,1 |
| Abstand der Fußpunkte längs: | 1 500 | 17,2 | 17,1 |
| Schleifstückbreite: | 1 950 | 22,4 | 22,9 |
| Radstände |
| Gesamtachsstand: | 9 800 | 112,6 | 112,6 |
| Drehzapfenabstand: | 6 300 | 72,4 | 72,4 |
| Drehgestell-Achsstand: | 3 500 | 40,2 | 40,2 |
| Raddurchmesser: | 1 250 | 14,4 | 14,4 |
| Puffermaße |
| Puffermittenabstand: | 1 750 | 20,1 | 20,1 |
| Pufferhöhe über SO: | 1 050 | 12,1 | 11,8 |
| Pufferlänge: | 650 | 7,5 | 7,4 |
| Puffertellerdurchmesser: | 450 | 5,2 | 5,0 |
| Radsatzmaße entsprechend Märklin-Hausnorm |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,3+0,1 | 14,3 |
| Radbreite: | - | 2,8min | 2,8 |
| Spurkranzhöhe: | - | 1,2max | 1,1 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,7-0,9 | 0,8 |
Messwerte E 44 von Roco
| Gewicht Lok: | 377 g |
| Haftreifen: | 2 |
| Zugkraft |
| Ebene vorwärts: | 135 g |
| Ebene rückwärts: | 121 g |
| 3% Steigung vorwärts: | 125 g |
| 3% Steigung rückwärts: | 107 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 120,6 km/h bei 12 V |
| VVorbild: | 90 km/h bei 9,2 V |
| Vmin: | ca. 5,3 km/h bei 1,8 V |
| NEM zulässig: | 126 km/h bei 12 V |
| Auslauf |
| aus Vmax: | 183 mm |
| aus VVorbild: | 109 mm |
| Lichtaustritt: | ab 53 km/h bei 6 V |
| Stromaufnahme |
| bei Lokleerlauf: | 100 mA |
| bei max. Zugkraft: | 170 mA |
| Schwungscheibe |
| Anzahl: | 2 |
| Durchmesser: | 15,8 mm |
| Länge: | 10,0 mm |
| Ungefährer Preis | e 145,- |
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