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RegioShuttle in 1:87

 
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Mit seinem ersten Fahrzeug der neuen Produktlinie "RegioLine" befährt der bisherige Schmalspurspezialist Bemo erstmals die Regelspur. Das sehenswerte Ergebnis beschreiben Martin Knaden und Bernd Zöllner.

Sie hat was, die Epoche V! Seit der Einführung neuer Fahrzeuge sind Begriffe wie ICE und Pendolino in aller Munde. Zu Recht, wird doch gerade durch neue Fahrzeuge das Produkt Bahn attraktiver. Von dieser Attraktivität profitieren auch die Modelle. Jüngster Sproß der Modell-Epoche V ist der RegioShuttle, den Bemo zunächst in der Ausführung der Hohenzollerischen Landesbahn präsentiert.

Das Modell vereint zwei gegensätzliche Forderungen auf sehr harmonische Weise miteinander: zum einen sollte der Innenraum offen und frei für Passagiere sein, zum anderen mußte das Modell eine gewisse Masse mit sich bringen. Schon gleich beim Auspacken fällt daher das hohe Gewicht - bedingt durch das schwere Druckguß-Chassis - auf, trotzdem innen Platz ist für jede Menge Preiserlein.

Die klaren Linien des Vorbilds sind im Modell maßstäblich perfekt umgesetzt. Dabei weisen die - oberflächlich betrachtet - glatten Wände doch zahlreiche Details wie Lüfterschlitze und Türrahmen auf, die in feiner Gravur berücksichtigt wurden.

Kennzeichen moderner Fahrzeuge sind eingeklebte Scheiben, die sich deutlich durch einen schwarzen Kleberand zum Gehäuse hin abgrenzen. Bei den exakt bündig eingesetzten Modellfenstern wurden die Kleberänder durch einen schwarzen Aufdruck dargestellt. Ebenfalls schwarz aufgedruckt sind die Diagonalstreben, die beim Original zwischen den Doppelscheiben sichtbar sind. So kommt der Vorbildeindruck überzeugend rüber.

Für die Bedruckung wurde ein hoher Aufwand getrieben: 76 Druckvorgänge mußte jedes Gehäuse über sich ergehen lassen. Die roten Flächen des zweifarbigen Wagenkastens sind zur Erzielung einer hohe Farbdichte sogar jeweils dreimal aufgedruckt worden, ohne daß dies zu unscharfen Konturen geführt hätte.

Auch die Beschriftung ist exzellent: Beginnend mit dem großen Schriftzug der Eigentümerkennzeichnung über ungezählte Logos neben den Türen bis hin zu den Rahmenanschriften in winzigen, aber lupenrein lesbaren Buchstaben ist der Triebwagen 210 der HzL im Ablieferungszustand exakt wiedergegeben. Demzufolge blieb auch das Feld der Revisionsdaten noch leer.

Die Farbtrennkante des Daches ist zwangsläufig exakt, hier wurde das silbergraue Feld als separates Formteil eingesetzt. Die Dachdetails wie Lüfter und Zugbahnfunkantennen sind ebenfalls einzeln angesetzt.

Zur Selbstmontage liegen dem Modell lediglich Bremsschläuche und Kupplungsattrappen bei. Während letztere stramm und ohne Klebstoff eingesetzt werden können, muß bei den Bremsschläuchen etwas Sekundenkleber zu Hilfe genommen werden. Reiner Polystyrol-Kleber wirkt nicht

Shuttle-Technik

Hinter einem der Einstiegsbereiche ist der Motor sehr unauffällig gelagert. Es handelt sich um einen fünfpoligen Glockenankermotor von Maxon, der mit einer ausreichend dimensionierten Schwungmasse bestückt ist.

Der Motor gibt seine Kraft über eine Kardanwelle auf ein Schnecke-/Stirnradgetriebe in einem der beiden Drehgestelle weiter. Hier werden beide Achsen angetrieben, jedoch trägt nur der innere Radsatz auf beiden Rädern Haftreifen.

Diese unsymmetrische Haftreifenverteilung verursacht deutliche Unterschiede in der Zugkraft bei Vorwärts- bzw. Rückwärtsfahrt (vgl. Tabelle). Allerdings ist der Triebwagen schon vom Vorbild her keine Zugmaschine, sondern hat lediglich einzelne Güterwagen mitzuschleppen. Für einen solchen Einsatz genügt die Rückwärts-Zugkraft des Modells voll und ganz.

