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Nach der ersten Ausführung als Zuglok des Kaiserzuges brachte Trix nun die BR 17 als unlimitierte Reichsbahnversion auf den Markt. Ebenso wie die in MIBA 11/99 vorgestellte BR 55 verfügt die Maschine über eine trickreiche Antriebstechnik. Martin Knaden und Bernd Zöllner haben sich die Lok näher angesehen.

Lange Jahre hatte man in Preußen versucht, ohne eine dritte Kuppelachse auszukommen. Als die Zuglasten schließlich doch ein höheres Reibungsgewicht erforderlich machten, entschied man sich 1910, auf Basis eines verstärkten P8-Rahmens eine Schnellzuglokomotive mit 1980 mm Treib- und Kuppelraddurchmesser bei Schwartzkopff in Auftrag zu geben.

Um der Maschine einen ruhigeren Lauf zu geben, kam ein Vierzylinder-Triebwerk mit einfacher Dampfdehnung zur Anwendung. Die insbesondere in Süddeutschland bereits gesammelten Erfahrungen mit Ver- bundtriebwerken bleiben unberücksichtigt. Die ersten beiden Exemplare wurden als S8 auf der Weltausstellung in Brüssel vorgestellt.

Mängel in der Kesselleistung und das durch den Blechrahmen schlecht zugängliche Innentriebwerk führten zu einer Überarbeitung der Konstruktion. Bereits 1911 wurde eine verstärkte Ausführung auf der Ausstellung in Turin als S10 gezeigt.

Noch während die S8/S10 zur Serienreife entwickelt wurden, beauftragte das Ministerium für öffentliche Arbeiten eine S10-Variante mit Vierzylinder-Verbundtriebwerk, die S101. Die Verfechter der einfachen Dampfdehnung ließen jedoch nicht locker und setzten den Bau einer weiteren Ausführung durch, die S102 mit Dreizylindertriebwerk. Die letzten S10 in der Bi-Zone wurden 1948 ausgemustert, die 17 141 der ehemaligen Lübeck-Büchener Eisenbahn kam noch zur DR.

Das Trix-Modell

Nach der limitierten Länderbahn-Ausführung als Zuglok des Kaiser-Wilhelm-Zuges kam nun die unlimitierte Reichsbahn-Maschine als 17 007 auf den Markt. Neben der geänderten Lackierung und Beschriftung fällt die andere Frontschürze auf, die der einheitlichen Form der Reichsbahn entspricht. Alle weiteren Formteile sowie die zahlreichen freistehenden Leitungen und Armaturen sind mit der schon bekannten Länderbahn-Lok identisch.

Kessel, Führerhaus und Tendergehäuse sind aus Metall gefertigt und entsprechen somit voll und ganz den Erwartungen der Märklin-Sammler, wobei die relativ große Wanddicke des Führerhauses beim seitlichen Betrachten gar nicht auffällt.

Göppinger Traditionen kamen bei der Steuerung zur Anwendung: die aus einfachem Blech gestanzte Gegenkurbel wird von einer Sechskantmutter gehalten - eine stabile, aber unschöne Lösung, die nicht so recht zum Preisniveau des Modells passen will. Ebenso vermißt man die Unterscheidung der Puffer in eine gewölbte (rechts) und eine flache (links) Version.

Die Lackierung des Gehäuses ist im schwarzen Bereich - zumindest bei unserem Muster - relativ dick und grobporig ausgefallen. An der Rückseite des Tenders zeigen sich sogar Trocknungsrisse. Im Fahrwerksbereich paßt der rote Farbton der diversen Kunststoffteile weder zur Lackierung noch untereinander.

Die Bedruckung gehört wiederum zur Spitze des Eisenbahn-Modellbaus: In drei verschiedenen Farben sind die Anschriften fein aufgedruckt, wobei Schilder zusätzlich durch eine schwarz glänzende Fläche dargestellt sind.

