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Jahrzehntelang galten die drei "Großen" der SBB als stärkste Elloks der Welt; es verwundert daher nicht, daß
die Modellbahnindustrie sich anläßlich des Schweizer Bahnjubiläums der Ae 8/14 annahm. Märklin wählte die zuerst gelieferte
11 801 zum Vorbild, Roco die zuletzt gebaute "Landilok" 11 852. Die rollte nun in den Fachhandel und aufs
Testgleis von Bernd Beck.
Im Jubiläumsjahr der Schweizer Bahnen ist
das Interesse an Modellen schweizerischer Lokomotiven groß. Da die großen Ae 8/14 einen hohen Bekanntheitsgrad haben, lag
es nahe, endlich ein Modell dieser Riesenloks auf die Schienen zu stellen. Die Firma Roco hat sich die berühmte "Landilok"
als Vorbild ausgesucht. Die Wahl ist sicher auch von der Varationsfähigkeit des Modells beeinflußt geworden: Auf dem
jetzt vorhandenen Fahrwerk können drei verschiedene Lokkästen aufgesetzt werden, nämlich die bereits verwirklichte
Landilok, die alte 11 851 und die 11 851 nach dem Umbau mit Führerständen der Ae 6/6. Teile der Landilok lassen sich
sicher auch für ein Modell der Ae 4/6 verwenden.
Maßhaltigkeit und Detaillierung
Die Hauptmaße sind der Tabelle zu entnehmen. Trotz kleinerer Abweichungen in einzelnen Maßen ist die Lokomotive weitgehend
maßstäblich und gut proportioniert. Die elegante Form des Lokomotivkastens wurde durch die Kunststoffgehäuse gut getroffen.
Durch die klaren Fenster ist die detaillierte grüne Führerstandseinrichtung gut zu erkennen, im Führerstand 1 werkelt ein
Lokführer. Im Druckgußrahmen ist die Inneneinrichtung der Maschinenräume integriert.
Die beiden Lokhälften sind mit Ausnahme der Dachpartien identisch. Die Dachleitungen sind teils aus Draht, teils aus
Kunststoff gefertigt. Die beiden Materialien weisen unterschiedliche Durchmesser und differierende Farben auf. Der
Modellbahner kann hier durch Nachlackieren ein einheitliches Aussehen herbeiführen.
Die auffälligen Puffer hat Roco für die gewählte Epoche richtigerweise auch im Modell nachgebildet. Nach einem Umbau zu
Beginn der sechziger Jahre wurden beim Vorbild die Pufferverkleidung entfernt, und zum Vorschein kamen dann die häßlichen
Puffer. Bleibt zu hoffen, daß auch einmal das Modell im eleganten Hellgrün mit Pufferverkleidung aufgelegt wird.
Lackierung und Beschriftung
Das Roco-Modell weist die dunkelgrüne Lackierung auf, welche das Vorbild Anfang der sechziger Jahre erhielt. Als
Revisionsdatum ist 1965 angeschrieben. Die dunkelgrüne Lackierung des Kastens sowie das Silbergrau des Daches wurden beim
Modell gut getroffen. Die Anschriften sind vollständig vorhanden, zeigten sich jedoch beim getesteten Modell nicht ganz
lupenrein, insbesonders bei den beiden "Fabrikschildern" von SLM und MFO.
Motor- und Getriebeaufbau
Beide Lokhälften sind identisch aufgebaut. In einem hellgrau lackierten Druckgußchassis sitzt mittig ein schräggenuteter
fünfpoliger Motor mit zwei großen Schwungmassen und treibt über kurze Kardanwellen beide als Drehgestelle ausgeführten
Treibachsgruppen an. Die beiden außenliegenden Laufachsen sind an den benachbarten Drehgestellen mit Deichseln angelenkt,
die mittlere Laufachse am jeweils vorderen Drehgestell. Die Lok entspricht also lauftechnisch einer vierachsigen
Drehgestellok. Auf den Rädern der jeweils äußeren Treibachse jedes Drehgestells sind zwei Haftreifen aufgezogen. Der Motor
wird oben von einer Platine abgedeckt, die auf beiden Lokhälften einen genormten Steckplatz für einen Digitalbaustein
besitzt. Auf Lokhälfte 2 ist dieser durch ein aufgeklebtes Papier unbrauchbar gemacht.
Gehäusebefestigung
Das Gehäuse muß zum Abnehmen an den Seiten aufgespreizt und hinten leicht angehoben werden, dann nach vorne geschoben und
nach oben abgenommen werden. Beim Abnehmen kein Problem - aber beim Aufsetzen des Gehäuses macht diese Prozedur große
Schwierigkeiten, die richtige Stellung zu finden. Mehr als einmal stand das ganze Gehäuse schräg nach vorn, und die stolze
Landilok ähnelte einem U-Boot, das zum Schnelltauchen ansetzt.
