  
  

  
  
  
  
  

  
  
  
  
  

  
  
  
  
  
  
  
  
|
|
Länderbahn-Lokomotiven haben ob ihrer farbenfrohen Lackierung immer einen besonderen Reiz. Hinzu kommt das zumeist recht individuelle Erscheinungsbild, das sich abwechslungsreich vom Aussehen der Einheitsloks unterscheidet. Nicht wenige Modellbahner haben sich daher auf diese schmale Hobbynische spezialisiert.
Ihnen bietet Brawa nach der Güterzuglok der württ. Fc nun konsequent auch eine Schnellzuglokomotive. Während noch der Tender der Fc weiterverwendet werden konnte - lediglich die vordere Plattform ist etwas höher -, sind alle Teile der Lokomotive völlig neu.
Charakteristisch sind das dicke Verbindungsrohr zwischen den beiden Dampfdomen und der ausgeprägte Krempenschornstein, dessen Rundungen exakt wiedergegeben werden. Besonders interessant ist an der recht glattflächigen Lok die Lokführerseite: Hier ist dicht am Führerhaus die Luftpumpe angesetzt, die mit drei nur 0,4 mm dünnen Leitungen angeschlossen ist. Direkt dahinter verläuft die stahlblanke Umsteuerstange, die mit Umlenkhebel und Zugstange vorbildgerecht bis zur Steuerung reicht.
Alle Griffstangen am Kessel bestehen aus Draht und sind mit zierlichen Haltern separat angesetzt. Dadurch konnten sie farblich richtig in Schwarz abgesetzt werden. Schwarz abgesetzt sind zudem Sicherheitsventil, Nummernschild, Verschlussknebel und der Halter für die dritte Spitzenlampe. Die weitere Detaillierung des Kessels mit Kesselringen, Stehkesselbolzen und Waschluken ist in feiner Gravur dargestellt.
Die Stehkesselrückwand mit frei stehenden Armaturen, Reglerhebel und Umsteuerkurbel ist vollständig detailliert. Besonders lobenswert sind die beweglichen Führerstandstüren, die zwischen Lok und Tender ein vorbildlich geschlossenes Bild ergeben.
Am Tender wurden im Vergleich zum Fc-Tender neben der höheren Plattform die Behälter für Werkzeug und Entkalkungsmittel jetzt in Grün gehalten und die seitlichen Zusatzbretter weggelassen. Für den Einsatz mit einer Schnellzuglok hat der Tender zudem einen eigenen Bremszylinder erhalten.
Das Fahrwerk besticht durch seine großen Räder mit den äußerst feinen Speichen. (Während an unserem Testmuster aus der Vorserie die Vorlaufräder noch neun Speichen zeigen, werden selbstverständlich in der Serie hier achtspeichige Räder eingebaut sein.) Die Laufflächen sind schwarzvernickelt, ebenso die gegossenen Metallteile der Steuerung. Leider wurden die Kunststoffteile der Steuerung dieser Farbe nicht angepasst und erscheinen in Silbergrau zu hell.
Lokrahmen wie auch der Rahmen des Drehgestells zeigen feine Nieten. Hier sind die senkrechten Bremszylinder mit ihrer eigenwilligen Betätigung der Bremsbacken und die Sandfallrohre separat angesetzt. Die Bremssandbehälter stehen dagegen auf dem Umlauf.
Die Lackierung im Grün der württembergischen Länderbahn ist relativ matt gehalten und gibt so den Zustand einer gepflegten Lok im Betrieb wieder. Die wenigen Messingschilder sind durch glänzende, schwarz-goldene Aufdrucke dargestellt.
Technik
Nach dem Lösen der Schrauben lässt sich das Lokgehäuse oberhalb des Umlaufs ohne Hakeln abheben. Zum Vorschein kommt nicht nur ein kleiner Motor, der sich in den Stehkesselbereich zwängt, sondern auch die Imitation der Langkesselvorderwand nebst Dampfsammelkasten und Einströmrohren! Zu genießen sind diese Details nur, wenn man die Rauchkammertür von innen herausdrückt und im geöffneten Zustand wieder anklebt - Scharniere sind nicht vorhanden.
Zurück zum Motor: Er gibt seine Kraft über eine Messingschnecke mit Modul 0,3 an ein schräg verzahntes Schneckenrad, seitliche Stirnzahnräder mit Modul 0,4 führen weiter auf die Treibachse. Die Kuppelachse wird über die Stangen mitgenommen und ist mit Haftreifen bestückt. Der wesentliche Teil der Zugkraft wird ungewöhnlicherweise über die Kuppelstangen übertragen. Dennoch war bei unseren Fahrversuchen keinerlei Ruckeln oder Zucken zu beobachten - aha, ein überzeugendes Anzeichen für die präzise Fertigung der beteiligten Bauteile!
