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Universell einsetzbar ist der Zweisystem-Triebwagen nach Karlsruher Vorbild in der Baugröße H0 - schließlich ist nahezu jede denkbare Betriebssituation in irgendeiner Weise vorbildgerecht und irgendwo schon einmal dagewesen!
Das absolut maßstäbliche Modell des Karlsruher Stadtbahnwagens gibt das Erscheinungsbild des Vorbildes in jeder Beziehung hervorragend wieder. Dies bezieht sich sowohl auf den Gesamteindruck als auch auf die korrekte Darstellung aller zum guten Gesamteindruck beitragenden Details, als auch die korrekte Farbgebung und Beschriftung.
Schauen wir uns das Fahrzeug aber einmal etwas genauer an. Auf dem Mittelteil befindet sich die Nachbildung der bei einem Zweisystemfahrzeug nicht uninteressanten Dachausrüstung. Der Stromabnehmer des Typs 80.371 der Fa. Stemmann wird unter Verwendung vorhandener Teile recht gut nachempfunden; leider entsprechen die Auflaufhörner nicht der typischen Form mit den senkrecht nach unten abgewinkelten Enden. Korrekt ist jedoch die Nachbildung des elektrischen Stromabnehmer-Antriebes.
Bei der Ausführung der Dachausrüstung wurden leider wieder die alten Fehler gemacht. Obwohl alle Bauteile korrekt vorhanden sind, ist die Funktion der Dachausrüstung nicht ganz nachvollziehbar. So gibt es von der (beim Vorbild übrigens nicht roten) Dachleitung keine Verbindung zur Systemwechselanlage, der entsprechende Drehisolator hat keinen Schalt-arm. Auf diese Weise konnte sich Roco allerdings elegant der Festlegung einer Betriebsart (Gleich- oder Wechselstrom) entziehen. Auch der wechselstromseitige Hauptschalter steht recht beziehungslos auf dem Dach, wie auch der Durchführungsisolator am Ende der Dachleitung. Einzeln aufgesetzt sind die Nachbildungen der Frischluftheizungen, deren Ansaugstutzen an den ebenfalls separat angesetzten Dachblenden enden. Ebenfalls einzeln angesetzt: die zwei verschiedenen Antennen für den Zugbahnfunk der DB und den Betriebsfunk der VBK/AVG sowie die für den Bahnbetrieb obligatorischen Pfeifen.
Fein graviert wurde die Struktur des gesickten Daches mit den darauf verlegten Leitungen. Dagegen wurde auf die Nachbildung der im Dachbereich zwischen den Wagenkästen deutlich sichtbaren oberen Anlenkung des Portals und der Belastungseinrichtung mit den beiden markanten Druckfedern leider völlig verzichtet.
Das Gehäuse besteht aus glasklarem präzise graviertem Kunststoff, der aufwendig bedruckt wurde. Dadurch war es möglich, die zum Teil sehr schmalen Fensterstege korrekt nachzubilden. Dies gilt in besonderem Maße für die Stirnfront mit den schmalen Stegen im Eckbereich, aber ebenso für die korrekte Darstellung der Scheibenwischer, die vollständig angraviert durch die schwarze Bedruckung in sehr zierlicher Form sichtbar werden. Die im Bereich der Führerstandstüren befindlichen Griffstangen sind werksseitig bereits angebracht, die entsprechenden Bohrungen hätten sicher noch etwas kleiner sein können.
Die unter dem Wagenkasten kaum sichtbaren Drehgestelle weisen dennoch alle wesentlichen Bauteile in Form von plastischen Gravuren auf: die Radsatzlager mit ihren Geberleitungen, Stoß- und Schlingerdämpfer sowie den Balg der Luftfederung. Die beiden mittleren Drehgestelle tragen vorbildgerecht die Nachbildung der für den Betrieb auf DB-Gleisen notwendigen Indusi-Magnete. Die von außen kaum vollständig sichtbaren Aggregate unter dem Wagenboden sind richtigerweise nur angedeutet.
Die seidenmatte gut deckende gelbe Lackierung mit den roten Zierlinien, den grauen Fensterstegen und dem grau abgesetzten Dach gibt die Farbgebung des Vorbildes korrekt wieder. Die Beschriftung ist lupenrein und gibt die Anschriften des Vorbildes inhaltlich und typographisch korrekt wieder. Besonders hervorzuheben sind die nur noch mit der Lupe lesbaren Anschriften an den Türen. Die ebenfalls aufgedruckte Zielanzeige "Sonderzug" ist sicher ein guter Kompromiß für alle Einsatzfälle, eine Beilage mit Schiebebildern vorbildgerechter Ziele wäre dennoch wünschenswert.
Eine Inneneinrichtung konnte nur in den beiden äußeren Wagenkästen ausgeführt werden, im Mittelteil reicht die dunkelgraue Abdeckung des Antriebes mit Andeutung einer Inneneinrichtung leicht über die Fensterunterkante hinaus. Die Führerstände wurden mit Bedienpult und Fahrersitz angedeutet, einen Triebwagenführer gibt es nicht.
Technik
Der Grundrahmen des dreiteiligen Triebwagens besteht aus Zinkdruckguß. Er gibt dem Modell ein ausreichendes Eigengewicht und damit eine solide Basis für den sicheren Betrieb. Die drei Gehäuseteile sind auf den Rahmen aufgeklipst und lassen sich ohne große Mühe leicht nach oben abnehmen.