Stromabnahme und Laufeigenschaften
Wer gleich nach dem Auspacken katastrophale Laufeigenschaften feststellt, sollte nicht erschrecken. Erst nach der von Roco
empfohlenen Einfahrzeit von je 30 Minuten vorwärts und rückwärts zeigt die Landilok angenehme Laufeigenschaften.
Die Geschwindigkeit bei 12 Volt lag bei umgerechnet 95 km/h. Selbst bei jenen 14 Volt, die der Roco-Trafo maximal abgeben
konnte, wurde mit 104 km/h die Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h um fünf Prozent unterschritten. Dies bewegt sich zwar
innerhalb der zulässigen Toleranz, ist andererseits aber der seltene Fall, daß eine Modellok die Vorbildgeschwindigkeit
nicht erreicht.
Die ruckfreie Minimalgeschwindigkeit beträgt 9 km/h bei einer Fahrspannung von 6 Volt. Dies erlaubt akkurate Rangiermanöver. Über Weichenstraßen und durch Kurven leistete sich die Lok erwartungsgemäß keine Schwächen. Immernhin werden alle 16 Treibräder zur Stromabnahme herangezogen. Die Laufachsen sind in den Kunststoffdeichseln ohne elektrische Verbindung gelagert.
Zugkraft
Im Modellbahnbetrieb verwöhnt die Landilok den Modell-Lokführer mit einer gigantischen Zugkraft von 415 g Gewicht über die
Seilrolle. Dies entspricht in der Ebene einem Zug mit 278 zweiachsigen Wagen, in der 3-%-Steigung mit 114 Wagen. Dies
übertrifft die Leistungsfähigkeit des Vorbildes bei weitem.
Beleuchtung und Wartung
Die Beleuchtung wechselt mit der Fahrtrichtung. Vorn wird das Dreilichtspitzensignal gezeigt, jeweils hinten das untere
rechte Licht, wie das im Signalreglement der SBB vorgeschrieben ist. Zu den meisten Wartungsarbeiten muß das Gehäuse
abgenommen werden. Dann liegen fast alle Bauteile gut zugänglich. Zu Arbeiten am Motor muß die Platine abgeschraubt werden.
Dies wird durch die eingesteckten gedruckten Leiterbahnen vereinfacht. Die Wartungsarbeiten sind auf einem beiliegenden
Blatt mit vielen Zeichnungen weitgehend wortlos dargestellt.
Fazit
Wie ihr Vorbild, so ist auch das Landilok-Modell ein beeindruckendes Fahrzeug mit riesigen Zugkraftreserven. Für wenige
kleine Schönheitsfehler wird man durch die guten Laufeigenschaften und den rundum gelungenen Gesamteindruck mehr als
entschädigt.
Bernd Beck
Maßtabelle Ae 8/14 11852 von Roco in H0
| | Vorbild | 1:87 | Modell |
| Länge über Puffer: | 34 010 | 390,9 | 391,8 |
| Höhe über SO: | 4 060 | 46,7 | 46,8 |
| Breite Lokkasten: | 3 000 | 34,5 | 35,0 |
| Pufferlänge: | 650 | 7,5 | 7,8 |
| Radstände: |
| Gesamtachsstand: | 29 010 | 333,4 | 333,0 |
| Achsstand Lokhälfte: | 12 500 | 143,7 | 143,4 |
| Achsstand hintere Laufachsen: | 4 010 | 46,1 | 43,8 |
| Achsstand Treibachspaar: | 2 000 | 23,0 | 23,0 |
| Achsstand innere Treibachsen: | 3 500 | 40,2 | 40,0 |
| Achsstand Lauf-/Treibachse: | 2 500 | 28,7 | 28,7 |
| Abstand Pufferteller/1. Achse: | 2 500 | 28,7 | 30,6 |
| Raddurchmesser |
| Treibrad: | 1 350 | 15,5 | 15,5 |
| Laufrad: | 950 | 10,9 | 11,1 |
| Radsatzmaße entsprechend NEM* |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,3 +0,1 | 14,3 |
| Spurkranzhöhe: | - | 1,0 +0,1 | 1,1 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,9 -0,1 | 0,9 |
| Radbreite: | - | 3,0 +0,1 | 2,8 |
Alle Maße in mm * Ein Vergleich mit den Vorbildmaßen ist nicht möglich
Meßwerte
| Gewicht Lok: | 875 g |
| Meßergebnisse Zugkraft: |
| Ebene: | 415 g |
| 3% Steigung: | 390 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| VVorbild: | wird nicht erreicht |
| Vmax: | 104 km/h bei 14 V |
| Vmin: | ca. 9 km/h bei 6 V |
| Auslauf aus Vmax: | 140 mm |
| Auslauf bei Vmin: | 6 mm |
|