Die Stromaufnahme erfolgt beidseitig über die Antriebsräder der Lok und (schleiferlos) alle Tenderräder sowie zusätzlich masseseitig über die Vorlaufräder. Das reicht für einen sicheren Betrieb völlig aus. Im Tender liegt eine Platine mit achtpoliger Schnittstelle nach NEM 652. Hier ist auch genügend Raum für einen kleinen Digitaldecoder. Die Verbindung zwischen Lok und Tender erfolgt sechsadrig und unsichtbar in der Rahmenverlängerung der Lok.
Die Fahreigenschaften sind sehr ausgewogen. Mit kaum hörbarem Betriebsgeräusch zieht die Lok in allen Geschwindigkeitsbereichen ihre Bahn. Die Mindestgeschwindigkeit genügt um das Modell exakt an den Zug zu setzen, die Höchstgeschwindigkeit überschreitet den zulässigen Wert nicht.
Ab etwa halber Höchstgeschwindigkeit ist die Beleuchtung in den Lampen erkennbar. Hier wurden erfreulicherweise weiß leuchtende Glühbirnchen verwendet. Allerdings scheint das Licht bei Rückwärtsfahrt zwischen Werkzeugkasten und Pufferträger des Tenders hindurch.
Nur wenige Zurüstteile sind vom Käufer selbst anzubringen. In die Normschächte (ohne Kurzkupplungskulisse) können alle kompatiblen Kupplungen eingesetzt werden. Eine ausführliche, zweisprachige Betriebsanleitung ergänzt das Modell.
Fazit
Nach Fleischmanns S 6 (und vor Rocos P 4.2) ist die württ. AD das zweite gelungene Modell aus der Riege der 2'B-Maschinen. Länderbahn-Vorbilder erleben damit immer stärker eine Renaissance und verlieren gleichzeitig ihr Exoten-Image. Mit der Gleichstrom-AD wird auch die Wechselstrom-Version ausgeliefert. Reichsbahnfreunde können sich jetzt schon mal auf die Ausführung als BR 13.16 - dann mit anderem Schlot und anderer Rauchkammertür - freuen. MK
Maßtabelle württ. AD in H0 von Brawa
| | Vorbild | 1:87 | Modell |
| Längenmaße |
| Länge über Puffer: | 15 437 | 177,4 | 178,6 |
| Lok-Tender-Abstand: | 130 | 1,5 | 2,1 |
| Höhenmaße über SO |
| Schlotoberkante: | 4 100 | 47,1 | 47,7 |
| Kesselmitte: | 2 250 | 25,9 | 27,2 |
| Puffermaße |
| Pufferhöhe über SO: | 1 040 | 12,0 | 11,9 |
| Puffermittenabstand: | 1 750 | 20,1 | 20,1 |
| Pufferlänge: | 610 | 7,0 | 7,0 |
| Breitenmaße |
| Breite Führerhaus: | 2 700 | 31,0 | 31,2 |
| Zylindermittenabstand: | 2 140 | 24,6 | 24,7 |
| Achsstände |
| Gesamtachsstand: | 12 192 | 140,1 | 141,8 |
| Achsstand Lok: | 6 810 | 78,3 | 79,0 |
| Abstand Pufferträger zu Vorlaufachse 1: | 900 | 10,3 | 10,7 |
| Vorlaufachse 1 zu Vorlaufachse 2: | 2 000 | 23,0 | 23,6 |
| Vorlaufachse 2 zu Kuppelachse 1: | 2 160 | 24,8 | 24,9 |
| Kuppelachse 1 zu Kuppelachse 2: | 2 650 | 30,5 | 30,5 |
| Abstand Kuppelachse 2 zu Kuppelkasten: | 1 372 | 15,8 | 16,0 |
| Achsstände Tender |
| Gesamtachsstand Tender: | 3 000 | 34,5 | 34,5 |
| Abstand Kuppelkasten zu Tenderachse 1: | 880 | 10,1 | 10,2 |
| Abstand Tenderachse 2 zu Pufferebene: | 1 740 | 20,0 | 19,5 |
| Raddurchmesser |
| Vorlaufräder: | 850 | 9,8 | 9,8 |
| Treib- und Kuppelräder: | 1 800 | 20,7 | 20,7 |
| Tenderräder: | 1 045 | 12,0 | 12,0 |
| Speichenzahl |
| Vorlaufräder: | 8 | - | 8 |
| Treib- und Kuppelräder: | 14 | - | 14 |
| Tenderräder: | 9 | - | 9 |
| Radsatzmaße entsprechend NEM | | NEM |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,3+0,1 | 14,3 |
| Spurkranzhöhe: | - | 1,2max | 1,0 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,7-0,9 | 0,7 |
| Radbreite: | - | 2,8min | 2,8 |
Messwerte württ. AD von Brawa
| Gewicht Lok: | 259 g |
| Haftreifen: | 2 |
| Messergebnisse Zugkraft |
| Ebene: | 65 g |
| 3% Steigung: | 59 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 114 km/h bei 12,0 V |
| VVorbild: | 100 km/h bei 10,0 V |
| Vmin: | ca. 8 km/h bei 2,8 V |
| NEM zulässig: | 140 km/h bei 12 V |
| Auslauf |
| aus Vmax: | 131 mm |
| aus VVorbild: | 100 mm |
| Stromaufnahme |
| Leerfahrt: | 150 mA |
| Volllast: | 400 mA |
| Lichtaustritt: | ab 40 km/h bei 6 V |
| Schwungscheibe |
| Anzahl: | 1 |
| Durchmesser: | 13,0 mm |
| Länge: | 4,2 mm |
| Ungefährer Preis: | EUR 250,- |
|