Im Mittelteil befindet sich unter der gerasteten Kunststoffabdeckung mit der angedeuteten Inneneinrichtung der bekannte 5-polige Motor. Die beengten Einbauverhältnisse ermöglichen nur kleine Schwungscheibe; ihre Wirkung ist folglich eher bescheiden. Während beim Vorbild die äußeren beiden Drehgestelle angetrieben sind, werden beim Roco-Modell über Kardangelenke und kombinierte Schnecken-/Stirnradgetriebe in kompakter Form die beiden inneren Drehgestelle angetrieben. Dabei trägt eine Achse eines Drehgestells einen Haft-reifen. Zur Stromabnahme werden ausschließlich alle Räder der angetriebenen Achsen über innenliegende Schleifer herangezogen.
Das bewährte Antriebskonzept führt in der Praxis zu sehr ausgewogenen Fahreigenschaften bei leicht singendem Geräusch. Vorbildlich ist die bei Referenzspannung exakt eingehaltene nominelle Höchstgeschwindigkeit, die auch zu hervorragenden Langsamlauf-eigenschaften führt; für den vorbildgerechten Straßenbahnbetrieb bei engen Kurven ein nicht unwichtiger Aspekt. Das Roco-Modell ist für Radien bis zu 210 mm geeignet, dies ist weniger als der Mindestradius des Vorbildes (23 m entsprechend 264 mm). Deswegen sind die beiden äußeren Triebwagenteile durch eine Federzugkinematik mit dem Mittelteil gekuppelt, so daß das Modell stärker als das Vorbild ausgelenkt werden kann.
Die zentrale Elektrik mit der Digitalschnittstelle befindet sich auf dem Wagenboden des Mittelteils. Die Stromabnahme kann wahlweise von den Schienen oder der Oberleitung erfolgen. Eine Innenbeleuchtung ist nicht vorgesehen. Die Stirnbeleuchtung wechselt mit der Fahrtrichtung. Ein eingelötetes sockelloses Birnchen unter dem Führerstand beleuchtet die jeweils außenliegenden Stirnlampen, die beim Vorbild im Straßenbahnbetrieb zum Einsatz kommen. Das Dreilicht-Spitzensignal bei Fahrten auf DB-Strecken, das beim Vorbild durch die inneren beiden Stirnlampen in Verbindung mit einem Lämpchen im Zielanzeiger gebildet wird, ist so leider nicht möglich. Die Schlußbeleuchtung wurde leider nur durch rote Farbpunkte angedeutet. Dabei wäre eine funktionierende Schlußbeleuchtung bei einem Triebwagenmodell allemal sinnvoller als bei Lokmodellen, wie von Roco seit langem praktiziert.
Durch Lösen von zwei Schrauben auf der Unterseite ist dieses Birnchen zwar relativ gut zugänglich, diese Konstruktion verhindert aber eine Kupplungsaufhängung, die das Kuppeln zweier Triebzüge ermöglichen würde. Bei der Nachbildung der Scharfenberg-Kupplung handelt es sich daher leider nur um eine in der Stirnseite starr eingesteckte funktionslose Nachbildung. Eine gut illustrierte Bedienungsanleitung und die obligatorische Ersatzteilblatt in Explosionsdarstellung vervollständigen den Lieferumfang des Modells, das im übrigen keinerlei Zurüstung bedarf.
Fazit: Ein gelungenes Modell eines zeitgemäßen Fahrzeuges, das trotz einiger Schwächen bei der Nachbildung der Dachausrüstung und Kompromissen bei der Beleuchtung aufgrund der besonderen Einsatzbedingungen beim Vorbild für viele Modellbahner sicher hochinteressant ist. Bernd Zöllner
Maßtabelle Stadtbahntriebwagen GT8-100C/2S von Roco
| | Vorbild | 1:87 | Modell |
| Länge über Kupplungsebene: | 37 610 | 432,3 | 430,5 |
| Länge über Kasten: | 36 570 | 420,3 | 419,3 |
| Höhe über SO (Stromabvnehmer gesenkt): | 3 745 | 43,0 | 46,7 |
| Höhe über Dachblenden: | 3 700 | 42,5 | 42,3 |
| Breite Fahrzeugkasten: | 2 650 | 30,5 | 30,8 |
| Schleifstückbreite | 1 950 | 22,4 | 24,5 |
| Abstand Vorderkante Kasten-erstes Drehgestell: | 3 300 | 37,9 | 38,5 |
| Drehzapfenabstand Wagenkasten A und B: | 10 100 | 116,1 | 115,1 |
| Drehzapfenabstand Wagenkasten C (Mittelteil): | 9 770 | 112,3 | 112,5 |
| Achsabstand Drehgestell: | 2 100 | 24,1 | 24,1 |
| Raddurchmesser: | 770 | 8,9 | 9,0 |
| Radsatzmaße entsprechend NEM |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,3min | 14,3 |
| Spurkranzhöhe: | - | 1,2max | 1,1 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,7-0,9 | 0,7 |
| Radbreite: | - | 2,8 | 2,8 |
| Alle Maße in mm |
Meßwerte GT8-100C/2S
| Gewicht des Fahrzeugs | 472g |
| Haftreifen: | 2 |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 100 km/h bei 12 V |
| VVorbild: | 100 km/h bei 12 V |
| Vmin: | 7,3km/h bei 3,6 V |
| VNEM | 140 km/h bei 12 V |
| Auslauf |
| aus Vmax: | 75 mm |
| aus VVorbild: | 75 mm |
| Lichtaustritt |
| vorn: | ab 35 km/h bei 6 V |
| Schwungscheibe |
| Anzahl: | 1 |
| Durchmesser: | 13,9 mm |
| Länge: | 10,0 mm |
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