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Königlich wirkt sie mit ihrer königsblauen Lackierung, die S 3/6 in der Ausführung der Brüsseler Weltausstellung von 1910. Nachdem heute ohnehin niemand mehr den exakten Farbton von damals bestimmen kann, mussten die Salzburger sich für ein Blau entscheiden. Was lag also näher, als Königsblau an dieser mit königlichem Wappen geschmückten Repräsentantin bayerischer Lokbaukunst zu wählen?
So richtig zur Wirkung kommt die mit perfektem Finish aufgetragene Lackierung allerdings erst im Kontrast zu den blank polierten Messingteilen, die bis auf die aufgedruckten Kesselzierringe tatsächlich aus gedrehtem Messing bestehen. Das glattflächige Äußere des Kessels wird vorbildgerecht nur von wenigen Griffstangen und Leitungen unterbrochen. Der Umlauf besteht im Gegensatz zum restlichen Gehäuse aus Metall und zeigt ein Noppenmuster auf der Oberseite.
Am Fahrwerk verleihen die feinen Speichen und der durchbrochene Barrenrahmen dem Modell eine vorbildgerechte Filigranität. Dazu tragen auch die vielen angesetzten Einzelteile bei, die aus besonders elastischem Kunststoff gefertigt und daher nicht bruchgefährdet sind.
Verzichtet wurde auf eine funktionsfähige Nachbildung des Innentriebwerkes. Feststehende Kunststoffteile stellen die inneren Kreuzköpfe dar - alles andere hätte sich überproportional auf den Verkaufspreis des Modells ausgewirkt.
Die Stirnbeleuchtung ist fahrtrichtungs- und spannungsabhängig und an der Stirnseite ausreichend hell. Auf die Nachbildung der dritten Lampe an der Rauchkammer, die in der Abbildung des Vorbilds erkennbar ist, wurde verzichtet. Sie war ohnehin nur zur Darstellung des Signals Zg7 ("Sonderzug kommt aus entgegengesetzter Richtung") selten beleuchtet.
Die entsprechend dem Vorbild spärliche Beschriftung besteht aus in der Gravur erhabenen Anschriften am Führerhaus, die durch Druck messingfarben hervorgehoben sind. Zur Kritik geben einzig die Fabrikschilder an den Zylinderblöcken Anlass: Sie hätten statt in eckiger Normalausführung in ovaler Ausstellungsform aufgedruckt sein müssen. MK
Die Technik der S 3/6
Nach dem Lösen von nur einer kräftigen M2-Schraube an der Unterseite sowie mehrerer Steckteile lässt sich das Lokgehäuse problemlos vom Fahrwerk abheben. Das Tendergehäuse kann nach Spreizen der Seitenwände abgehoben werden. Danach offenbart sich bekannte, aber ausgefeilte Roco-Technik: Fahrwerk von Lok und Tender aus Zinkdruckguss, in der Kesselnachbildung ein zusätzliches Ballastgewicht. Der große fünfpolige, schräg genutete Motor im Tender treibt per Schnecken-/Stirnradgetriebe die hinteren beiden, komplett mit Haftreifen belegten Tenderachsen und zusätzlich über eine Kardanwelle die hintere Kuppelachse der Lok an. Treibachse und vordere Kuppelachse werden über die Treibstangen mitgenommen.
Lok und Tender sind mit einer in einem Zapfen am Tender rastbaren, nur lokseitig in einer Kinematik geführten Deichsel verbunden. Aus dieser Konstruktion resultiert der ca. 2 mm zu große Abstand zwischen Lok und Tender.
Unter dem Motor befindet sich die Leiterplatte mit der gesamten Elektrik. Seitlich der Schwungscheibe findet sich die serielle Schnittstelle nach NEM 652 (8-polig). Auf der Rückseite eingelötet ein sockelloses Miniaturbirnchen für die Tender-Beleuchtung. An dieser Leiterplatte befinden sich auch die Schleifkontakte für die Stromabnahme von den Spurkränzen aller vier Räder des vorderen Tenderdrehgestells.
Alle Räder sind beidseitig isoliert und haben keine elektrische Verbindung zur Fahrzeugmasse. Treib- und Kuppelräder sind durch Kunststoffbuchsen, Vor- und Nachlaufachsen mittels Halbachsen, die in einer Isolierbuchse stecken, isoliert. Dadurch konnten die Naben der vollständig aus Metall bestehenden Räder besonders fein ausgeführt werden.
Das Vorlaufdrehgestell besteht vollständig aus Kunststoff, vier kleine Spiralfedern sorgen für eine gute Allradauflage. Das Nachlaufgestell besteht ebenfalls aus Kunststoff, der Auflagedruck wird durch ein Federblech erhöht. Leider werden die gut auf dem Gleis liegenden Vor- und Nachlaufachsen nicht zur Stromabnahme herangezogen. So erscheinen uns die insgesamt nur acht Stromabnahmepunkte angesichts von 20 Rädern etwas wenig für eine sichere Stromabnahme im rauen Alltagsbetrieb.
Das Modell läuft bereits bei geringer Spannung an und lässt sich bis zur geringfügig überhöhten Geschwindigkeit bei minimaler Geräuschentwicklung sehr feinfühlig regeln. Das Auslaufverhalten bei Nennspannung und Vorbildgeschwindigkeit ist akzeptabel.