Im gesamten Geschwindigkeitsbereich läßt sich der VT fein regeln. Der schwingungsarme Motor und die dämpfende Schaumstofflagerung lassen trotz des großen Kunststoffgehäuses keine Resonanzen entstehen.

Von der Rückseite aller acht Räder wird der Strom über federnde Blechkontakte abgenommen. Die wirkungsvolle Schwungmasse ergibt zusammen mit dem ohne Magnethemmung drehenden Glockenankermotor einen beachtlichen Auslauf. Kleinere stromlose Gleisabschnitte und Verschmutzungen sind daher für den RegioShuttle kein Thema.

Unter beiden Führerständen wie auch im Dach finden sich Leiterplatten mit winzigen SMD-Bauteilen. Auch die gelb-rot wechselnden Leuchtdioden entsprechen dieser Technik. Obwohl die Fahrzeuge beim Vorbild häufig zu zweit eingesetzt werden, gibt es keinen Abschalter für die Frontbeleuchtung, so daß diese auch zwischen den Fronten leuchtet.

Für das Kuppeln mit anderen Modellen ist eine Kurzkupplung mit Kinematik und Normschacht vorgesehen. Allerdings erfolgt die Rückstellkraft der Deichsel nicht über eine weiche Metallfeder, sondern über relativ stramme Kunststofflaschen am Deichselspritzling.

Die Inneneinrichtung ist zweifarbig ausgeführt, was einen sehr filigranen Eindruck macht. Nach dem Ausbau der mittleren Inneneinrichtung findet man die Stromverteiler-Platine, in die die Schnittstelle nach NEM integriert ist. Ein Digitaldecoder mit Schnittstellenstecker läßt sich hier bequem an-schließen. Zur Unterbringung des Bausteins ist ein Räumchen im Bereich des zweiten Einstiegs vorhanden, das auch zwei Federn für die sehr sichere Stromübertragung nach oben beherrbergt. Sollte der vorgesehene Decoder hierfür zu groß sein, läßt er sich auch über dem Motorabdeckblech ankleben und ist dann ebenfalls gut getarnt.

Fazit

Mit dem RegioShuttle RS1 nach ADtranz-Vorbild in 1:87 hat Bemo ein ausgezeichnetes Modell präsentiert. Man darf hoffen, daß in dieser völlig neuen Produktlinie noch viele weitere Ausführungen folgen werden, die den Nahverkehr auch auf der Modellbahn beleben. Der RS1 der Schönbuchbahn ist bereits angekündigt.
MK

Maßtabelle RegioShuttle von Bemo in H0

 Vorbild1:87/NEMModell
Längenmaße
Länge über Puffer:25 500293,1293,1
Länge über Kasten:24 460281,1279,7
Höhe über Dachoberkante:3 70042,542,7
Breite Lokkasten:2 90033,333,6
Radstände
Gesamtachsstand:18 900217,2217,2
Drehzapfenabstand:17 100196,6196,6
Drehgestell-Achsstand:1 80020,720,8
Raddurchmesser:7708,98,8
Puffermaße
Pufferhöhe über SO:1 05012,112,1
Puffermittenabstand:1 75020,120,2
Pufferlänge:52012,112,1
Radsatzmaße entsprechend NEM
Radsatzinnenmaß:- 14,3+0,114,4
Radbreite:-2,8min2,6
Spurkranzhöhe:-1,2max1,2
Spurkranzbreite:-0,7-0,90,6

Meßwerte RegioShuttle

Gewicht:374 g
Haftreifen:2
Meßergebnisse Zugkraft
Ebene vorwärts*:67 g
Ebene rückwärts: 38 g
3% Steigung vorwärts*:63 g
3% Steigung rückwärts:27 g
Geschwindigkeiten (ohne angehängte Last)
Vmax: 148 km/h bei 12 V
VVorbild:120 km/h bei 9,4 V
NEM zulässig:168 km/h bei 12 V
Vmin:ca. 12 km/h bei 1,8 V
Auslauf
aus Vmax:300 mm
aus VVorbild:210 mm
Lichtaustritt
vorn: ab 50 km/h bei 4,5 V
Schwungscheibe
Anzahl:1
Durchmesser: 15,8 mm
Länge:5,0 mm
*) angetriebenes Drehgestell in Fahrtrichtung vorn


 

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