Bemerkenswert ist die Konstruktion des Antriebs, welcher gegenüber der Länderbahn-Maschine überarbeitet wurde: Ein im Kessel gelagerter Faulhaber-Motor mit aufgezogenem Ritzel treibt ein darunter liegendes Stufenzahnrad an. Von diesem erfolgt die Kraftübertragung auf ein weiteres Stufenzahnrad, das wie das Ritzel auf der Motorachse zu lagern scheint. Dieses wiederum greift in ein Ritzel auf der Schneckenwelle ein. Zwischen der viergängigen Schnecke und dem angetriebenen Kuppelradsatz liegt noch ein schräg verzahntes Zwischenzahnrad.

Das Resultat ist ein sehr gleichmäßiges Laufverhalten in allen Geschwindigkeitsbereichen, wobei die hochtourig laufenden Zahnräder dank dicker Fettschmierung kaum Geräusche machen. Allerdings brach an unserem Modell beim versehentlichen Anlegen der vollen Motorspannung die Kunststoffmotorhalterung am Lagerbund, mit welchem der Motor nach oben fixiert ist. Den hier auftretenden Belastungen war das Teil nicht gewachsen.

Die Zugkraft reicht aus, um den aus sechs Wagen bestehenden Kaiser-Wilhelm-Zug auf geradem Gleis in der Ebene zu befördern. In Gleisbögen und Steigungen muß die Last jedoch verringert werden - vermutlich schluckt das aufwendige Getriebe zusammen mit dem dicken Fett viel Motorkraft.

Fazit: Trix bietet mit der 17 007 ein teils gelungenes Modell an, das aber durchaus noch Möglichkeiten zu künftiger Produktpflege bietet. Im Fall der Puffer und Gegenkurbeln erfordert dies nicht mal allzu hohe Investitionen. Die Verwendung einer viergängigen Schnecke bleibt ein Rätsel.
MK

Maßtabelle pr. S 10 / BR 17 von Trix in H0

 Vorbild1:87Modell
Längen-, Höhen, Breitenmaße
Länge über Puffer:20 750238,5239,5
Schlotoberkante:4 55052,352,3
Breite Lokkasten:2 90033,333,7
Puffermaße
Pufferhöhe über SO Lok/Tender:1 02511,813,5/12,5
Puffermittenabstand:1 75020,120,0
Achsstände
Gesamtachsstand:17 420200,2201,1
Vorlaufachse 1 zu Vorlaufachse 2:2 20025,326,0
Vorlaufachse 2 zu Kuppelachse 1:2 20025,323,8
Kuppelachse 1 zu Kuppelachse 2:2 10024,125,0
Kuppelachse 2 zu Kuppelachse 3:2 60029,929,0
Achsstände Tender
Gesamtachsstand:5 60064,464,4
Laufachse 1 zu Laufachse 2:1 80020,720,7
Laufachse 2 zu Laufachse 3:2 00023,023,0
Laufachse 3 zu Laufachse 4:1 80020,720,7
Raddurchmesser
Vorlaufräder:1 00011,511,0
Treib- und Kuppelräder:1 98022,821,9
Tenderräder:1 00011,511,0
Speichenzahl
Vorlaufräder:10-10
Treib- und Kuppelräder:21-21
Tenderräder:10-10
Radsatzmaße entsprechend NEM NEM 
Radsatzinnenmaß:- 14,3+0,114,3
Spurkranzhöhe:-1,2max1,15
Spurkranzbreite:-0,7-0,90,8
Radbreite:-2,8min3,05

Meßwerte BR 17 von Trix

Gewicht Lok/Tender:372/175 g
Haftreifen:2
Meßergebnisse Zugkraft
Ebene:118 g
3% Steigung:95 g
Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt)
Vmax: 105 km/h bei 12 V
VVorbild:110 km/h bei 13 V
Vmin:ca. 5 km/h bei 2,5 V
Auslauf
aus Vmax:90 mm
aus VVorbild:100 mm
Lichtaustritt
vorn: ab 5 km/h bei 2,5 V
hinten:ab 5 km/h bei 2,5 V
Schwungscheibe
Anzahl:1
Durchmesser: 12,9 mm
Länge:3,2 mm
Ungefährer Preis:700,- DM

 

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