Die gemessenen Zugkraftwerte sind dem Modell angemessen und für vorbildgerechte Zuggarnituren ausreichend. Das Modell durchfährt auch noch den Radius von 360 mm, allerdings unter Verzicht auf maßstäbliche Kolbenstangenschutzrohre und vollständige Aufstiegsleitern. Für diese Einsatzbedingungen liegen entsprechend angepasste Bauteile zusätzlich bei.
Fazit
Ein gelungenes Modell in ausgefeilter Roco-Technik. Die hier vorgestellte Variante der Lieferserie b wurde nach der Weltausstellung sicherlich unverändert im Zugförderungsdienst eingesetzt, sodass Epoche-I-Fahrer das Modell auch außerhalb von "Ausstellungsgeländen" glaubwürdig einsetzen können. Auf weitere Varianten dieser formschönen und populären Maschine darf man gespannt sein. bz
Maßtabelle S 3/6 von Roco in H0
| Vorbild | 1:87 | Modell |
| Längenmaße |
| Länge über Puffer: | 21 396 | 245,93 | 248,30 |
| Lok Pufferträger-Kuppelkasten: | 12 945 | 148,79 | 149,40 |
| Tender Pufferträger-Kuppelkasten: | 7 176 | 82,48 | 82,48 |
| Lok-Tender-Abstand: | 125 | 1,44 | 3,40 | |
| Höhenmaße über SO |
| Kesselmitte: | 2 855 | 32,82 | 33,00 |
| Oberkante Schlot (für belg. Lichtraumprofil): | 4 280 | 49,20 | 48,90 |
| Puffermaße |
| Pufferhöhe über SO: | 1 050 | 12,07 | 11,90 |
| Puffermittenabstand: | 1 750 | 20,11 | 20,00 |
| Pufferlänge: | 575 | 6,61 | 6,60 |
| Breitenmaße |
| größte Breite Lok (Zylinderverkleidungen): | 2 985 | 34,31 | 34,40 |
| Zylindermittenabstand (Kolbenstangenschutzrohre): | 2 050 | 23,56 | 23,90 |
| größte Breite Tender: | 3 062 | 35,20 | 34,90 | |
| Achsstände |
| Gesamtachsstand: | 18 842 | 216,57 | 218,95 |
| Achsstand Lok: | 11 365 | 130,63 | 131,05 |
| Vorlaufachse 1 zu Vorlaufachse 2: | 2 200 | 25,29 | 25,70 |
| Vorlaufachse 2 zu Kuppelachse 1: | 1 645 | 18,91 | 18,95 |
| Kuppelachse 1 zu Kuppelachse 2: | 2 010 | 23,10 | 23,20 |
| Kuppelachse 2 zu Kuppelachse 3: | 2 010 | 23,10 | 23,20 |
| Kuppelachse 3 zu Nachlaufachse: | 3 500 | 40,23 | 40,00 |
| Achsstand Tender: | 5 300 | 60,92 | 60,80 |
| Tenderachse 1 zu Tenderachse 2: | 1 750 | 20,11 | 20,10 |
| Tenderachse 2 zu Tenderachse 3: | 1 800 | 20,69 | 20,60 |
| Tenderachse 3 zu Tenderachse 4: | 1 750 | 20,11 | 20,10 | |
| Raddurchmesser |
| Vorlaufräder: | 950 | 10,92 | 10,00 |
| Treib- und Kuppelräder: | 1 870 | 21,49 | 21,50 |
| Nachlaufräder: | 1 206 | 13,86 | 13,90 |
| Tenderräder: | 1 006 | 11,56 | 11,50 |
| Speichenzahl |
| Vorlaufräder: | 10 | - | 10 |
| Treib- und Kuppelräder: | 14 | - | 14 |
| Nachlaufräder: | 11 | - | 11 |
| Tenderräder: | 9 | - | 9 |
| Radsatzmaße entsprechend NEM | | NEM |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,3+0,1 | 14,3 |
| Spurkranzhöhe Treib- und Kuppelräder: | - | 1,2max | 0,65 |
| Spurkranzhöhe Laufräder: | - | 1,2max | 1,00 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,7-0,9 | 0,8 |
| Radbreite: | - | 2,8min | 2,8 |
Messwerte S 3/6 von Roco
| Gewicht Lok: | 387 g |
| Haftreifen: | 4 |
| Messergebnisse Zugkraft |
| Ebene: | 100 g |
| 3% Steigung: | 87 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 146 km/h bei 12 V |
| VVorbild: | 120 km/h bei 10,1 V |
| Vmin: | ca. 5,8 km/h bei 1,7 V |
| NEM zulässig: | 168 km/h bei 12 V |
| Auslauf |
| aus Vmax: | 157 mm |
| aus VVorbild: | 118 mm |
| Lichtaustritt | |
| vorn: | ab 45 km/h bei 4,8 V |
| hinten: | ab 89 km/h bei 8,0 V |
| Schwungscheibe |
| Anzahl: | 1 |
| Durchmesser: | 17,9 mm |
| Länge: | 5,5 mm |
| Ungefährer Preis: | 500,- DM |
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